Obwohl ihr Album "My Home Is My Disco" heißt, finden sich keine Stücke für den Disco-Abend darauf. Kitty Solaris zeigt sich vielmehr emotional, sehnsüchtig und abwechslungsarm.
Das Glockenspiel entpuppt sich als treuer Wegbegleiter auf ihrem, in Eigenregie veröffentlichtem zweiten Indie-Pop-Album. Die E-Gitarren werden primär durch minimalistisches Zupfen bedient. Ihre Stimme klingt fast kindlich flehend, wenn sie Zeilen wie "Spring Will Sure Come" singt und metaphorisch versichern möchte, dass bessere Zeiten vor der Tür stehen.
Der Titeltrack ihres neuen Longplayers beginnt hingegen bedrückt - obwohl man dem Namen nach mit fröhlich treibendem Tanzflächen-Sound gerechnet hätte. Nach der Einleitung wird der Hörer in "My Home Is My Disco" kurz erlöst. Wuchtig erklingt die komplette, klassische Instrumentierung - ein Befreiungsschlag. Mit Energie wird die primäre Textpassage: "My Home Is My Disco, My Disco Is My Home" wiedergegeben. Der Ausklang des Titels und das wiederholte "I Miss You" lassen Kitty Solaris jedoch sogleich wieder ins Flehende abgleiten.
Sucht man nach dem Kern von Kitty Solaris neuestem Album, so offenbart sich schnell die Sehnsucht der jungen Berlinerin. Allein die Namen ihrer Titel, wie "My April Dreams", "Spring Will Surely Come" oder "Turn The Light On" betonen dies. Auch wenn sie diese mit sehr viel Emotion zum Besten gibt, so kommt doch im Laufe des Albums Langeweile auf. Die überwiegend minimalistische Instrumentierung, das abwechslungsarme Taktspiel des Drummers sowie die monoton gezupften Gitarrensaiten tun ihr Übriges. Beispielsweise wenn zwei Titel nach "Positive/Negative" der Song "Shiny Seagull" ertönt, fragt man sich, ob es nicht der selbe sein könnte.
Den einzigen Ausbruch aus besagtem Schema wagt "Kisses Lift Me Up" mit seinen intensiven und energisch-gespielten Akkorden. Lautstärke und aggressivere Intonation geben dem Song eine überraschende, erfrischende Kraft. Im Gegensatz zu den meisten übrigen Tracks versteckt sich die Songwriterin hier nicht hinter schüchternen Xylophonklängen, sanften Bässen und ihrer zerbrechlichen Stimme.
Fazit: Der Nachfolger von "Future Air Hostess" bietet nette Ausflüge in frühlingshafte Phantasien. Entspannt reiht sich Glockenspiel zu minimalistischen Gitarrenklängen. Dennoch überwiegt das Versinken in Sehnsucht. Dadurch bekommt das Album einen monotonen, unkreativen und leicht schläfrigen Charakter.
Sebastian Wiczak
Rezension
In Ihrer Berliner Küche entwirft Kitty Solaris Kitty Solaris sanft beschwingten LoFi-Pop, der viel von Liebe erzählt, von Möwen, Sünden und Geburtstagen und alle dunklen Wölkchen wegbläst, wenn er nicht gerade selbst in Melancholie verfällt. Doch auch die klingt herrlich verträumt und leicht. Schwimmt sogar in Milch. --Rolling Stone