"Lurulu" - so der amerikanische Originaltitel - bezeichnet in etwa den Zustand, den man erreicht, wenn eine lange für unstillbar gehaltene Sehnsucht erfüllt wird. Darin schwingt eine gewisse Melancholie mit, von der das Buch über weite Strecken erfüllt ist.
Tatsächlich kommen in diesem Buch zwei große Reisen zum Abschluss. Als erstes zu nennen die von Myron Tany. In
Jenseits der Leere heuerte der junge Mann an Bord des Raumfrachters Glicca an, der verschiedene Planeten am Rande des "Gaean Reach" (hier, durch einen anderen Übersetzer, "Gaeanisches Territorium") anfliegt, einer davon skurriler als der andere. Und Myron begegnete den verschiedensten Charakteren, Passagieren der Glicca und anderen, alle von der Suche nach ihrem persönlichen Lurulu umgetrieben. In der ersten Hälfte dieses Buches geht es nun um die Queste des Kapitäns Adair Maloof, der Myron seine Lebensgeschichte anvertraut: auf dem nächsten Ziel der Reise, dem wunderschönen und dünn besiedelten Fluter, hofft er, seine Mutter wieder zu finden, die mit dem dubiosen Loy Tremaine durchgebrannt ist - dem Mörder seines Vaters.
Die von Jack Vance gewohnten, farbenprächtigen und stets von exotischen Überraschungen überschäumenden Beschreibungen vermisse ich hier fast völlig. Langwierig, gespreizt und ohne Esprit erzählt er, wie Myron Tany und Maloof der Spur des Verbrechers folgen. Somit wird ein wichtiger Handlungsstrang aus dem ersten Teil zu Ende gebracht.
Die nächsten Stationen der Reise beenden die Handlung um Marcel Moncrief, den Mausreiter, und seine gegensätzliche Schaustellertruppe. Ein Teil der finanziellen Verwirrungen aus dem vorherigen Band wird dabei wiedergekäut, leider auch mit einigen Widersprüchen, und die Auflösung ist etwas platt geraten. Immerhin tritt Moncrief als derselbe liebenswürdig-chaotische Schwindler wie im Vorgängerband auf, und auf dem Planeten Blenkinsop kommt es zu einem letzten furiosen Auftritt der Truppe.
Nach einem Schweinsgalopp über einige weitere Planeten macht die Glicca einen kurzen Abstecher nach Naharius, Deckname "Kodaira", wo Myron seine Tante Hester Lajoie wiederfindet, die sich hier einer Verjüngungskur unterziehen wollte. Damit sind die wesentlichen offenen Fäden aus "Jenseits der Leere" abgeschlossen, einige mehr, andere weniger befriedigend - fast wie im wirklichen Leben...
Was für eine Karriere! 1945 erschien seine erste Kurzgeschichte, "Der Weltersinner" (The World Thinker in Thrilling Wonder Stories). Der große Meister, John Holbrook Vance, ist inzwischen 94 Jahre alt und fast völlig erblindet. Nach eigener Aussage sollte "Lurulu" (2004) sein letztes Buch sein; immerhin erschien September 2009 noch seine Autobiografie "This is Me, Jack Vance!".