Die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe Christiane Northrup wuchs in den 50er Jahren zusammen mit vier Geschwistern auf. Sie ist eine typische Vertreterin der Baby-Boomer-Generation, deren Mutter die Aufgabe der Nur-Hausfrau mangels anderer Lebenskonzepte und nicht aus Überzeugung erfüllte. Die Töchter dieser Generation wollte etwas ganz anderes als ihre Mütter, strebten Karriere und Kinder an und mussten feststellen, dass weder ihre Partner noch das Angebot an Betreuungsmöglichkeiten auf ihren Lebensentwurf vorbereitet waren.
Northrup Lebenslauf als Karriere-Frau mit schlechtem Gewissen gegenüber den Kindern und einem Ehemann, der sich auf seine eigene Berufstätigkeit konzentrierte, ist für ihre Generation gebildeter Frauen ebenfalls charakteristisch. Als Mutter zweier erwachsener Töchter reflektiert Northrup die Rolle ihrer eigenen Mutter als "braves Mädchen" auf der Suche nach den kleinen Fluchten des Alltags und deren Einfluss auf das Selbstbild der folgenden Frauen-Generation. Northrup schöpft dabei aus ihren persönlichen und beruflichen Erfahrungen, sowie aus Berichten ihrer Patientinnen. Im Alter von über 50 Jahren gehört die Autorin nun zur Sandwich-Generation, deren betagte Eltern noch leben oder gepflegt werden müssen und deren Töchter Lebensentwurf und Wertvorstellungen der Mutter häufig kritisch gegenüber stehen.
Northrups Buch ist als Anregung zur Bestandsaufnahme im mittleren Lebensalter geeignet und auch für Mütter von Töchtern sehr lesenswert. Die Stellungnahmen der Autorin zur Erziehung von Mädchen bleiben allgemein. Sie blickt sehr ausführlich auf ihr privates und berufliches Leben zurück und gibt weniger der heute erziehenden jungen Generation Unterstützung für die Erziehung ihrer Töchter. Northrups Vorstellungen von gesunder Ernährung und Hygiene sind "typisch amerikanisch" und für deutsche Verhältnisse bedingt geeignet.