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Chef der Truppe war Pete Townshend, ein genialer Songwriter, der griffige Melodien und prägnante, das Teenager-Dasein treffend beschreibende Texte nur so aus dem Ärmel zu schütteln schien. Townshend war kein begnadeter Sologitarrist, er bevorzugte das Akkordspiel und die kurz angerissenen Riffs, und wenn es hoch kam, intonierte er den Ansatz eines Melodiebogens, bestehend aus drei oder vier Noten - aber wie er das machte, war Ausdruck der Rock-Musik als Essenz, als äußerstes Konzentrat. Sänger Roger Daltrey verkörperte zu dieser Zeit einen bleichen, auf Mod gestylten Jüngling, war aber gleichzeitig ein Naturtalent, das sich allmählich zu einem durchaus respektablen Rock-Shouter entwickelte. Bassist John Entwistle galt als ruhender Pol der Gruppe, der eine Vielzahl von Instrumenten wie zum Beispiel das French-Horn beherrschte und der später einige beachtliche Solo-Alben veröffentlichte. Und Keith Moon, der Drummer, spielte den Clown, den Exzentriker, den Exhibitionisten. Das heißt - er spielte das nicht, er war es wirklich. Doch vor allem war er ein hinreißender Schlagzeuger. Ein Paradebeispiel dafür bietet die CD: In „The Kids are alright" ergänzt Moon die Melodielinien, baut Spannungsbögen auf und verbindet die Songstrukturen in unnachahmlicher Weise. Er benutzt die Drums quasi als Soloinstrument, so perfekt und unnachahmlich, dass er aus Dutzenden von Schlagzeugern herauszuhören wäre.
Obwohl auf "My Generation" natürlich "Who" draufstand, ist - aus heutiger Sicht - nicht immer "Who" drin. Das liegt nicht am technischen Können - schließlich hatte die Band bereits etliche Jahre Studio- und Bühnenerfahrung auf dem Buckel, und ihre Auftritte im Londoner "Marquee" sind längst zur Legende geworden. Doch spielten sie bei diesen Gigs nicht nur ihr eigenes Material, sondern häufig auch blues- und manchmal sogar soullastige Stücke. Ein Echo davon findet sich auf ihrem ersten Album in Gestalt von zwei James-Brown-Kompositionen. Ergänzt wird das vom damals allseits beliebten "I'm a Man", während die restlichen zehn Titel von Pete Townshend stammen. Höhepunkte dieser Produktion sind aus meiner Sicht die Teenager-Hymne "My Generation", das melodische und gleichzeitig rasante "A Legal Matter" und das bereits oben erwähnte "The Kids are alright". Zu den Bonustiteln auf CD 1 gehört auch der allererste Who-Hit "I can't explain". Bei vielen Songs mischt Nicky Hopkins als Pianist mit, und einmal tritt sogar Jimmy Page als Gastmusiker auf.
CD 2 enthält umfangreiches Bonusmaterial aus dem zeitlichen Umkreis der LP-Premiere, also hauptsächlich aus dem Jahr 1965. Darunter sind auch zwei Alternativ-Fassungen von "My Generation" sowie der Single-Hit Nr. 2 "Anyhow Anywhere Anyway" - ein interessantes und manchmal auch amüsantes 45-Minuten-Programm.
Fazit: Mit dem Erwerb der digital remasterten Doppel-CD ist man, was die Frühphase der Who betrifft, in jeder Hinsicht bestens bedient. Das Booklet ist informativ, umfangreich und gut bebildert und verzeichnet jede Kleinigkeit - mit Ausnahme der Laufzeiten. Aber die kann man bei Bedarf schließlich selbst vom Player ablesen.
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