Lionel Loueke hat hiermit seine meines Wissens fünfte Veröffentlichung unter eigenem Namen vorgelegt, und ich bin sehr begeistert. Die Platte ist gitarren-, oder sagen wir mal: saitenlastiger als die beiden Vorgänger, was durchaus gut tut. Die Konzession ans Geschäft ist diesmal nicht ein wenig geschmackvoll eingefügter Pianopart von Herbie Hancock, sondern heftigstes Namedropping: Es wirken u.a. mit Gretchen Parlato, Esperanza Spalding und Richard Bona.. Das sind aber alles Leute, mit denen Loueke schon häufiger musikalischen Umgang gepflegt hatte. Und das hört man heraus.
Zusammengehalten werden die sehr unterschiedlichen Stücke durch Louekes im besten Sinne eigen-artigen Gitarrenstil, der sich für mich mitunter nach »verschmitztem Anarchismus« anhört: da wird mit rundem Nylonstring-Ton praktisch jede Erwartung an dementsprechende Klischees enttäuscht; man hört jemanden, der sich einen Seitenweg auf die Höhe der heutigen improvisierten Musik erarbeitet hat. Passend die Schnalzer und Klicks, die er dazu mit Zunge und Gaumen fabriziert, und die mit warmer Stimme vorgetragenen Songs (falls er selber singt).
Unterm Strich würde ich sagen: man hört einen »gereiften«, sehr eigenständigen Musiker, der mit einer saiten- und Afrika-lastigen Veröffentlichung an ältere Werke angeknüpft hat - die Ohren sagen danke dafür!