Nikolaj Mjaskowskij wurde 1881 in der Festung Nowo-Geogijewsk bei Warschau geboren, wo sein Vater als russischer Offizier war. Er trat in die Kadettenschule ein und war bereits Oberleutnant als er 1906 erstmals Anatolij Ljadows (1855-1914) und dann auch Rimskij-Korsakows (1844-1908) Klasse am Petersburger Konservatorium besuchte ; früher hatte her während einer kurzen Versuchszeit von ein paar Monaten bei Rejngold Glière (1875-1956) Stunden genommen. Skrjabin und Dostojewskij wichtige Vorbilder waren. Er befreundete sich bald mit einem um zehn Jahre jüngeren Mitschüler namens Sergej Prokofjew (1891-1953). Als Dreißigjähriger legte Mjaskowskij seine Abschlußprüfung ab. 1921 wurde der Kompositionsprofessor am Moskauer Konservatorium. Zu seinen vielen Schülern gehörte Wissarion Schebalin (1902-1963), Aram Chatschaturjan (1903-1979), Dmitrij Kabalewskij (1904-1987), Evgenij Golubew (1910-1988), German Galinin (1922-1966) und Boris Tschaikowskij (1925-1996). Im Januar 1948, Mjaskowskij - mit Dmitrij Schostakowitch (1906-1975), Gavrill Popow (1904-1972), Sergej Prokofjew, Wissarion Schebalin, Aram Chatschaturjan, und Dmitrij Kabalewskij - zu den Komponisten gehörte, die mit Namen kritisiert wurden.
Mjaskowskij war nie ein ausgesprochener Modernist: er kombinierte einen häufig sehr russische Melodik mit harmonischen und formale Merkmalen, die gleichzeitig etwa bei der französischen Gruppe "Les Six" zu finden waren. Er gehörte vielmehr zu jener Generation, die als Brücke von den russischen Romantikern zu den großen Neuschaffenden des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden kann. Ohne diese Brücke kennenzulernen ist es nicht leicht, die Entwicklung der folgenden Generationen historisch zu verstehen.
Das Konzert für Violoncello und Orchester Op. 66 in c-moll entstand 1944 und zählt zu den Spätwerken des Komponisten. In der melodischen Gestaltung greift Mjaskowskij auf Motive der russischen Volksmusik zurück, die in der ausdrucksstarken und gefühlsbetonten Stimmführung des Soloinstruments transparent werden.
Im Februar 1949, unterzog Mjiaskowskij sich aufgrund des Magenkrebses, an dem er schließlich auch starb, einer schweren Operation. Der Sommer verbrachte er zu Genesung in Nikolina Gora, wo Prokofjew bis 1950 ständig lebte; vollendete Mjaskowskij dort seine Klaviersonaten Nr. 8 und 9, das Streichquartett Nr. 13 und seine Sinfonie Nr. 27 in c-Moll Op. 85. Bis zum 6. August waren die Entwürfe für die Sinfonie fertig, und Mjaskowskij schloß die Orchestrierung im früher November ab. Am Neujahrstag hörte Mjaskovskij im Haus seines alten Freundes Pawel Lamm eine Klavierfassungen der neuen Sinfonie, lebte aber nicht mehr lange genug, und die am 9. Dezember, also vier Monate nach seinem Tod, stattfindende Orchesterpremiere zu erleben. Wie alle seine Sinfonien seit der Nr. 22, war Mjaskovskij letzter Vorstoß in diesem Genre als dreisätziges Werk konzipiert.
Der Kopfsatz in Sonatenform besteht aus zwei scharf kontrastierenden Ideen. Zunächst erklingt die erste düster in die Fagotten, aber im anziehenden Tempo wird sie von den Streichen in ein äußerst dynamisches und impulsives Thema verwandelt, welches zum dramatischen Kern des Satzes. Bei der zweiten Idee handelt es sich um eine Gruppe lyrischer Motive in der Holzbläsern und Streichern. Obwohl diese beiden thematischen Episoden ganz unterschiedlich sind, entwachsen sie einander doch auf organische Art und Weise und liefern außerdem die Bausteine für die übrigen beiden Sätze der Sinfonie, so daß eine zyklische Wirkung entsteht.
Das herrliche Adagio ist ein von Mjaskowskij genialsten Kreationen.
Im Finale - Prestro ma non troppo - kehren die früheren Themen wieder und werden gewissermaßen in einem Sog wirbelnder Streicher und Holzbläser umhergeworfen. Zum Schluß kristallisiert sich ein forsches Marschthema heraus.
Russian State Symphony Orchestra, Alexander Ivashkin, Violoncello, Valery Polyansky, Dir.