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Muttersohn
 
 
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Muttersohn [Gebundene Ausgabe]

Martin Walser
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Produktinformation

Leseprobe Jetzt reinlesen [49kb PDF]
  • Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
  • Verlag: Rowohlt; Auflage: 2 (15. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498073788
  • ISBN-13: 978-3498073787
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,6 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Martin Walser
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

? und das alles in einem fulminant beschwingten Ton. (Stern )

Was noch? Lesen! (Südkurier )

Ein großer Wurf. (WELT am SONNTAG )

Ein Evangelium der Hightech-Zeit. (Bild am Sonntag )

Ein Buch wie noch keines. (Kölner Stadt-Anzeiger )

Als Evangelium stellt dieses Werk keine Frage ? es ist. (FAZ )

Ein abgründiges, kraftvolles, struppiges Lebens-, Liebes- und Glaubensbuch. (Literaturen )

Martin Walser war noch nie so gut wie jetzt. (FOCUS )

Sprache ist Leben ? Muttersohn handelt von nichts Geringerem als der Ewigkeit. (Times Literary Supplement )

Eine mutige Glaubenserforschung. (Münchner Merkur )

Ein heiteres, altersweises Spiel, das von Normen und Begrenzungen nichts mehr wissen will. (DIE ZEIT )

Pressestimmen

«Als Evangelium stellt dieses Werk keine Frage – es ist.» Felicitas von Lovenberg, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

«Dies ist kein wunderliches Alterswerk, sondern ein großer Wurf.» Richard Kämmerlings, WELT am SONNTAG

«So luzide kann Wahn nur in irre großer Literatur sein.» Sabine Vogel, BERLINER ZEITUNG

«Ein Evangelium der Hightech-Zeit.» Dana Horáková, BILD AM SONNTAG

«Er war noch nie so gut wie jetzt.» Jobst-Ulrich Brandt, FOCUS

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42 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Die zeitlichen Dinge entstehen aufgrund ihrer Teilhabe an den ewigen Dingen. Zwischen beiden vermittelt
etwas, das die Wirklichkeiten des Zeitlichen mit der Zeitlosigkeit des Potentiellen verbindet."
(Alfred North Whitehead in: Prozeß und Realität, 1987, S.92)

Martin Walser (1927-) zu lesen ist eine Freude. Sein Opus Magnum seiner alten Tage zeitigt eine Frische, die bedeutend ist. Die Gazetten sind voll des Lobes, und doch gilt: Lesen ist die Ergänzung des Schreibens, die Vollendung jeden Romans liegt beim Leser und damit ist jede Haltung und Kritik von substantieller und zugegeben auch subjektiver Bedeutung. Das Fazit des Rezensenten wird damit vorweggenommen: ein brillanter Walser und ein brillantes Werk.

Nicht von einem Alterswerk kann man sprechen, und doch erscheint es so, wenn man den Autor und sein Alter hinzunimmt. Doch diese Aktualität, die sich Walser annimmt, ist von betonter Ewigkeit und Anerkenntnis geprägt, Anerkenntnis dem Leben zuliebe, diesem Leben zum Trotz, dem Fortleben als Hoffnung. Er stellt sich den Fragen der Bedeutung von Religion, der Bedeutung von Glauben und Lieben. Sind es die Ergänzungen von äußerer und innerer Schönheit, die den Goethe Liebhaber Walser prägen und somit seinen Protagonisten Percy? Ist es sein Reden, von beredter Schönheit und Anmut geprägt, die die Zuhörer ihn feiern lassen? Ist es der Gegensatz von Fülle und Beweglichkeit, die diesen Percy zum Nazarener machen? Oder ist es in der Tat nur seine Mutter, die ihn gebiert, ohne dass ein Vater eine Bedeutung hat? Ohne Flügel, aber ein Engel, so wird dieser Erleuchtete eingeführt in die Umgebung und den Alltag einer psychiatrischen Klinik. Anton Parcival Schlugen, genannt Percy, spendet als Pfleger Trost den Patienten, weil er sich so gibt, als wenn er zur Gruppe gehört. Ein Gleicher unter Gleichen und doch ein Auserwählter. Ihn prägt nicht die manchmal absurde und oft gesellschaftliche Paarbeziehung früherer Walser Romane, sondern vielmehr die intensive spirituelle Begegnung. Letztendlich widmet er sich in all seinem Tun dem Augenblick. Es ist, es wird gut - "Tu autem" sein Schlusswort für all die Dinge, die den letzten Kern der Sache als Gebet begreifen.

