"Muttertag" ist ein Kultklassiker. Mögen muss man ihn schon, diese Art Humor, der sich für mich als "typisch österreichisch" dadurch identifiziert, dass neben der eigentlich geradlinigen Handlung - kleinbürgerliches Familienchaos am Muttertag - nebenbei auch absolut skurrile Rahmenepisoden passieren. Da trägt schonmal der Briefträger eine Spenderniere in der Posttasche spazieren oder eine junge Mutter lässt ihr Baby achtlos auf dem Postamt stehen, verlangt stattdessen "Ein Kilo Fachiertes ohne Knochen"; nur um das Baby später auf der Polizei wieder abzuholen.
Eigentlich hirnlos, und als Beschreibung daher eher weniger witzig - "Muttertag" muss man einfach gesehen haben, um darüber lachen zu können. Und ich zumindest lag und liege immer wieder brüllend am Boden bei diesem Film.
Los geht es eigentlich ganz harmlos. Der Muttertag steht vor der Tür. Familie Neugebauer, bestehend aus Frau Trude, Mann Edwin, Sohn Mischa und dem Opa, wohnt zusammen auf engstem Raum im Wiener Randbezirk, in direkter Nachbarschaft zu allerhand anderen seltsamen Gestalten. Herrlich überzeichnet, aber dennoch mit einem Fünkchen Wahrheit sind diese dargestellt: Vom Biedermann, der jeden Tag sein Auto wäscht bis zum Choleriker, der alles und jeden anzeigt.
Jeder kennt jeden in dieser kleinbürgerlichen Welt; Trude ist im Frauenzirkel, Mischa in der Kindergruppe, Edwin im Pfarrgemeinderat und Sonntags wird brav in die Kirche gegangen. Soweit so gut.
Wäre da nicht das ein oder andere Problem: Trude ist frustiert, kleptomanisch und unglücklich verliebt in den Mann einer anderen, der jedoch ein rechter Schürzenjäger ist und sich eher wieder für eine dritte aus dem Frauenkreis, die hübsche Schöbinger Evelyn interessiert, mit der, wie soll es anders sein, aber gerade Edwin am Einkehrwochenende ein kleines Techtelmechtel hatte, welches er fortzusetzen, aber strikt geheimzuhalten gedenkt.
Nun findet aber dummerweise auch Mischa die Schöbinger Evelyn ganz toll. Verhätschelt von der Mama, ist der Bub das typische stille Wasser, das heimliche Gewalt-und Sexphantasien hegt. Um in eine Jugendbande aufgenommen zu werden (die, wie soll es anders sein, auch aus lauter uncoolen, kaputten Typen besteht), soll er vor der Kirche ein paar obszöne Gesten gegenüber der Evelyn machen; die aber nimmt das Ganze mit Humor.
Der Star des Streifens ist aber ganz klar Opa Neugebauer, der zwar schwerhörig, aber doch nicht so doof ist wie ihn alle glauben. "In G'fangenschaft, in französischer im Erschden und in russischer im Zweiten!" ist er g'wesen, "die Franzosn woarn um nix besser", aber der Opa kapiert durchaus, dass er ins Heim soll, weil Sohn und Schwiegertochter sich neue Möbel und der Enkel ein Radel wünscht, was nur mit Opas satten Sparbüchern möglich ist. Also stolpert er postwendend aufs Postamt um über 100.000 Schilling "den oarmen Tieren" zu spenden, wobei ihm gerade die Evelyn, die zufällig auch da ist, hilft, weil der Opa die Anträge nicht allein ausfüllen kann.
Es kommt wie es kommen muss: Durch unglückliche Verwicklungen kommt alles auf, und die Schöbinger wird beschuldigt, Trude hintergangen, Edwin verführt, Mischa missbraucht und das Geld der Familie verschleudert zu haben; und eher zufällig denn absichtlich wird sie, genau wie das Meerschweindl Willi ("Also i sogs eich glei, i woars neeed!"), um die Ecke gebracht.
Grade dieser letzte Teil ist streckenweise eher makaber als komisch, tut dem Film aber insgesamt wenig Abbruch, es endet in einem mehr oder weniger "Happy" end; so happy es bei so einer Familie halt sein kann.
Ich mag an "Muttertag" neben all dem Klamauk die doch teilweise sehr feinsinnigen Charakterstudien - die eigentliche Komik liegt nämlich darin begründet, dass man derlei verschrazten Gestalten oft genug auch im realen Leben begegnet. Das, und die kultigen Sprüche vor allem von Opa Neugebauer ("Schräääääg!", "Bleib sitzen, i geh scho!", "Auwäääh, meine Kniah!").
Daher bleibt mir nur noch eins zu sagen: Im Drogeriemarkt hams an Eisbärn daschossen, und diese DVD sollte man sich auf jeden Fall holen!