Hi
Bin selbst Baujahr '58 und habe zumindest die 60er noch in guter Erinnerung.
Bescheiden lebte man damals, aber zuweil auch zufriedener als heute. Kleine Errungenschaften wie Toaster, elektrische Kaffeemühlen, kleine Wäschetrockner und Handstaubsauger galten als Meilensteine in der technischen Entwicklung des *modernen* Haushaltes, das Selbstwertgefühl stieg und man kratzte noch irgendwie die letzten Groschen zusammen um am neuentdeckten Konsum teilzunehmen.
Beim genüsslichen Schmökern in dem 59 Seiten großformatigen Buch entdeckt man Vergessenes wieder neu. Der Zeitgeschichte - die ja auch meine Jugend und mein späteres Leben prägte - wird wieder Leben eingehaucht. Ich ertappe mich ständig mit dem Zeigefinger auf irgendeinem der zahlreichen vorzugsweiße in schwarz/weiß gehaltenen Fotos.
Mit einem breiten wohlgefälligen Grinsen im Gesicht erzähle ich dann, daß auch unsere Familie eben diesen Progress Staubsager hatte, den Kühlschrank von Bosch, die kleine Moulinex Kaffeemaschine, den Entsafter von Braun, das Zwiebelmesser Schneidboy, die ATA Dose neben der Spüle, die Sunlicht Seife und die Luftdusche (heute Fön genannt) im Bad.
Heute geht man einfach zu einem Discounter und hat die Qual der Wahl, für welches Produkt von welcher Marke man sich letztendlich entscheidet. Ist das Teil erstmal zuhause, hat es jegliche Faszination verloren und verrichtet einfach nur seinen Job. Ist es kaputt oder auch nur unmodern, wird es kurz und schmerzlos ersetzt.
Das liebevoll von Corinna Wodarz zusammengetragene Fotomaterial gibt aber nicht nur Einblicke in die Wohnstuben und Küchen, sondern zeigt auch ausdrucksstark wie das Zusammenleben von Kindern, Eltern und Großeltern im Familienverband gelebt wurde.
Und obwohl man die abgebildeten Kinder und Erwachsenen nicht kennt, vermitteln die Fotos so ein Gefühl der Vertrautheit. Weißt Du noch damals ..... herrlich !
Hier ein paar Textbeispiele die für sich sprechen:
- in mancher Wohnung lässt sich einfach auf Platzgründen kein Bad einbauen
- die Spüle diente auch gleichzeitig als Waschbecken
- die Mutter hat den Kittel schon angezogen und die Brote geschmiert
- die moderne Küche der 50er Jahre sehen Designer als einen optimierten Arbeitsraum
- erst mit der Hochzeit gründeten die meisten Männer u. Frauen einen eigenen Hausstand
- gemeinsam macht das Kartoffelschälen mehr Spaß, wenn viele hungrige Münder auf das Ergebnis warten
- da Kinderkleidung teuer ist, ist es selbstverständlich, sie selbst anzufertigen
- warum immer und in der Wanne baden? Es geht doch auch im Spülbecken.
- Vorsicht: frisch gebohnert !
- vor allem im Winter ist die Wohnküche der wärmste Ort
- Wir haben aber auch ekeligen Spinat unter Schütteln runtergewürgt, weil er ja angeblich so gesund ist
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Ein perfektes preiswertes Geschenk für Leute, die diese Epoche selbst erlebt haben oder auch nur aus Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern kennen. Dieses Buch fliegt garantiert nicht unbeachtet in die nächste Ecke.
5 Sterne sind absolute Ehrensache