Ganz kurz vorneweg: Ein Sadist will mächtig sein, weil er sich im Innersten ohnmächtig und wertlos fühlt. Er strebt danach, sich andere untertan zu machen, um auf diese Weise selbst erhöht zu sein. Die Grundlage seiner fragmentierten Persönlichkeit ist der Hass gegen sich selbst. Das daraus resultierende Gefühl der Schmutzigkeit, Bösartigkeit und Wertlosigkeit versucht er durch Phantasien der Größe, der Reinheit, der Tadellosigkeit, der Macht über andere und der Zentriertheit im Guten auszugleichen. Wenn er die Kontrolle über seine "Untertanen" verliert bzw. sich seine Phantasien offensichtlich nicht mehr mit der Realität decken, bricht seine Destruktivität offen aus und sein Hass wendet sich nach außen. Soviel zum psychologischen Verständnis des Sadismus.
Herr Mux, der Protagonist von "Muxmäuschenstill", ist ein Sadist. Es ist offensichtlich, daß er den abgehalfterten Gerd als gehorsamen Untertanen braucht, als folgsamen Hund, den er steuern und neben dem er sich groß fühlen kann. Er kämpft für das Gute, Reine, Tadellose und stellt gnadenlos alle bloß, die in seinen Augen Schweine sind. Er wünscht sich, daß seine Freundin zu ihm, dem weißen Ritter auf dem Ross, hinaufblickt.
Das beeindruckende an diesem Film sind nicht nur die exzellenten Darstellerleistungen und die filmische Umsetzung des psychologischen Themas, sondern auch, daß man unweigerlich mit Mux' Mission sympathisiert. Bis zu einem bestimmten Punkt, an dem einem (hoffentlich) klar wird, daß Mux krank ist. Und der Film führt dies bis zum bitteren Ende. Man fragt sich unweigerlich: Mein Gott, wie konnte ich mit dem Typen sympathisieren?
Die DVD-Umsetzung ist okay. Nur den Audiokommentar von Mittermeier und Stahlberg fand ich enttäuschend, da ich gehofft hatte, mehr zum thematischen Hintergrund der Geschichte zu erfahren. Stattdessen in erster Linie bemüht lockeres Gelaber. Naja, - die Hauptsache ist der Film selber. Und der haut rein!