Wie so häufig bei Kurzgeschichtensammlungen von verschiedenen Autoren, so gibt es auch in dieser Auswahl gute und schlechte Geschichten.
L.A. Banks' "Spellbound", der Auftakt des Buches, ist dummerweise einer der Tiefpunkte. Die Kinder zweier verfeindeter, Voodoo praktizierender Familien, haben sich verliebt und wollen heiraten. Dummerweise liegt ein Fluch auf ihrer Liebe, der sie zur vorehelichen Enthaltsamkeit zwingt. Die Geschichte kommt sehr klischeebeladen daher (angefangen bei den dämlichen Dialekten bis hin zu dem üblichen Hollywood-Klischee des bösen Voodoo-Priesters). Nicht abschrecken lassen, es wird besser!
Mit "Something Borrowed" liefert Jim Butcher, der einzige männliche Autor im ganzen Buch (ist Heiraten wirklich nur für Frauen ein Thema?) ein Kapitel, das in seinen Dresden-Files zwar erwähnt, aber nicht erzählt wird, und schließt damit eine Lücke seines Universums: Die Hochzeit der beiden Werwölfe Billy und Georgia. Den Zauberer Harry Dresden mit seinem Hang zum Chaos und zur Selbstironie muss man einfach mögen.
Rachel Caine übertrifft Butcher jedoch mit ihrer Erzählung "Dead Man's Chest". Wer bei "Fluch der Karibik" immer schon meinte, Elizabeth hätte sich an Johnny Depp halten und Orlando Bloom ersäufen sollen, für den ist diese Geschichte genau richtig. Eine junge Frau wird von ihrem durchweg zu glatten Verlobten mit einer Blitzhochzeit überrumpelt, die auf See stattfinden soll, nichtsahnend, dass es sich um ein verfluchtes Piratenschiff handelt. Spannend, wild-romantisch und umwerfend komisch.
PN Elrod trägt mit "All Shook Up" eine Geschichte bei, die hinter den Kulissen einer Hochzeit spielt. Die hellsichtige Frankie, die das Catering einer Hollywoodhochzeit ausrichtet, ist hin und weg von einem Elvis-Imitator, der einen Tick zu gut zu sein scheint. Die Auflösung ist überraschend und mal etwas Anderes, und wer bis dahin noch kein Elvis-Fan war, wird bestimmt einer. Elrod hat eine tolle Beobachtungsgabe und schildert "ihren Elvis" mit viel Liebe zum Detail.
Esther M. Friesners "The Wedding of Wylda Serene" wechselt von der arbeitenden Bevölkerung zur High Society. Die junge Wylda, verwöhnte Tochter eines reichen Vaters, will unbedingt im beliebten Country Club heiraten, weiß jedoch nicht, dass bisher aus jeder dort abgehaltenen Hochzeit ein Blutbad wurde... Der Einstieg ist ernst, doch Friesner zieht das gesamte Horrorgenre in einer gelungenen Parodie durch den Kakao.
In Lori Handelands "Charmed by the Moon" geht es um die Heirat einer Werwolfjägerin mit einem Indianer des Wolfclans. Jede Menge Zündstoff, doch heikel wird die Sache erst, als Jessie bei ihrem Will einen Talisman findet, der von den Indianern als Liebeszauber benutzt wird. Weshalb verlieben wir uns? Manipulieren wir unsere Partner nicht ständig durch moderne "Magie" wie Makeup, Outfits, Bankkonten und unsere allerbesten Seiten? Woher weiß man, dass die Liebe echt ist? Nervig ist lediglich, dass die Werwolfjäger als "Jäger-Suchers" bezeichnet werden - es handelt sich also um Leute, die Jäger suchen? Als deutscher Leser möchte man gerne jedesmal schreiend davonrennen, wenn diese Bezeichnung auftaucht.
Charlaine Harris bleibt beim Werwolfthema, baut aber mit "Tacky" auf dem überlieferten Mythos auf, dass Werwölfe mit Vampiren verfeindet sind. Wie organisiert man als Vampir-Brautjungfer eine wölfisch-vampirische Hochzeit, ohne dass sich die Gäste gegenseitig an die Kehle gehen? Und dann wäre da noch der attraktive Trauzeuge des Bräutigams, den man ja eigentlich gar nicht leiden kann, weil er doch ein stinkender Werwolf ist...
Enttäuschend dagegen wieder Sherrilyn Kenyons "A Hard Day's Night-Searcher". Kenyons Charaktere überzeugen nicht, ohne Kenntnis ihrer sonstigen Werke bleiben die Personenkonstellationen ein Rätsel, die Story selbst ist zu dünn, um den Leser fesseln zu können.
Nicht viel besser ergeht es einem leider mit Susan Krinards "...Or Forever Hold Your Peace". Handwerklich gut geschrieben mit einem alternativen viktorianischen England als Schauplatz, in dem nicht nur Adelstitel, sondern auch magische Fähigkeiten vererbt werden. Die Idee ist faszinierend, die Heldin sympathisch, man möchte gern mehr wissen, hat aber das Gefühl, in Krinards Welt ein Fremder zu bleiben.
Die Geschichten sind also von recht unterschiedlicher Qualität, aber die guten Stories trösten über die etwas schwächeren hinweg, und vielleicht entdeckt man so den einen oder anderen Autor für sich, ohne gleich ein ganzes Buch von ihm kaufen zu müssen.