Mein Gesamturteil vorweg: das beste Buch für das Projekt Branchenwechsel, das ich kenne. Auf dem grossen Marktplatz von Bewerbungsratgebern sind immer mehr Stände auszumachen, an denen Spezialitäten angeboten werden. Von dieser Entwicklung können Stellensuchende nun auch profitieren, wenn sie sich mit dem Gedanken befassen, nicht nur den Job, sondern gleich auch die Branche zu wechseln.
Obwohl keine Arbeitswelt Exklusivansprüche auf menschliche Persönlichkeitseigenschaften, Vorstellungsbilder oder Verhalten stellen kann, gibt es doch beträchtliche Unterschiede. Und der erfahrene Autor geht zum Glück davon aus, dass wir unsere Lebensbiographien nicht beliebig umschreiben können. Es ist also besser, sich über mögliche Anknüpfungspunkte zu orientieren, nach hinten und nach vorne.
Harald Winkler verfolgt genau diesen Ansatz und eröffnet seinen Entscheidungsbegleiter mit der Frage, wann ein Branchenwechsel Sinn macht. Die besondere Leistung des Autors besteht ohnehin nicht darin, seinen Lesern die Weisheiten eines Obergurus zu verkaufen. Das würde vielleicht ein unkritisches Publikum zu Beifallsstürmen hinreissen, aber dem Einzelnen nichts nützen. Nein, Winkler stellt seine Erfahrung zur Verfügung, ordnet Informationen und formuliert die wesentlichen Fragen, deren Beantwortung die individuelle Orientierung erleichtern.
Im nächsten Kapitel unterstützt der die Leser beim Entdecken des Potenzials, das es zum grossen Schritt eines Branchenwechsels braucht. Brandaktuell und nicht für Deutschland zutreffend ist dann sein Überblick über Entwicklungen des Arbeitsmarktes, spezielle Strukturen, Nischen und Überschneidungen. Mit diesem Wissen fällt es dann leichter, das eigene Zielfeld zu definieren, um dann den Übergang zu gestalten. Zur Projektplanung gehört ausserdem, sich zum Insider zu machen, was mit den Tipps von Winkler keine Unmöglichkeit sein sollte. Das achte Kapitel hält der Autor verdankenswerter Weise kurz. Denn zum Thema Marktgewinnung, Bewerbungsmappen und -prozedere gibt es genug Literatur. Zum Beispiel die Praxismappen von Hesse/Schrader oder Püttjer/Schnierda. Und bevor das empfehlenswerte Buch mit einer dürftigen Literaturliste und einem brauchbaren Stichwortregister endet, gibt Harald Winkler noch die Anforderungen potenzieller Arbeitgeber preis.
Zum Sternemaximum tragen ausser Inhalt und Konzept auch die Gestaltung sowie die verständliche Sprache bei. Kurz: ein tolles Buch zu einem vernachlässigten Thema.