Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 20.09.2002
Helmut Mauro ist begeistert von dieser Sammlung musikalischer Autographen, die weit in die Vergangenheit zurückgeht und bis in die Gegenwart reicht. Es handelt sich dabei um die Abbildungen der originalen Notensätzen der verschiedenen Komponisten. Da gibt es allerhand Details zu entdecken, die bei gedruckten Noten zwangsläufig verloren gehen, die aber "musikalischen Formwillen" bezeugen. So sieht Mauro hier unter anderem "das Ringen ums Detail, die gewissenhafte Überarbeitung, in penibler Schreibweise, die wütend durchgestrichenen, vernichteten Stellen". Der Schaffensprozess des Musikers wird so nachvollziehbar. In all dem entdeckt er "eine Musikgeschichte in Noten, die mehr erzählt als viele Bücher". Besonders angetan hat es ihm Beethoven und dessen wilde Niederschrift, die nach Mauros Empfinden voller "Schweiß und Tränen" steckt.
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"Autograph, Original, Urschrift, Inkunabel - das sind für viele Kunstbeflissene Zauberworte, schiere Geheimnisträger. Denn der Betrachter mag beim Anblick solcher ersten Niederschriften meinen, dem Schöpfergeist und dem Schöpfervorgang selbst zu begegnen, das Genie gleichsam im Zeitpunkt seiner Niederkunft zu beobachten. Und auch nüchterne Gemüter, die der ehrfürchtige Schauer nicht so schnell überfällt, mögen angesichts eines Manuskripts eine Braue heben: Der Akkord aus historischem, künstlerischem und persönlichem Ton hat seinen eigenen Reiz. Da kommt eine Edition des Reclam-Verlags sehr gelegen:" -- Musikerhandschriften - Von Heinrich Schütz bis Wolfgang Rihm, ein prächtiger Band mit mehr als achtzig kommentierten Partiturseiten der größten Meister aus vier Jahrhunderten. Natürlich handelt es sich um Faksimiles, und der säuberliche äußere Eindruck dieser pretiösen Bindungen steht gewiss hinter jenem zurück, den ein vergilbtes, brüchiges Pergament erwecken würde, zu dessen Offenlegung ein Kustos tief in den Keller zu steigen hätte. Aber es bleibt auch beim Faksimile genug zu grübeln, zu fantasieren, zu vergleichen, zu vermuten, zu studieren - eben all diese Nuancen zu goutieren, die sich zwischen der Kalligraphie eines Paul Hindemith und der Klaue eines Alban Berg eröffnen. Welche Spekulationen und Spintisierungen lassen sich da über die Komponisten und ihre Befindlichkeiten anstellen, bei all diesen Seiten- und Umwegen über Graphologie, Charakterkunde, Ästhetik oder was auch immer. Doch am schönsten ist es doch, löst sich aus dem Notenbild auch ein Klang, hilft das offene Auge solcherart dem inneren Ohr. Denn dann sind im menschlichen Bewusstsein kompositorische Aura, wissenschaftliche Neugier und tönendes Ereignis vereint - dem Faksimile sei Dank." -- Kölner Stadt-Anzeiger "Von Heinrich Schütz bis zu Sophia Gubaidulinas" -- Johannes-Passion spannt sich ein großer Bogen, der ordentliche Reinschriften ebenso umspannt wie chaotische Schlachtfelder, flüchtig-rasche Notizen, aber auch routinegesättigte Opernseiten mit endlosen Tonwiederholungen. Zweifellos ein Buch, in dem zu blättern und über dem zu sinnieren sich lohnt, überdies ein Prachtband, der nicht nur durch die sprechenden Bildseiten selbst, sondern auch durch die klugen und vielfältigen Kommentare, die jeweils den Faksimile-Seiten gegenübergestellt sind, eine kleine Geschichte der Höhenlagen der europäischen Musikgeschichte entstehen