Kurzbeschreibung
Zuvor war sie aber auch eine große Pariserin gewesen, und Satprem erzählt uns hier den reichen Werdegang ihres Lebens: wie sie am Anfang des Jahrhunderts als Bekannte der großen Impressionisten an der Explosion der äußeren Erscheinungen teilnahm, dann ihre Erfahrungen bei einem mächtigen Okkultisten in Algerien, durch die sie die verführerische Welt der okkulten "Wunder" als eine Sackgasse erkennen konnte, bis sie dann schließlich in Indien und an Sri Aurobindos Seite ihr eigentliches Lebenswerk begann, der Hauptgegenstand dieser Trilogie.Wir treten den Kampf gegen den Tod an. Wir gehören zu denen, die bemüht sind, die Evolution auf die Seite zu ziehen, auf der es sich atmen läßt - wir "gehören" nicht zu denen, sondern gehören dem Höchsten. "Zu denen gehören" hieße, noch im sterblichen Gewirr verfangen zu sein. Ohne zu zittern, können wir Mutters großen intensiven Blick ertragen, der sich zuweilen hinter der silbernen Tür öffnet... denn er ist erschreckend für all die kleinen Arten des Todes, an denen wir innerlich festhalten. "Ich verbringe meine Zeit damit, mich in Schleier zu hüllen: Schleier über Schleier und darüber noch ein Schleier, damit man mich nicht sieht. Sonst wird es "unbearable", unerträglich."Satprem wurde 1923 in Paris geboren. Den besten Teil seiner Kindheit verbrachte er auf Segelfahrten vor der bretonischen Küste. Mit zwanzig wurde er wegen Widerstandsaktivitäten von der Gestapo verhaftet und verbrachte anderthalb Jahre in deutschen KZs. Körperlich und seelisch zutiefst erschüttert, reiste er nach seiner Befreiung nach Indien, um einen Posten in der französischen Kolonialregierung in Pondicherry anzutreten. Dort begegnete er Sri Aurobindo, der verkündet hatte: "Der Mensch ist ein Übergangswesen". Daraufhin verließ er seinen Posten und begab sich auf eine Reihe von Abenteuern, die ihn nach Südamerika und Afrika führten, bevor er 1953 nach Indien zurückkehrte. Er wanderte als Sannyasin durchs Land, bis er sich schließlich dem Werk von Mutter und Sri Aurobindo widmete.
Als Mutters Vertrauter zeichnete er siebzehn Jahre lang ihre Erfahrungen auf und dokumentierte ihre Suche nach einer Veränderung im Bewußtsein der Zellen, die zu einer anderen Sicht des Todes führte.
Autorenportrait
Als Mutters Vertrauter zeichnete er siebzehn Jahre lang ihre Erfahrungen auf und dokumentierte ihre Suche nach einer Veränderung im Bewußtsein der Zellen, die zu einer anderen Sicht des Todes führte.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers. Alle Rechte vorbehalten.
«Sie arbeitet hier im Körper,
um etwas herabzubringen,
das in der materiellen Welt
noch keinen Ausdruck fand,
damit das Leben hier
transformiert werden kann.» Sri Aurobindo
Ein neues Leben begann.
Etwas in diesem «stürmisch wilden Herzen» hatte sich wie eine schwere silberne Tür verschlossen, hinter der sie ihren Schmerz in einer Stille zurückhielt, die schrecklich gewesen sein muß. Etwas hatte sich hier für immer und jeden Tag konzentriert: eine Art Blick, der intensiv schwarz und in seiner Tiefe golden sein konnte, ein eiserner Wille, der unerschrocken auf den Tod blickte. Jetzt wußte sie: das war "die Frage, die zu lösen mir aufgegeben wurde". Unter jedem Deckmantel spürte sie den Feind auf. Hinter allen Gesten, Schritten und Worten, den Begegnungen war ihr Blick darauf gerichtet und durchbohrte das in irgendeiner Form. Ich kenne kein anderes Wesen auf der Welt, das so beständig und unbeirrbar einen einzigen unteilbaren Willen in sich trug - kein Atemzug ihres Lebens, keine Sekunde der vierundzwanzig Stunden am Tag war des Lebens wert oder konnte überhaupt gelebt werden, wenn nicht um dies zu besiegen und aufzuspüren. Er war gegangen. «Ein totaler Zusammenbruch.» Doch ihr Blick war nicht einmal mehr auf Sri Aurobindo gerichtet - Sri Aurobindo war sie selbst, wie ihr eigener Atem - es ging jenseits von Sri Aurobindo, es war ein "Etwas" wie das ungeheure Das der Welt: das Absolute, das Höchste... wie auch immer die Worte sein mögen - letztlich sind alle Worte idiotisch - «Das» jedenfalls, was verhindert, daß nicht alles im Nu wie ein ungeheures Trugbild zusammenstürzt. Denn so wie die Lage und die Dinge auf den ersten Blick erscheinen, ist die Welt eine bloße Ungeheuerlichkeit, die sich uns nur dank unserer Unbewußtheit verhüllt. Ohne den Schleier der Unbewußtheit wäre sie unerträglich. Ohne