Ihr erstes Album war mir noch zu blueslastig mit teilweise viel zu kurzen Titeln. Nun war ich anfangs bei ihrem neuesten Werk auch skeptisch. Doch schon beim zweiten Hören entfacht Melody Gardot mit ihren Songs auf "My one and only thrill" Gänsehaut und verführt zum Träumen.
Teilweise sind die Songs sehr sparsam instrumentiert, aber dafür sehr qualitativ: tolle Streicher, die ab und an an Musicals oder sogar klassische Werke erinnern, Klavier, Saxophon, Trompeten, Xylophon und Harfen, eine Wonne, zuzuhören, das klingt alles sehr tiefgehend und ist für mich auch nie schnulzig wirkend. Die Stimme einfach toll, die Strophen und Refrains ein Hochgenuss.
So gibt es wunderbare, ruhige Vocal-Jazz Songs wie "Baby I'm a fool", "Lover undercover", "Our love is easy", "The rain", "My one and only thrill" oder "Deep within the corners of my mind", die durch die umfangreichen Streicher einfach sehr tief gehen und für mich die Highlights sind.
Außerdem noch etwas schwungvollere, fröhlichere Songs wie "If the stars were mine" (vor allem in der Streicherversion ein Hochgenuss), "Les etoiles" und das Cover "Over the rainbow", das hier auch seine Berechtigung findet und im Bossa Nova-Stil eine Bereicherung für die sonst recht öden Cover, die es schon gibt, darstellt.
Ein Bluessong reiht sich auch noch in die Liste "Your heart is as black as night", nicht mein Favorit, aber ok.
Der Song "Who will comfort me" passt in kein Schema, Pop meets Jazz, Blues, Gospel und Independent, ein guter Song. Hier merkt man auch die Bandbreite der Künstlerin.
Insgesamt ist dieses Album eine wahre Bereicherung für die derzeitige Vocal Jazz Schiene, die für meine Begriffe in der letzten Zeit auch oft langweilige Alben hervorbrachte wie z.B. das neue Album von Diana Krall, das zwar stets in den Verkaufscharts weit oben liegt, aber für mich definitiv songtechnisch weit hinter Melody Gardot und "My one and only thrill" liegt.
Für alle Vocal-Jazz-Freunde: eine unbedingte Kaufempfehlung! Super!