Und diese letzten Dinge sind immer unvorbereitet, weil sie in einem sind, zumindest in Percy. Seine Rede ist eine offenbarte Sprache, es spricht aus ihm, wie es Platon im Phaidros so eindrucksvoll schon beschrieb. "Furcht und Ungeduld" sind Percy fremd. Es erinnert an "Die Kunst des Liebens" in dem Erich Fromm schrieb: "Glauben erfordert Mut. Damit ist die Fähigkeit gemeint, ein Risiko einzugehen, und auch die Bereitschaft, Schmerz und Enttäuschung hinzunehmen. Wer Gefahrlosigkeit und Sicherheit als das Wichtigste im Leben ansieht, kann keinen Glauben haben." Und Walser erinnert, auch wenn er es einen Insassen des psychiatrischen Anstalt sagen lässt, an Platon mit den Worten: "Der Mensch kann sein Interesse nur dann zu seinem Wohl wahrnehmen, wenn er zugleich die Interessen seiner Mitmenschen bedenkt."

Glauben und Liebe sind Walsers Botschaften und er verknüpft sie im Text in der Tat zur Trias des Korinther-Briefes, in dem er die Hoffnung hinzufügt. Für ihn und seinem Protagonisten entsteht aus der Dualität der Welt eine Einheit. Glauben und Kunst als Elemente der Soziologie zu begreifen, sind Walsers Prämissen, vielleicht bei Georg Simmel entdeckt. Schopenhauer sagte über die Kunst: "Die Kunst ist immer am Ziele." Simmels Versuch über die Religion und ihre Vergleichbarkeit mit gesellschaftlichen wie künstlerischen Prämissen führt zu dem Schluß, dass im Sinne der individuellen Kunst, die an unterschiedlichen Orten wie Zeiten subjektiv als Vollkommen oder Unvollkommen gelten kann, die individuelle Religion ebenso betrachtet und eingeordnet werden kann. Sie ist somit wie die Kunst immer am Ziel. "Glauben heißt die Welt so schön machen, wie sie nicht ist", lesen wir bei Walser. Nichts anderes macht Kunst und in beiden Fällen entsteht eine Wahrheit, die subjektiv und zufällig wird aus dem Gegebenen, ja nicht einmal Wirklichkeit, sondern nur Vorstellung sein muss, um Glauben zu können. Walsers Roman ist eine Modulation aus Kunst und Religion, eine Bildkomposition aus den Tafelbildern und Reliquien vorheriger Jahrhunderte, die die Vorbilder und ihr Maßstab zugänglich hält.

Welchen Vater hat nun Percy, der, wie seine Mutter sagt, ohne diesen geboren wurde. Walser erzeugt eine jungfräuliche Geburt und erzeugt sich selbst als Vater eines literarischen Geschöpfs. Percy als der neue Jesus, Walser als der große Gott? Entstanden aus einer Klinik, die zuvor ein Kloster war. Augustin Feinlein leitet sie, er wird zu Percys Vater als Angebot, wenn die Mutter nur zustimmt. Aus allem ragt von hoher Bedeutung die Erklärung von Feinlein über "Mein Jenseits". Dieser zuvor als Novelle veröffentlichte Auszug (siehe Rezension des Rezensenten) ist von besonderer Güte. In Summe erzählt Walser hier über die Anziehungskraft des Unerklärlichen und nimmt in gewisser Weise Kafkas Gedanken des Unzerstörbaren in jedem Menschen auf. Trotz aller Vernebelung im Leben, gilt es, das Jenseits im Diesseits zu begreifen. Wir lesen "Muttersohn" als eine fünfte frohe Botschaft aus der Psychiatrie, in der Martin Walser den Dualismus aufhebt und eine Versöhnung einleitet zwischen Wahn und Realität, Religion und Realität und letztendlich den Traum ins Leben einführt. Aber auch kann der Rezensent den Gedanken nicht vernachlässigen, dass Walser nachträglich seinen Sohn (Jakob Augstein), wie Catull einst über die Römer schrieb, emporhebt in die Initiation des Lebens. Ihn damit moralisch und gesellschaftlich freiwillig etabliert als seinen Jakob, entgegengesetzt der biblischen Geschichte, in der Jakob seinem Vater Isaak den Segen gegen seinen Bruder Esau entlockte.

Walser ist heute so alt, wie es einst Sophokles war, als er die Antigone schrieb. Walser gibt dem Leser heute etwas gänzlich Neues, nichts Wiederholendes und deshalb will der Rezensent es nicht ein Alterswerk nennen. Aber das Evangelium vom Bodensee ist einmalig und lesenswert, vielleicht eine privilegierte Erfüllung der Bedürfnisse, die mit der Zeitlosigkeit des Potentiellen in jedem schlummern.
~~
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Spring
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe dieses Buch ausgeliehen, weil ich seit "Ein springender Brunnen"
jedes Buch von M.Walser gelesen habe.
Mir gefällt die Sprache dieses Autors generell sehr gut.
Bei diesem Buch habe ich mich einige Male aber schon gefragt, was mir dieses Buch gibt, ob ich etwas daraus lernen kann.
Keinen der "Haupt-Charaktere" sehe ich im wirklichen Leben angesiedelt, sie sind alle sehr sehr seltsam/verschroben
Dennoch habe ich die Geschichten von Percy, Ewald und dem Professor interessant gefunden, vor allem
Percy hätte ich noch länger "zuhören" können. Dafür und für den gelungenen Schluss die 3 Sterne
Das "Drumherum" interessierte mich weniger. Ich fand es sehr konstruiert und oft langatmig.

