Als sich Beck Mitte der Neunziger Jahre bereits als eine feste Popgröße etabliert hatte und alle Welt auf eine Art "Odelay 2"-Album wartete, beglückte er seine Fangemeinde mit einem Album, das so gar nicht den Erwartungen entsprach und das in kommerzieller Hinsicht den Vorgängeralben unterlegen war. Dass Verkaufszahlen jedoch selten den künstlerischen Wert einer LP widerspiegeln, bewahrheitet sich auch in diesem Falle: stilistisch vielfältig, wie das Album ist, zeigt sich hier Becks große kompositorische Meisterschaft. Affinitäten zu Country Music und Blues sind ebenso auszumachen wie die wilden elektronischen Samples der Vorgängeralben, abgefahrener Elektrorock gesellt sich zu zurückgelehntem Country-Folk-Sound, als wäre dies die normalste Sache der Welt. Überall webt er (teils sehr lustige) (elektro-)akustische Huldigungen und Zitate ein - dies aber, ohne stumpf zu kopieren sondern ganz im Gegenteil in musikalischen Kontexten, in denen man sie niemals erwartet hätte. Auch Becks gesangliche Qualitäten haben gegenüber der Vorjahre zugenommen und kommen in den getragenen Songs dieses Albums besonders zur Geltung.
Für mich enthält dieses Album das beste Material, das er je (mit Hilfe Nigel Godrichs) produziert hat - es ist vom ersten bis zum letzten Track gerade auch wegen der zahlreichen eher getragenen Songs ein Hörgenuss erster Güte. Wer sich überlegt, dieses Album zuzulegen, sollte unbedingt die etwas teurere Version mit den Zusatztracks "Halo of Gold" und "Black Balloon" wählen, die ihr Geld in jedem Falle wert sind.