1. Kapitel: Eine geschichtliche und philosophische Übersicht: Mut im germanischen Sprachraum, Mut in der Antike, Mut im Christentum. Was der konfuzianische Denker Mengzi über Mut zu sagen hat. Und der Mut der Samurai, die sich zu bedingungslosem Gehorsam verpflichteten. Natürlich auch der Mut der Neuzeit: Spinoza, Kierkegaard, die Tugendlehre von Nietzsche und Tillich.
2. Kapitel: Beispiele dafür, was Mut ist, und was Mut nicht ist. Besonders bemerkenswert in diesem Kapitel: Mut als überlegte, hoffnungsvolle Selbsthingabe aus Liebe. Der Autor definiert fünf Merkmale, die für mutiges Verhalten stehen:
a. Eingehen einer Gefahr oder Ertragen einer Widerwärtigkeit
b. Klugheit und Besonnenheit hinsichtlich möglicher Gefahren und Folgen
c. Hoffnung und Zuversicht, dass ein höheres Ziel erreichbar ist
d. Der freie Wille
e. Liebe als Motivation
Und unterscheidet drei verschiedene Formen: physischen Mut, moralischen/sozialen Mut, existenziellen Mut.
Ab dem 3. Kapitel werden jeweils spezifische Bereiche des Mutes untersucht. Der Leser erfährt wie man übermäßige, chronische Ängste überwindet, wie man sich von Abhängigkeiten (Sucht) befreit, wie man mutig liebt und sich hingibt, wie man auch in schweren Zeiten die Zuversicht nicht verliert, wie man seine eigene Persönlichkeit weiter entwickelt und festigt, wie man seine Lebensziele und Träume verwirklicht.
Beispielsweise werden im Kapitel der Liebe/Hingabe acht Schritte aufgezeigt hin zu einer erfüllten Liebesbeziehung. Natürlich sind diese Thesen von Andreas Dick richtig. Den anderen mitsamt seinen Fehlern und Schwächen anzunehmen, der Verzicht ihn ändern zu wollen. Auch dass man seinen eigenen Eigenraum bewahren sollte, etc. Es handelt sich jedoch ganz klar NICHT um einen Beziehungsratgeber. Wie man diskutiert, Dinge anspricht, und mehr wird nicht angesprochen.
Im 9. Kapitel wird der Weg von der Feigheit zum Mut aufgezeigt. Die fünf hierzu notwendigen Schritte erinnern an die Voraussetzungen im 2. Kapitel. Wie in den anderen Kapiteln arbeitet Andreas Dick auch hier mit Beispielen: unter anderem zeigt er anhand der Figur des Jago aus Shakespeares Othello, wann es sich um einen klugen sowie manipulativen Bösewicht handelt. Es gibt keinen Mut ohne ein Ziel, das im Guten verankert ist. Ein heimtückischer Plan ist nicht mutig, sondern hinterhältig. Der Gegensatz zu Jago ist Paulus: seine Liebe 'trägt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles'.
Und weil Vorbilder hilfreich bei der Entwicklung des Mutes sind, zeigt Andreas Dick am Beispiel der Antigone, Gandhis, des Sokrates, der Rosa Park und der Frauen der Rosenstrasse was wir von diesen Personen lernen können. Herakles,
Frodo und andere Superhelden dienen als Beispiele dafür, dass es auf dem Weg der Selbstentwicklung immer wieder aufs Neue notwendig ist Prüfungen zu bestehen. Dass man um Glück und Erlösung zu gewinnen sein Ego mit seinen ungezügelten Begierden und Wünschen überwinden muss. Dass die Unsterblichkeit erreichbar, aber nicht leicht ist, und großen Mut erfordert. Dass man Glück nur auf dem schmalen Pfad der Tugend, nicht auf der breiten Strasse der Lust und Bequemlichkeit findet. Vor allem aber, dass der Kampf zwischen Gut und Böse im eigenen Selbst stattfindet. (vgl. S. 223) Weitere Beispiele sind Odysseus, Scheherezade, Wilhelm Tell.
Im 10. Kapitel widmet sich der Autor der Kunst der Ermutigung. Sich selbst verstärkende Prozesse der Ermutigung und auch der Entmutigung werden angesprochen. Die Voraussetzungen für Fremdermutigung, Ermutigung in der Erziehung, in der Psychotherapie und Beratung werden erläutert.
Abgeschlossen wird das Buch durch ein Literatur- und ein Personenverzeichnis.
Der Schreibstil ist gut lesbar. Besonders wichtige Aussagen werden am Rand hervorgehoben. Beispiele (auch aus Literatur, Religion, Mythik) werden meistens in grau hinterlegten Kästen beschrieben. Am Ende eines jeden Kapitels findet sich eine Zusammenfassung mit den wesentlichen Aussagen.
Ob sich dieses Buch für Betroffene eignet, die sich aus einer Sucht befreien wollen, die in einer Krise stecken, etc. kann ich nicht beantworten. Möglicherweise wäre es in solchen Fällen hilfreicher, spezifische Fachbücher zu lesen, welche ausschließlich die eigene Situation beschreiben und Empfehlungen abgeben, da die Ausführungen von Andreas Dick mitunter sehr allgemein gehalten sind.
Es fällt mir ehrlich gesagt schwer, einen Gesamteindruck jenseits des Inhaltes zu formulieren. Beeindruckt hat mich die klare Betonung des Elements der Liebe. Auch die Abgrenzung zu dem, was Mut nicht ist. Dass er dem Leser mit den fünf Voraussetzungen eine Art Checkliste an die Hand gibt, um das eigene Verhalten zu überdenken, in Frage zu stellen, empfinde ich als hilfreich. Sicherlich ein Buch, das man häufiger zur Hand nehmen sollte.