lässt." -- Tibia. Magazin für Holzbläser "Manche Komponisten schrieben ihre Noten so klar, dass sie aussahen wie gedruckt - Antonio Vivaldi etwa. Andere wie Beethoven oder Janácek müssen eine Plage für die Kopisten gewesen sein. Auf jeden Fall erlauben die Handschriften Einblicke in die Werkstatt der Tonsetzer. Im von Günter Brosche herausgegebenen und kundig kommentierten Band" -- Musikerhandschriften kann man sein blaues Wunder erleben. Wie Beethovens Sinfonien jemals auch nur einigermaßen fehlerfrei kopiert werden konnten, ist beim Anblick der Handschrift ein Rätsel." -- Lübecker Nachrichten "(Ein Band), der auch vor Augen führt, was im gedruckten Notentext in aller Regel verloren geht: Das Ringen ums Detail, die gewissenhafte Überarbeitung, in penibler Schreibweise, die wütend durchgestrichenen, vernichteten Stellen, das Gewicht eines Basstons, die Dringlichkeit eines Subitopiano. (...) - eine Musikgeschichte in Noten, die mehr erzählt als viele Bücher." -- Süddeutsche Zeitung "Stimmungslage, Zeitdruck, Temperament, Charakter, Leichtigkeit - kurzum: die innere und äußere Befindlichkeit des schöpferischen Menschen spiegelt sich im Notenbild wieder. Riesenkontraste werden sichtbar, ehe ein einziger Ton erklingt, wenn man die eilig festgehaltenen Einfälle eines Telemann mit den wilden Schmierereien eines Beethoven, die Notenverwaltungsakte eines Strawinsky mit den Kalligrafien eines Franz Schmidt vergleicht. In der Reclam-Neuerscheinung 'Musikerhandschriften' findet man die eigenhändigen Notationen von 80 Komponisten aus über 350 Jahren höchst aufschlussreich zusammengetragen. "Fast alle sind in Originalgröße reproduziert ... Das hat ein Großformat zur Folge, das sich schon im Frühherbst absichtsvoll als bibliophiles Festtagsgeschenk anbietet." -- Esslinger Zeitung "Verblüffende Einblicke in Komponisten-Persönlichkeiten gibt Günter Brosches faszinierende Autografensammlung 'Musikerhandschriften - Von Heinrich Schütz bis Wolfgang Rihm' dem Kenner wie dem musikinteressierten Laien. Fundierte, unterhaltsame Texte (vorwiegend österreichischer) Musikwissenschaftler begleiten 80 ehrfurchtgebietende Faksimile-Blätter legendärer Kompositionen: etwa Bachs Matthäus-Passion, Grubers 'Stille Nacht', die einzig erhaltene Seite aus Janáèeks 'Jenufa' oder die letzte Seite des Mozart-Requiems, um deren abgerissene rechte untere Ecke sich neue Legenden ranken." -- Die Presse, Wien "Wer schreibt heute noch von Hand? Des Menschen unvollkommene, zuweilen unleserliche Schreib-Spur hat im Zeitalter von SMS, E-Mail und Computer einiges an Bedeutung verloren. Doch nichts von ihrer Faszination. Im Gegenteil. Die Handschrift bietet als ein vom Hirn gesteuertes psychomotorisches Geschehen einmaliges Datenmaterial aus Bewegung, Formung und räumliches Gestaltung, Schreibstrichqualität und Druck und scheint durch ihre Einzigartigkeit geradezu prädestiniert dazu, einen Einblick in die Werkstatt und den Entstehungsprozess eines Schriftstücks zu geben. Und vielleicht in die Befindlichkeit des Schreibers oder der Schreiberin. "Im Band" -- Musikerhandschriften sind originale Handschriften von 80 Komponisten aus 350 Jahren zusammengefasst. Die faszinierende Sammlung umfasst nahezu alle Arten von Notationen das heißt Skizzen, Teilpartituren im Klaviersatz, Klavierauszüge und Stimmen für Druckausgaben und Aufführungen. Jeder der achtzig ganzseitigen, nach ihrer Entstehungszeit