8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Zwei Frauen im gelobten Land, 30. Mai 2001
„Mutiges Herz, wildes Land" ist ein typischer Historischer Roman, mit dem zusätzlichen Schmankerl, dass die meisten Personen wirklich gelebt haben.
Margaret Brent, ihre Schwester, sowie ihr Bruder, die alle dem katholischen Landadel angehören, müssen aufgrund ihrer Religion ihre Heimat verlassen. Ziel ist Maryland im neuentdeckten Amerika, wo ihnen Land versprochen wurde. Ebenfalls auf dem Weg ins gelobte Land ist Anicah, allerdings eher unfreiwillig, zusammen mit vielen anderen, Gesindel, Verbrechern, Unglücklichen und Rechtlosen, wird sie nach Maryland deportiert, um dort für eine gewisse Zeit Dienst für die Adeligen zu leisten.
Der Roman erzählt nun auf der einen Seite wie die Adeligen versuchen sich eine neue Existenz aufzubauen, was mehr als hart ist bei der Bedrohung, durch Indianer, Gesetzlose und vor allem der unbarmherzigen Natur. Auf der anderen Seite wird das Leben der Knechte am Beispiel Anicahs erzählt, was noch um einiges härter ist als das der Adeligen, sie sind der Willkür ihrer Herrschaft ausgesetzt und müssen obendrein noch schwer schuften.
Die Geschichte wird leidlich spannend erzählt, was zur Folge hat, dass man das Buch so schnell nicht mehr aus der Hand legt, obwohl mich doch so einiges gestört hat. Die Autorin hat einen kommentarlosen Schreibstil (nur für die Indianer ergreift sie Partei), was zur folge hat, dass die Adeligen am laufenden Band über die Einfachen Leute herziehen, total überholte Moralvorstellungen übermittelt werden und ständig irgendwelches religiöses Zeug geredet wird. Das wäre noch nicht mal schlimm, denn schließlich waren die Verhältnisse zu dieser Zeit wohl genauso, wenn trotzdem eine Figur als Identifikationsfigur taugen würde, aber so richtig sympathisch ist einem eigentlich niemand, nicht mal die pfiffige Magd Anicah, die man zwar anfangs in sein Herz schließt, aber spätestens wenn sie bemerkt, dass sie die Stadt erbärmlich finde, weil hier kein Galgen zu finden sei, fängt man an mit dem Kopf zu schütteln.
Und doch Anicah ist die heimliche Hauptperson, mit der man mitleidet und hofft, dass sie dereinst in Frieden mit ihrem Martin zusammen leben kann. Eine Liebesgeschichte fehlt also auch nicht.
Wie gesagt, auch wenn die Sympathieträger fehlen, fesselt das Buch ungemein und man will anschließend noch viel mehr wissen über die Zeit damals, der Griff zum Lexikon ist vorprogrammiert.
Aber eines weiß ich nach der Lektüre auch ohne Lexikon: Gott sei Dank, habe ich damals nicht gelebt! Ungerechtigkeiten wohin das Auge blickt. Vielleicht war ja genau diese Erkenntnis der Zweck den die Autorin erreichen wollte, dann muss ich sagen: Ziel erreicht.
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