Ab dem ersten Drittel der Staffel hatte war ich schon dermaßen hin und weg, dass ich mich gleich über weitere Staffeln informierte und siehe da, es gibt bereits drei weitere, allerdings nicht auf deutsch. Also fluggs den inneren Schweinehund überwunden, auf Englisch umgestellt und zack, wurde gleich noch besser, wenn man sich erst mal an den rauen Südstaaten-Akzent gewöhnt hat.
Worum geht's? Das erzählt die Einleitung (die ich nach über 20 Folgen auswendig kann):
You know that kind of guy that does nothing but bad things an then wonders why his life sucks? Well, that was me.
Everytime something good happend to me, something bad was always waiting around the corner. Karma. That's when I realised I had to change. So I made a list of everything bad I've ever done and one by one I gonna make up for all my mistakes. I'm just trying to be a better person. My Name is Earl.
Also: Kleinganove gewinnt 100.000$ in einer Lotterie, entdeckt das Karma für sich, erstellt eine Liste mit allen schlechten Sachen und arbeitet jede der je 20minütigen Folgen mindestens einen Punkt davon ab. Natürlich klappt das nicht immer und es kommen auch immer wieder neue Punkte hinzu.
Im Kern handelt die Serie von Earl und seinem stumpfen Bruder Randy, Earl's Exfrau Joy und deren Mann Darnell 'Crab Man'. Dazu kommt die schicke, illegal eingewanderte Putzfrau Catalina und ein paar schrullige Nebencharaktere, die immer wieder auftauchen, wie Didi, die einbeinige Frau, die Earl einst bestohlen hat, Donny Jones, der zwei Jahre im Gefängnis saß für ein Verbrechen, das Earl begangen hatte und jetzt voll resozialisiert ist, oder Kenny James, dem Earl hilft sich als Schwuler zu outen und noch viele andere schrullige Figuren.
Was macht die Serie so besonders? Es ist der Charme, mit denen die Anti-Helden agieren. Es braucht anfangs etwas, um sich an die Ecken und Kanten zu gewöhnen, aber nach und nach arbeitet das Drehbuch immer mehr Facetten aus den anfangs eindimensional und einfach gestrickt scheinenden Charakteren heraus. Schließlich wächst einem sogar die kratzbürstige Proll-Lady Joy, fabelhaft verkörpert von Jamie Pressley ans Herz, die anderen Figuren, wie der einfältige, aber herzensgute Crabman oder der stoische und gutmütige Earl tun dies ohnehin schon nach kurzer Zeit.
Zudem wird die ganze Geschichte um das Karma, bei dem es im Kern um das Gesetz der Anziehung geht, also dass man unter anderem so, wie man in den Wald hineinschreit, es auch wieder herausschallt, stets in sich schlüssig erzählt wird, ohne dass je der Moralapostel seine Sandalen anziehen müsste.
Obwohl es sich eigentlich streng genommen um eine Sitcom handelt, gibt es gottgesegnet kein Publikums-Gelächter. Der Humor sitzt, ist teilweise tiefschwarz und spielt mit gängigen Klischees über durchschnittliche amerikanische Bürger und den Staat, denen damit mehr als einmal der Spiegel vorgehalten wird.
Sehr lustig auch die Bonusfolge 'Bad Karma', die zeigt, wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn Earl sich nicht dem guten, sondern dem schlechten Karma verschrieben hätte. Diese ist auch auf der deutschen DVD nur auf Englisch, wohl dem also, der schon vorher die Sprache gewechselt hat.
Wie dem auch sei, wer auf der Suche nach guter, anspruchsvoller Unterhaltung ist, die ohne Mord, Totschlag und Drama auskommt, bei der alle immer gut drauf sind und es immer ein Happy End gibt, der kann beherzt zugreifen, vor allem weil Amazon den Preis kürzlich von 40 auf etwas mehr als 20 Euro gesenkt hat.