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»Ein Schreiben, das für heute relevanter sein könnte, lässt sich kaum vorstellen. ... Sein Werk zeigt, dass es möglich ist, sich zu erinnern, ohne nostalgisch zu werden, sich mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen, ohne diese im Nachhinein zu verklären, und zu neuen Ufern aufzubrechen, ohne diese zum Heilsversprechen zu überhöhen.«
(Daniel Schreiber die tageszeitung )»Johnson war kurz vor Erscheinen seines Buches aus Leipzig nach Westberlin übersiedelt. Dieser biografische Einschnitt markiert aufs Genaueste auch den Standpunkt des Romans: Er steht auf der Grenze zwischen zwei Staaten und zwei Machtblöcken, aber er betont auch die Linie zwischen Vergangenheit und erinnernder Gegenwart. Mit formalästhetischer Radikalität und gedanklicher Schärfe hat Uwe Johnson in ›Mutmassungen über Jakob‹ die Frage nach der objektiven Verlässlichkeit der Erinnerung gestellt - und damit zugleich auch ein erkenntniskritisches Gegenprogramm zur ›Blechtrommel‹ geschrieben.«
(Roman Bucheli Neue Zürcher Zeitung )»Uwe Johnsons Debütroman ›Mutmassungen über Jakob‹ war die aufsehenerregende Neuerscheinung des Suhrkamp Verlags zur Frankfurter Buchmesse 1959. Dieser Roman, eine Entdeckung Siegfried Unselds, war der Anteil des Verlags an dem für die deutsche Nachkriegsliteratur so bedeutenden Jahr 1959, das in der Literaturgeschichte als Zäsur gelten kann ... eine[r] der großen Romane des 20. Jahrhunderts, [ein] moderne[r] Klassiker, der auch am Beginn des 21. Jahrhunderts nichts an Aktualität verloren hat.«
(Christian Krepold literaturkritik.de )
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein spröder Klassiker der Moderne,
Rezension bezieht sich auf: Mutmaßungen über Jakob. SZ-Bibliothek Band 18 (Gebundene Ausgabe)
Diesen Roman hat Uwe Johnson im Jahr 1958 geschrieben, im Alter von 24Jahren. Es wurde 1959 in Westdeutschland veröffentlicht, im gleichen Jahr wie "Die Blechtrommel" von Günter Grass. Fast möchte man es ein Jugendwerk nennen, besäße es nicht schon in vollem Umfang jene Abgeklärtheit, Strenge und Distanziertheit, die Johnsons Prosa überhaupt auszeichnet. Das Buch erschließt sich äußerst schwer. Es gibt ständige Perspektivewechsel, sogar innerhalb derselben Szene. Oft ist nicht klar, wer denn nun gerade spricht und seine Sicht der Dinge auf den DDR-Eisenbahner Jakob Abs schildert. Jakobs Freundin Gesine ist mit zwanzig Jahren in den Westen gegangen und arbeitet dort als Übersetzerin. Im Verlaufe des Romans flüchtet Jakobs Mutter ebenfalls in den Westen, Gesine kommt zu Besuch, und Jakob erstattet einen Gegenbesuch. All dies geschieht unter den Augen der "Staatsmacht" in Gestalt des des Herrn Rohlfs von der Spionageabwehr und seiner Kollegen. Warum ist dies nun ein Roman, der in den Kanon der deutschen Literatur eingegangen ist? Der Autor Johnson war sehr überzeugt davon, dass sich mit Sprache Wahrhaftigkeit ausdrücken lässt. Genau das ist die Stärke auch dieses Romans. Er ist verdichtete, intensivierte DDR-Realität, ein Zeitdokument von großer Authentizität und Glaubwürdigkeit. Die Charaktere wirken echt und lebendig, und das obwohl die Prosa trocken und ereignisarm daherkommt. Wer verstehen will, wie in der DDR des Jahres 1965 Schicksale einfacher Menschen geprägt wurden durch den Absolutheitsanspruch einer bis tief ins Privatleben vordringenden Ideologie, der liest diesen Roman. Jakob ist ein unpolitischer Mensch, zuverlässig, arbeitsam, mit einem unkomplizierten, geradlinigen Gemüt ausgestattet. So einer "funktioniert" im besten Sinne des Wortes. Er ist ein nützliches Mitglied der Gesellschaft, was versinnbildlicht wird durch seinen Beruf als Eisenbahner. Indem er den Zugverkehr koordiniert, hilft Jakob dabei, einen wichtigen Teil der Infrastruktur des Landes aufrecht zu erhalten. Wenn so einem staatsfeindliche