Jan Vogler zählt für mich zu den intelligentesten Musikern unserer Zeit. Umso mehr hat mich zunächst der Titel seines neuen Albums verwirrt: My tunes", ein Best-of-Album, geschmückt mit den beliebtesten Werken der Klassik als Arrangements für Cello und Orchester? Nichts von alledem, Jan Vogler bleibt sich treu, auch wenn er zurückblickt und ein Album mit eigenen Lieblingsmelodien" veröffentlicht. Entstanden ist tatsächlich ein sehr persönliches Album, das sich keineswegs aus abgedroschenen Paradestückchen der Klassik speist, sondern Originalliteratur und Bearbeitungen zu einer musikalischen Entdeckungsreise der besonderen Art zusammenfügt.
Es gibt viel Neues zu entdecken auf dieser CD, zum Beispiel mit Ernest Blochs Prayer" und Max Bruchs Kol Nidrei" gleich zwei elegische Werke, die von jüdischer Musiktradition künden. Überhaupt bestimmt vor allem ein nachdenklicher Tonfall die zumeist kürzeren Werke dieser Einspielung - und da kommt Jan Voglers Gespür für ausgedehnte Phrasierungen natürlich wunderbar zur Geltung. Mein persönlicher Favorit unter den Werken dieser CD ist eine Bearbeitung: Wie Vogler den Engel", das erste der Wagnerschen Wesendoncklieder, umsetzt, ist so traumhaft schön und sanglich, dass man auch einmal getrost auf die menschliche Stimme verzichten kann.
Eine schöne CD, im wahrsten Sinn des Wortes, denn auch die ganze Gestaltung finde ich sehr ansprechend, und über den persönlichen Beitrag des Cellisten im Booklet habe ich mich sehr gefreut.