Gruß
R.S.
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10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kein Muttersöhnchen! 3. August 2011
Von Fleischer, Christoph TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Martin Walser hat einen Roman geschrieben, in dem das Thema 'Glauben' eine wichtige Rolle spielt, wenn nicht sogar das Leitmotiv ist. Insofern ist es eine Art narrative Predigt. Dennoch wirkt das Buch an keiner Stelle gewollt oder konstruiert. Die Erzählung steht ganz im Vordergrund. Die Personen entfalten ihr Potential in der erzählten Interaktion und im erzählten Gespräch. Die Hauptperson Anton Parzival Schlugen, genannt Percy, ist im Hauptberuf Krankenpfleger, scheint jedoch nicht zum Stammpersonal der psychiatrischen Klinik Scherblingen zu gehören. Er wird vielmehr vom Leiter Augustin Feinlein geholt, wenn es schwierige Fälle zu bearbeiten gilt. Percys Begabung liegt eher auf spirituellem als auf pflegerischem Gebiet. Er pflegt zu predigen. Den Patienten gegenüber gebraucht er die Methode des 'Schwerblinger Schweigens'. Dies Schweigen wird jedoch dahingehend gebrochen, dass er dem ausgewählten Patienten Ewald Kainz seine Lebensgeschichte erzählt, die eigentlich die Geschichte seiner Mutter Josephine ist. Percy ist kein Sohn ihres damaligen Ehemanns, soweit steht fest. Sie ist ohnehin der Meinung, Percy sei ohne Vater auf die Welt gekommen. Ewald seinerseits wird nun ermutigt, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, doch von Josefine weiß er nichts oder kann bzw. will sich nicht erinnern. Trotzdem sind die Geschichten Ewalds und Percys miteinander verwoben und werden es zusehends. Professor Augustin Feinlein dagegen versteht sich als Ziehvater Percys, seit dem dieser auf der Scherblinger Krankenpflegeschule war. Auch er beschäftigt sich mit Religion, da er sich als virtueller Nachfolger des Abts sieht, da Scherblingen früher ein Kloster war. In vielen Äußerungen Augustin Feinleins und in seiner Niederschrift 'Mein Jenseits' wie in den erzählten Reden und Gesprächen Percys tauchen religiöse Motive auf. Die Erzählung wertet nicht. Sie entfaltet die Religion als Lebensdimension vor dem Hintergrund moderner, säkularer Lebensentwürfe. Obwohl Percy grundsätzlich 'frei' redet, fließen Zitate von Mystikern wie Swedenborg, Nikolaus von Flue und Augustin ein. Biblische Anspielungen werden dagegen selten als solche markiert. Verschiedene religiöse Lebensentwürfe stehen nebeneinander. Einmal sogar hat Percy es sogar mit einer Form von Satanismus zu tun, die aber so nicht bezeichnet wird. Percys Glauben ist nicht mehr der seiner Mutter, die sich 'geleitet' fühlte. Manchmal sagt er, er folge einem Irrlicht oder Gott wohne in einem Dunkel, das zu uns gehört. Er hat nichts dagegen, dass Sinnloses geschieht, weil sich in jedem Geschehen die Heiligkeit des Augenblicks vollzieht. Augustin Feinlein legt dagegen ein eher schon theologisch reflektierten Zugang zur Religion vor, der aber Gott nicht festlegen mag auf das pure 'es gibt'. Die metaphysisch ideologische Gestalt der kirchlichen Religion desavouiert er mittels eines Tricks, der ihn jedoch an den Rand einer kriminellen Handlung bringt. Percys und Augustins Schicksal verknüpfen sich immer enger.
Der Schluss oder das Fazit der Erzählung gehört nicht in den Inhalt einer Rezension. Die Aussagen des Glaubens ließen sich zitieren, wobei zu beachten ist, dass sie im Erzählzusammenhang zu interpretieren sind. Die Formulierungskunst Walsers zeigt sich in diesen weltanschaulichen Aussagen. Wird das Hauptmotiv von Percys Vaterlosigkeit um den Anspruch seine adligen Herkunft ergänzt, ließe sich hier ein Christusmotiv wiederfinden, das jedoch völlig säkular daherkommt und kaum religiös aufgeladen ist. Was bleibt, ist festzustellen, dass es Menschen gibt, die anderen Hoffnung geben und ihnen helfen, selbst zu glauben. So einer war Anton Parzival Schlugen, genannt Percy, erfunden von Martin Walser.
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