Wenn ich persönlich an Coldplay denke, verbinde ich es mit alternativer Musik, die sich nicht am Mainstream orientiert, aber mittlerweile trotzdem Mainstream ist. Mit diesem Album geht die Band einen weiteren Schritt auf diesen Markt zu.
Ich habe das Album nun einige Male gehört, beim ersten Mal, das gebe ich ganz ehrlich zu, war ich enttäuscht. Denn dass sich das Album ähnlich wie schon "Viva La Vida" mehr am durchschnittlichen Musikgeschmack orientiert, tat mir schon etwas weh. Von den insgesamt 14 Tracks sind aber nur 11 als richtige Songs zu bezeichnen. Die in "Viva La Vida" eingeführte Eingenart, die Tracks mit solchen Lückenfüllern ineinander übergehen zu lassen wird hier leider fortgeführt. Von daher ist der erste Track "Mylo Xyloto" enttäuschend, denn dieser ist nämlich der erste von diesen drei Songs. Die meisten Tracks kannte ich schon von Live-Auftritten in den letzten Monaten, "Hurts Like Heaven" zum Beispiel sollte eigentlich einer meiner absoluten Lieblingstracks werden. Unheimlich tolle, abwechslungsreiche Melodie, schöne Gitarre und natürlich Martin's Stimme machten diesen Song zum top Livetrack. Ein großes Fragezeichen schwebte mir dann über dem Kopf, als ich die Studio-Version hörte. Warum wird Martin's Stimme von einer zweiten unterlegt, die sich anhört wie ein Roboter? Warum so elektronisch? Ganz versauen tut es den Track nicht, aber ich war schon etwas schockiert und ich kann es absolut nicht verstehen.
Dann geht's weiter, "Paradise". Toller Song, ein Stilmix aus "Viva La Vida" und "X&Y". Martins Stimme steht zurecht im Vordergrund und macht diesen Song aus, so, wie es bei Coldplay sein sollte.
Im Anschluss folgt ein weiterer Hoffnungsträger. Charlie Brown ist definitiv bei den Live-Auftritten der beliebteste Track gewesen. Martin und seine Akustikgitarre gehen sofort ins Ohr und entwickeln sich unweigerlich direkt zum Ohrwurm, tolle Variablen im weiteren Verlauf machen diesen Song einzigartig. Dieser Track wird einmal ein Klassiker a la "Yellow" oder "Clocks" sein. Danach wird es wieder etwas ruhiger, in "Us Against the World" singen Martin und Schlagzeuger Will Champion zusammen eine schöne Ballade, die Coldplay-Fans direkt ins Herz gehen sollte. "M.M.I.X." ist ein weiterer, überflüssiger Track. Eine 50 Sekunden lange, unspektakuläre Einleitung zu "Every Teardrop Is A Waterfall". Als der Track im Juni als Single erschien, war ich erst enttäuscht, aber man muss dieses Lied einfach lieb gewinnen. Ich möchte es auf diesem Album nicht missen. Auch "Major Minus" war schon vorher bekannt. Ich mochte dieses Lied schon da nicht und ich bezweifle, dass sich daran noch etwas ändern wird. Martins Stimme wird komplett in den Hintergrund geschoben, im Refrain nur ein "Uh uh uh". Nein, das ist wirklich nicht Coldplay. "U.F.O." ein weiterer, ruhiger Track der den Hörer mit einer schönen Melodie auf den wohl kontroversesten Track dieses Albums vorbereitet. "Princess Of China". Auch dieser Song war Live umwerfend. Auch dieser Track ist im Studio komplett kaputtproduziert worden, durch den ganzen Track zeiht sich ein schrecklich elektronischer Synthesizer. Dazu kommt dann noch Rihanna. Spätestens hier merkt man: Die Band hatte bei der Produktion nur eines im Kopf: Geld, Geld, Geld. Denn dieser Track wird mit Sicherheit Chartstürmer, alleine wegen den Millionen von Teenagern, die wirklich alles kaufen, wo diese jaulende Schrulle mitmacht. Sie versaut dieses Lied, sehr schade. Man kann nur hoffen, dass ein Live-Album ohne ihre Stimme erscheint. Ein weiterer, völlig misslungen Titel ist dann "Up in Flames". Aus den einfachsten Soundloops zusammengebastelt. Martin wiederholt sich am laufenden Band. Keine Spur von Coldplay.
"A Hopeful Transmission" ist der letzte Lückenfüller. Allerdings ist dieser wenigstens gut, tolle Einleitung zu einem tollen Track. "Don't Let It Break Your Heart" holt kurz vor Schluss nochmal alles raus, was die Band zu bieten hat. Ein überraschend mitreißender Track auf dem Weg zur Stadionrocker, bei dem ich sofort Gänsehaut bekommen habe. Ein Manko: Leider ist Martins Stimme wieder etwas zu leise.
"Up With The Birds" rundet das Ganze sehr angenehm ab und hinterlässt mit einem tollen Finale einen positiven Eindruck.
Alle Tracks:
(Mylo Xyloto - 5/10)
Hurts Like Heaven - 7/10
Paradise - 9/10
Charlie Brown - 10/10
Us Against The World - 8/10
(M.M.I.X. - 2/10)
Every Teardrop Is A Waterfall - 8/10
Major Minus - 6/10
U.F.O. - 8/10
Princess Of China - 5/10
Up In Flames - 4/10
(A Hopeful Transmission - 6/10)
Don't Let It Break Your Heart - 9/10
Up With The Birds - 8/10
Insgesamt würde ich dem Album 7/10 Punkte geben, ich mache daraus mal 4/5 Sterne, beide Augen zugedrückt.
Fazit: Für den Mainstream-Markt perfekt. Auch für langjährige Coldplay-Fans finden sich einige schöne Songs. Das beste Album der Band ist es aber nicht.