'My Song' ist mehr als eine Autobiographie: Die packend geschriebene Lebensgeschichte des Ausnahmetalents Harry Belafonte gibt zugleich einen komprimierten und erhellenden Einblick in den Geschichte des Kampfes der amerikanischen Schwarzen gegen Diskriminierung und für Bürgerrechte.
Als armes Einwandererkind in bitterster Armut aufgewachsen, weder zu den Schwarzen noch zu den Weißen gehörend, beschreitet Belafonte seinen schwierigen Weg der Suche nach seiner eigenen und kulturellen Identität. Aus der Perspektive seiner Herkunftsbedingungen eigentlich chancenlos, öffnen seine natürliche musikalische Begabung und seine soziale Intelligenz ihm die Durchbruch zu ungekannten Höhen: Schon in jungen Jahren wird er der erste Interpret sein, dem es gelingt, mehr als eine Million Schallplatten zu verkaufen und seine Verkaufsrekord wird erst viele Jahre später durch Michael Jacksons Album 'Thriller' abgelöst werden.
Zu diesem Erfolg trug natürlich auch bei, dass es Belafonte vergönnt war, zur richtigen Zeit mit den richtigen Themen am richtigen Ort zu sein: So lernt er - kaum zwanzig Jahre alt - die bedeutendsten Jazz-Musiker kennen und freundet sich mit ihnen an. Eben so wichtig ist aber seine erstaunliche Fähigkeit, schon früh zu erkennen, was seine Begabung und seine 'innere Berufung' sind. Obwohl er anfangs beachtliche Erfolge mit simplen Pop-Songs erzielt, wendet er sich schnell von diesem Genre ab und sucht nach ihm gemäßen Ausdrucksformen, die er in politisch engagierten Folksongs findet. Statt sich auf den Höhen seiner unglaublichen Erfolge auszuruhen, setzt er sein Talent und seine Popularität für den Bürgerrechtskampf der Schwarzen, aber auch der Armen ein. So wird er zu einem der engsten Gefährten des Bürgerrechtlers Martin Luther King, kann Robert Kennedy in seinem Engagement bestärken und arbeitet sogar für die Freilassung Nelson Mandelas. Aufgrund seiner Popularität gelingt es ihm immer wieder ' auch im fortgeschrittenen Alter ' Künstler für politisches Engagement zu gewinnen. So erfährt man neben anderem den Hintergrund der Entstehung des Songs 'We are the world' und der dazugehörigen Kampagne für die Welthungerhilfe, die in kurzer Zeit über 100 Millionen Dollar Hilfsgelder einspielte. Wenn es um den Kampf gegen Unterdrückung, Diskriminierung und Armut ging: Stets war Belafonte dabei.
Die professionell geschriebene Autobiographie führt uns so beginnend bei den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu wesentlichen Stationen der politischen und kulturellen Entwicklung der USA. Der Leser erhält einen tiefen Einblick in die widersprüchliche Kultur Amerikas, bekommt Zugang zu bislang unbekannten Detailinformationen politischer Krisen der 6oiger bis 80iger Jahre, kann hinter Kulissen blicken und erfährt so nebenbei wie die amerikanische Gesellschaft funktioniert.
Beeindruckend sind die ungeheure Energie und Schaffenskraft, die Belafonte bis ins hohe Alter zeigt sowie seine Fähigkeit zum klaren politische Urteil, die es ihm ermöglicht, selbst Barak Obama kritisch zu sehen.
Fazit: Packend geschriebene Zeitgeschichte. Unbedingt Lesen!
Prof.Dr. Olaf-Axel Burow Universität Kassel