Tendenzen unterstellt werden, dann führt sich die Staatsmacht selbst ad absurdum. Sie untergräbt ihre eigene Basis, indem sie das zerstört, was sie selbst am Leben hält: den Fleiß und die Loyalität des gemeinen Mannes. Der Geheimdienstmann Rohlfs bekommt in diesem Roman selbst menschliche Züge. Er setzt sich gedanklich und emotional mit den Personen auseinander, die er observiert. Seine politische Argumentation gegenüber seinen Opfern ist differenziert, intelligent und persönlich. Letztlich bleibt er dennoch grausam und unerbittlich. Einer wie Jakob kann nicht über Grenzen hinweg lieben. Seine Liebe zu "verwestlichten" Gesine ist zum Scheitern verurteilt. Das Hin und Her seiner völlig normalen Liebesgeschichte geschieht unter den Augen der Staatsmacht, die ihm kein Geheimnis lassen möchte. Am Ende bleibt sein Tod ungeklärt. Im Sterben entzieht sich Jakob der Überwachung. Mit dem Ableben endet das Wissen über seine Person, es beginnen die Mutmaßungen. Er ist quer über die Gleise gegangen, ein Eigensinniger, der sich nicht mehr an die Spur hielt. So befreit er sich, indem er sich entzieht. Der Roman setzt der Individualität des Menschen ein Denkmal. Es gibt immer einen Punkt im Leben eines Menschen, der sich nicht ausleuchten, nicht kontrollieren lässt. Dort gibt es dann nur noch die Mutmaßungen, die Mutmaßungen über Jakob. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein großer Roman Ostdeutschlands,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mutmassungen über Jakob: Roman (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Kaum ein Autor hat wohl die Lebensumstände der Menschen in der DDR prägnanter und zugleich einfühlsamer gefaßt als Uwe Johnson. Sein vielleicht berühmtestes Werk "Mutmassungen über Jakob" wurde 1959 in der Bundesrepublik gedruckt. Es schildert einen Lebensabschnitt des Bahnangestellten Jakob Abs, der nach und nach in die Fänge der Staatssicherheit gerät. Am Ende stirbt Jakob bei einem Zugunglück, ein Ereignis, das bereits am Anfang der Erzählung vorausgenommen wird, wobei sich die Frage stellt, ob hier wirklich nur ein Unfall geschehen ist. Außergewöhnlichstes Merkmal des Romas ist die eigenwillige Struktur. Der Autor wechselt mit großer Häufigkeit die Perspektiven, er spricht als Jakobs Jugendfreundin Gesine Cresspahl, als Herr Rohlfs, ein Mitglied der Staatssicherheit, er läßt die Personen in Dialogen miteinander sprechen, so Gesine mit ihrem Lebensgefährten, Gesine mit Herrn Rohlfs oder Gesines Freund mit einem Bekannten Jakobs. Durch diese zahlreichen Blickwinkel ergibt sich ein reichhaltiges, mehrschichtiges Bild der Geschichte, der Leser erhält eine quasi-objektive Sicht auf die Handlung. Da Johnson die Perspektive nie direkt benennt, muß man sich erst schrittweise in den Roman hineinarbeiten, eine mehrfache Lektüre ist sehr gewinnbringend. Diese offenbart erst die wunderbare Schlüssigkeit der Erzählung, die in einzigartiger Weise Aspekte des Lebens in der DDR darstellt, weder allein aus der Sicht des Befürworters noch der des Widerständlers. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Klassiker der modernen Literatur,
Von
Rezension bezieht sich auf: Mutmaßungen über Jakob. SZ-Bibliothek Band 18 (Gebundene Ausgabe)
Sicher ein "Klassiker der modernen deutschen Literatur" des 20.Jahrhunderts. Johnson löst die Lesegewohnheiten auf: Monologe, Zeitverschiebungen, wechselnde Erzählperspektiven, der Verzicht auf die gewohnte Erzählschiene. Das fordert den Leser und freut alle, die sich mit Literatur nur abgeben, wenn sie intellektuell gefordert sind. Bei Johnson gilt, was für alle Autoren gilt: man muss sich drauf einlassen, dann hat man etwas davon. Dass "wie am Rande" auch noch deutsch-deutsche Geschichte vorkommt (Ungarnaufstand und die Wirkung in der DDR) sollte man nicht überbewerten.
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