all die netten Fallen der Illusion wäre es nicht auszuhalten. Und ist die Illusion einmal vorbei, bleibt nur der Weg des Nirvanas, des Selbstmordes - oder eben «Das», die einzige Hoffnung auf einen Sinn, das einzig Positive in dieser ungeheuren Sinnlosigkeit. Das Gegenstück des Todes. Ansonsten triumphiert einzig und allein der Tod überall, an allen Ecken und für uns gleich bei der nächsten Wegkrümmung, wo er seine Maske fallen lassen und lachend unsere schmerzlichen Torheiten allesamt zum Teufel jagen wird. «Das» oder der Tod. Dazwischen gibt es nichts. Dazwischen spielt sich eine Komödie mit den Hampelmännern der Komödie ab. Fazit: entweder blicken wir auf «Das», oder wir befinden uns schon im Tod. «Das», das einzig Mögliche und Lebendige in dieser Parodie des Lebens, das kein Leben ist - die einzig wahre Intensität, die gegen die Intensität des Todes aufzukommen vermag. Und wenn wir das nicht glauben, ist es nur zu unserem eigenen Schaden, dann stehen wir bereits auf der Liste der Todeskandidaten. Tatsächlich aber geht es nicht darum zu "glauben" sondern darum zu atmen, denn wenn die Illusion vorbei ist, fragt man nicht noch lange, ob der Sauerstoff existiert, und schert sich kaum um die Metaphysik des Sauerstoffs: man atmet oder krepiert. Das ist alles. «Das» heißt atmen. Wir können es ebensogut "Walfisch" nennen, wenn es uns beliebt. Nur, falls wir nicht auf dem Rücken dieses Wals sitzen, werden wir gar bald in die Tiefe gespült - das steht uns bevor, und zwar schon morgen. In der Tat schlüpft der Tod ständig direkt vor unserer Nase aus und ein wie ein herausgeputzter und lächelnder leiser Hai - charmant. «Um die Wahrheit zu sagen, schleuderte mich Sri Aurobindos Abschied ohne jeden Übergang direkt dem Höchsten entgegen.» Es ist sehr einfach, entweder «Das» oder nichts. Und nichts bedeutet den Tod. Sie nannte «Das» "der Höchste" oder "der Herr" oder sagte "Du" - was auch immer, es war ihre Art, jenes Etwas zu benennen, das sich über jeden Namen, den wir ihm geben, lustig macht, das uns aber als einziges atmen läßt angesichts dieser Intensität des Todes überall. Im Grunde sind alle menschlichen Erfahrungen - alle ohne Ausnahme, egal in welche Farbe oder Sprache sie gekleidet sein mögen - einzig, allein und absolut dazu da, jeden von uns zu dieser einzigen Sekunde zu führen, wo wir uns dieser einzigen Möglichkeit zuwenden: plötzlich ruft man «Das», oder es bedeutet den Tod. Man schlägt um ins Positive, schnappt nach Sauerstoff, öffnet beide Hände und ruft wie ein Wahnsinniger (oder auch nicht): «Das, das, das... das einzig Absolute ist der Höchste, die einzige Dauerhaftigkeit ist der Höchste, die einzige Sicherheit ist der Höchste, das einzig Unsterbliche ist der Höchste.» Das allein existiert. Sonst ist es nicht möglich, sonst ist es der Tod auf zwei Beinen. Alle unzähligen Erfahrungen, alle, dienen dazu, uns «dahin» zu führen. Das ist dann die erste Sekunde Leben in der Herrschaft des Todes. «Jetzt wird es eine so eindringliche, so absolute Erfahrung: die Ungewißheit, das Unbeständige, Flüchtige, Wechselhafte und Vergängliche aller Dinge - auf nichts kann man sich verlassen, alles bricht zusammen, außer der Höchste, weil Er alles ist. Allein das Ganze in seiner Gesamtheit versagt nie... Die Worte sind absurd, handelt es sich doch um eine Erfahrung. Gelangt man erst einmal zu dieser Erfahrung, ist es endgültig vorbei, alles weitere ergibt sich daraus, das sind Kleinigkeiten.» Dann ist man wirklich außer Gefahr. Mit anderen Worten, man wird von allen Seiten vom Tod bestürmt - den man zuvor nicht gesehen hatte. Man ist außer Gefahr, weil man atmet. Wir beginnen, das wahre Gesicht des "Lebens" zu sehen. Wir treten den Kampf gegen den Tod an. Wir gehören zu denen, die bemüht sind, die Evolution auf die Seite zu ziehen, auf der es sich atmen läßt - wir "gehören" nicht zu denen, sondern gehören dem Höchsten. "Zu denen gehören" hieße, noch im sterblichen Gewirr verfangen zu sein. Ohne zu zittern, können wir Mutters großen intensiven Blick ertragen, der sich zuweilen hinter der silbernen Tür öffnet... denn er ist erschreckend für all die kleinen Arten des Todes, an denen wir innerlich festhalten. «Ich verbringe meine Zeit damit, mich in Schleier zu hüllen: Schleier über Schleier und darüber noch ein Schleier, damit man mich nicht sieht. Sonst wird es "unbearable", unerträglich.»