Mit „My Old Familiar Friend“ veröffentlicht Brendan Benson eine absolut radiotaugliche Platte. Nicht weniger, aber vor allem auch nicht mehr.
Brendan Benson. Als Sänger und Gitarrist der Raconteurs kennt man ihn von seiner rockigen, wilden Seite. Solo wandelt er auch auf Rockpfaden, allerdings mit weniger Ecken und Kanten.
„My Old, Familiar Friend“, das sind elf Songs, die absolut sauber und massenkompatibel produziert sind. Die richtigen musikalischen Perlen erschließen sich hingegen nur vereinzelt nach mehrfachem Hören. So geht es schon los mit dem Opener „A Whole Lot Better“, einer Gute-Laune-Rocknummer, die man schnell wieder vergisst. Erst nach und nach schafft es das Stück mit seinem Pepp zu überzeugen. Ähnlich ist es mit „Borrow“, das eigentlich ein toller Song wäre, wenn er nicht wie für Oasis geschrieben klingen würde. Hier hört man den Einfluss von Mischer Dave Sardy, der mit eben diesen schon zusammengearbeitet hat.
Zwei Songs stechen dagegen dennoch von vornherein heraus: „Feel Like Taking You Home“ mit seinem rhythmischen Stakkato-Klavier-Thema klingt geheimnisvoll und weckt das Interesse. Hier bauen sich eine Dynamik und ein Groove auf, die auf dem Rest des Albums ihresgleichen suchen. Dabei hat „Feel Like Taking You Home“ genau das, was oftmals für gute Songs das richtige Rezept zu sein scheint: Er ist einfach gehalten. Die Instrumente wiederholen lediglich immer wieder die gleichen Motive, werden aber erst nach und nach eingesetzt. Das macht die ganze Sache für den Hörer spannend. Ebenso schlicht, doch wesentlich ruhiger ist „Lesson Learned“, das größtenteils mit Klavier, Synthesizer, Schlagzeug und Bensons Stimme auskommt.
Verwunderung entsteht bei „Garbage Days“, hier hat der Sänger und Gitarrist tief in Papas Plattensammlung gewühlt. Gestoßen ist er dabei offenbar auf Disco-Musik aus den 70ern. Mit den dafür charakteristischen Streicher-Passagen wirkt der Song in diesem Album deplaziert.
Überragend ist Brendan Bensons „My Old, Familiar Friend“ nicht geworden. Die Songs sind zwar schön sauber produziert, driften aber im Endeffekt doch in die Belanglosigkeit ab. Bis auf wenige Ausnahmen fehlt es dem Album an Profil. Etwas weniger Perfektion hätte sicher nicht geschadet.