Dieses Album ist unfassbar. Nicht von Unglaublich, sondern von nicht fassbar, nicht in eine Schublade zu stecken, nicht in eine Richtung zu treiben. Kate Nash spielt mit uns. Sie schreit, sie flüstert, sie ist zickig und betrübt. Dabei ist sie ehrlich und flüstert uns ihre kleinen und großen Geschichten ins Ohr, nicht auf diese nervige British Accent Art, lässig zurückgelehnt im Pünktchenkleid. Sie singt, und was auf ihrem ersten Album noch versteckt war, kommt hier richtig zum Vorschein, Kates wunderschöne Stimme, die die Songs zusammenhalten und diese zu ihren ganz eigenen machen.
Die ganz eigenen Songs sind es sowieso, die dieses Album ausmachen. Kate Nash erzählt nicht von einem gebrochenen Herzen, von einer guten Freundschaft, von einem blöden Typen, sie erzählt von ihrem gebrochenen Herzen, von ihrer Freundin und von diesem einen blöden Typen. Eben 'My best friend is you', sie steht nicht auf der Bühne und macht uns den Hampelmann, sondern nimmt uns mit, sitzt beim Hören der CD bei uns auf dem Bett oder auf dem Beifahrersitz des Autos.
Es fällt auf, das Kate Nash daneben auch noch schafft allem eine eigene Stimme zu geben, die Melodie, die einen Ohrwurm ausmacht, aber trotzdem nicht eintönig wird. Gerade wenn 'I just love you more' nach dem tollen Einstieg beginnt, in haltloses Geschrei einzustürzen, brechen die Streicher aus, und der Songs verliert sich letzendlich nicht in Gleichgültigkeit sondern bäumt sich zum Finale auf. So laut dieses Geschrei, so sanft der Gesang beispielsweise auf 'You were so far away', nur zur Gitarre. Pompöser Sound steht aber in der Überzahl, wie schon bei der Single 'Do-Wah-Doo' mit Bläsern, Chor und dickem Piano, was auch die geheime Zutat von 'Paris' und 'Kiss that Grrrl' ist.
Kleine Spielereien, wie der Tempowechsel und sehr starke Beginn von 'I've got a secret' oder das organisierte Chaos, der Kanon zum Ende von 'Early Chrismas Present' lassen vermuten, dass Kate Nash eine der ganz großen Frauen im Musikgeschäft ist, und nicht zu unterschätzen wäre. Von wegen Mädchenmusik, hier ist eine Große am Werk, eine junge Frau, die weiß was sie will. Die in ihrer Musik zu sich steht und sich nicht scheut, über den blöden Typen zu singen und wie man sich als junge Frau eben so fühlt. Und das soll nur Mädchen interessieren? Eben!