Der Wunsch, nach ihrer russischen Seele zu suchen, schwelte schon lange. Kein Wunder, immerhin ist sie die Ururenkelin des legendären Leo und wurde seit Beginn ihrer Karriere - dem Künstlernamen sei Dank - stets an diesen Umstand erinnert. Für ihr achtes Album nun wagt sie sich an ihre Wurzeln und destilliert aus dieser Suche ein Dutzend schmeichelnde, bisweilen sanft poppige Songs. Das Russische daran liegt allerdings selten an der Oberfläche. Nur "Aftermath" packt ein Tschaikowsky-Thema so direkt an, dass es jedem sofort aufgeht. Traditionelle russische Weisen verwandelt Tolstoy in etwas Chansonartiges, gesungen freilich, wie das gesamte Album, auf Englisch. Weitere Tschaikowky-Adaptionen, ein Rachmaninov, "Stranger in Paradise" aus dem Musical "Kismet", "Our Stories" von Vladimir Vysotzky und "Our Man" im Duett mit Produzent Nils Landgren vervollständigen das Werk. Das hört sich experimentell an, ist es aber tatsächlich nur selten, etwa, wenn in "Silent Rhapsody" der melodische Gesang fast konterkariert wird von leiser und doch wilder Perkussion. Ansonsten bleibt alles extrem harmonisch. Das große Experiment scheut Tolstoy und liefert lieber ein stimmlich sauberes Album voll gefälliger Melancholie. Angenehm, aber auch in bisschen uninteressant. (kab)