Eva Herman ruft uns zurück an den Herd, während sie selbst um ihren Job kämpft, Ursula von der Leyen suggeriert, dass alles ganz einfach ist ' Kinder, Karriere, Konservativismus ', und wir Frauen beäugen uns misstrauisch gegenseitig: Wird meine Freundin auch so eine Glucke, wenn sie jetzt gleich Zwillinge bekommt? Macht meine Kollegin nicht einfach deshalb Karriere, weil sie die kantigeren Ellenbogen hat? Und dass meine Vorgesetzten nur auf dem Posten sitzt, weil sie die kürzeren Röcke trägt, dem Chef nach dem Mund redet und keine Kinder hat, ist mir sowieso schon lange klar.
In 'My Way' erzählen Frau Kleinschmidt und Frau Otto keine Märchen über Superfrauen oder Mütter, die das Mutterkreuz verdient hätten. Sie spielen die diversen Lebensmodelle, zwischen denen wir uns immer wieder entscheiden müssen, nicht gegeneinander aus. Sie haben sich einfach umgeschaut: wie die Statistiken aussehen, wie die Familienpolitik in den Nachbarländern gestaltet wird, was Coachs und andere Expertinnen sagen und nicht zuletzt, wie Frauen leben, die sie kennen. Vor allem diejenigen, die sich für Kinder entschieden haben, denn 'My Way' ist in erster Linie ein Buch für Mütter und solche, die es werden wollen.
Das Fachbuch zur ganz normalen Karriere beschreibt klar und übersichtlich, was frau von anderen lernen kann: von den Karrierefrauen zum Beispiel. Nämlich über Geld zu reden und hart zu verhandeln, statt darauf zu warten, dass jemand endlich anerkennt, wie gut und viel wir arbeiten. Oder von Müttern, die im Beruf zurückstecken: dass nicht jede der Karrieretyp ist und sich das auch eingestehen sollte. Oder von entfernten Bekannten, die frau ruhig auch zu Rate ziehen kann, wenn sie etwas besser wissen.
Vor allem aber holt das Buch uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Niemand schafft alles. Es ist normal, dass wir uns gegenseitig zuweilen beneiden. Und das Glück, sei es mit Partner, Kindern oder im Beruf, fällt nicht vom Himmel. Einiges müssen wir ganz unromantisch und rational planen. Vor allem dann, wenn wir beides haben wollen, Beruf und Kinder.
Nur von Frauen wie Eva Herman und Ursula von der Leyen gibt es absolut nichts abzugucken. Denn den extremen Wohlstand und den gesellschaftlichen Status teilen die wenigsten mit der Familienministerin. Und ein Leben am Herd befriedigt nur einen kleinen Teil der Frauen. Offensichtlich gehört zu dem nicht einmal Frau Herman.