29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Diese Straße wird niemals enden!, 29. November 2005
Rezension bezieht sich auf: My Private Idaho [Special Edition] [2 DVDs] (DVD)
Ich hatte vor dem Film nur beiläufig von River Phoenix gehört. Nachdem ich ihn dann zum ersten mal gesehen hatte war ich hin und weg. Was für eine Darstellung!! Unglaublich wie gefühlvoll und emotional zerissen der Epileptiker Mike (R. Phoenix) im Film rüberkommt. Sogar K. Reeves, den ich nicht so toll finde, ist in diesem Film schauspielerisch Spitzenklasse.
Der Film ist geprägt von Mikes Suche nach seiner Mutter und Scotts (K. Reeves) Ablehnung seines reichen Vaters sowie der Liebe von Mike zu Scott. Beide sind Stricher. Ihre Motive sind jedoch völlig unterschiedlicher Art.
Es gibt immer wieder Sequenzen in denen man sich in Mikes Träumen befindet und wunderschöne Landschaftsaufnahmen und Ähnliches sieht.
Die Darstellung des Lebens im Strichermillieu ist drastisch und daher sicher nicht Jedermanns Sache. Doch gerade dies macht den Film so intensiv!
Der Film ist durchzogen von untergründigem teils melanchonischem Humor (der sicher nicht für jeden verständlich ist). Mich hat der Film immer wieder zum Lachen wie auch zum Weinen gebracht.
Die DVD an sich ist gut. Solides Bonusmaterial.
Ein Meisterwerk des Alternative-Films!!! Nichts für nette Popcorn-Kino-Fans!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Öfter sehen immer besser verstehen, 28. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: My Private Idaho [Special Edition] [2 DVDs] (DVD)
Hochgelobt als er Anfang der 90er in die Kinos kam und das zu einer Zeit, in der Themen wie Gender, Homosexualität oder Behinderung ja fast noch wie Tabus gehandelt wurden.
"My private Idaho" ist im wahrsten Sinne des Wortes ein fabelhaftes und damit gelungenes Projekt. Hier wird die Vielschichtigkeit des Abgründigen vor Augen geführt.
Zugleich zeigt es auf wie Menschen, die sich in emotionale und materielle Abhängigkeit begeben -müssen- erniedrigt werden. Ebenso beleuchtet der Film, warum Menschen überhaupt Freude am Erniedrigen finden.
Bei intensiver Betrachtung werden immer mehr Hintergründe deutlich.
Ein spannendes Szenario zwielichtiger Gestalten bestehend aus facettenreichen Typen u.a. im Stricher Milieu. die entweder garnicht lieben können oder zu sehr lieben. Ein grausames Bild von Zerfall aber auch von Zartheit und Verspieltheit.
Allerlei Gehabe ist zu sehen. Da ist einer, der erst dann potent wird wenn der Boden mit einer Nagelbürste geschrubbt wird.
Ein anderer wirkt nach aussen richtig männlich, zeigt des Nachts aber Gelüste sich gleich vor zwei jungen Männern als Transgender zu outen.
Ein abgehalfterter Kinderbandenkönig lässt den Aufschluss zu, als täte er penetrant verbotenes.
Halt bieten Reeves und Phoenix. Ihre Sehnsüchte sind klar, ihre Charaktere auch.
Phoenix sucht die Mutterliebe und die des besten Freundes und Reeves kann scheinbar gar nicht lieben, praktiziert aber überzeugend die Rolle des guten Freundes, wie ihn jeder gerne hätte. Klar, er ist ja -leider- auch nicht schwul. Ein Widerspruch in sich bezüglich seiner Stricher- und Kameradenrolle?
Auch hier etwas Meisterhaftes des Regiesseur Gus van Sant. Man erhält den Eindruck, dass er die Scene kennt.
Überraschend und traurig ist die neuerliche Wendung als Reeves sich glaubwürdig in Carmella verliebt.
Zwei überzeugende Darsteller, in einem eigenwilligen Film der mit Sicherheit ein besonderes Werk darstellt. Das allein schon, weil er zu den Filmen gehört, für die noch kein Genre erfunden wurde. Diesen Film in die Drama Schublade zu stecken wäre einfach zu billig.
Er ist auch ein wenig Liebesfilm, besitzt leichte erotische Sequenzen. Und die ewig mitschwingende Grausamkeit -verdächtig viele Todsünden kommen darin vor- deutet eher auf einen Thriller hin.
Ebenso kann man das Ganze auch als wunderschönes Roadmovie betrachten. Genügend tolle Bilder dazu liefert "My private Idaho".
Weiterhin spannend bleibt für mich die Frage, ob Mikes älterer Bruder nun wirklich sein Vater ist....
Fazit: My private Idaho ist meisterliches Kultkino mit vielseitigen Scenarien, Botschaften und ganz, ganz tollen Bildern.
Wer den Film nicht nach dem ersten Ansehen versteht, so wie ich, steht damit sicher nicht alleine dar.
Gus van Sant dachte halt auf mehreren Ebenen bei der Produktion! Da darf und muss man dann wohl auch öfter schauen wollen, dürfen, mögen.... um zu verstehen.
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