reproduzierten Notationen (der Anhang ist alphabetisch geordnet) steht linksseitig ein Essay gegenüber, das über den Komponisten und die Entstehung des Werks Auskunft gibt. Und obwohl zwischen Worthandschriften und Notenhandschriften ein fundamentaler Unterschied besteht, indem nämlich Dichter und Schriftsteller sich mit ihren Briefen und Manuskripten allen Menschen mitteilen und Noten bloß einen zeitlichen Ablauf festhalten, der zudem noch eines kundigen Interpreten bedarf, scheint man unabhängig vom Inhalt auf den ersten Blick einiges an Informationen über das Temperament, die Leichtigkeit oder die Arbeitstechnik der Komponisten zu erfahren." -- Der Bund "'Wie jede Handschrift sagt auch die des Musikers viel über Charakter und momentane Befindlichkeit des Schreibenden aus', meint Günter Brosche, der Leiter der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Er hat einen großformatigen, edlen Band mit eigenhändigen Notationen von 80 Komponisten aus über 350 Jahren herausgegeben, der auch für Musikliebhaber ohne Dirigentendiplom eine Fundgrube ist. (Und allemal spannende Musikhistorie, weil jeweils ein Essay über Werk und Komponist informiert.)" -- Südwest Presse "Ein toller Band." -- Fuldaer Zeitung "Ob die penible Klarheit bei Strawinsky oder Richard Strauss, Händels wie im Wind liegende Notenköpfe oder Smetanas Großzügigkeit, man sieht mit nicht erlahmenden Interesse und freut sich zusätzlich über die reichlichen Informationen verschiedener Autorinnen und Autoren." -- Frankfurter Neue Presse "Und so träumt man sich vor diesem schönen Band in den Besitz kostbarer Notenblätter oder fantasiert über ihre Urheber. Vivaldi, als ob der einen Schönschreibwettbewerb gewinnen wollte: rund, voll, elegant und deutlich kollern die Notenköpfe über die Seite einer Violinenstimme aus der Konzertsammlung op. 9; kindlich unfertig eine Opernarie Glucks; zickig zackt Händel das" -- Halleluja; vollkommen natürlich, mit nicht zu wenig, nicht zu viel Druck auf der Feder, setzt Mozart Punkte und Hälse (und wie herausgebissen eine aus dem Blatt gerissene Ecke - was er wohl mit dem Zipfel angestellt hat?); schließlich Janaceks Totalchaos, der Albtraum aller Musikwissenschaftler: eine von Fliegendreck übersäte Seite - es soll sich um seine Oper" -- Jenufa handeln." -- Stuttgarter Zeitung "Es lohnt also durchaus, einen Blick zu werfen hinter die musikalische Kulisse, hinein in die karge Schreibwerkstatt des Komponisten. Der vom österreichischen Musikwissenschaftler Günter Brosche herausgegebene Bildband 'Musikerhandschriften - von Heinrich Schütz bis Wolfgang Rihm' ist für solche Spurensuche zur Zeit ein wohl konkurrenzloses Medium: von den ersten gesicherten Autographen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zu jüngsten Handschriften Rihms, Stockhausens oder Gubaidulinas werden auf 80 Doppelseiten jeweils ein Teil einer Skizze, einer Arbeitspartitur oder einer Reinschrift und ein begleitender Kommentar zum Werk und seiner Genese gegenübergestellt. Das Ergebnis ist ein ganz und gar sehens- und lesenswerter Streifzug durch's Hinterzimmer der Musikgeschichte, in dem sich - und das ist vielleicht die erstaunlichste Erfahrung, die sich hier machen lässt - in den Jahrhunderten vieles verändert hat, nur nicht dies: dass hier auch die größte Kunst geschaffen wird mit denkbar einfachen Mitteln: mit einem Stift nämlich und ein paar Bögen Papier." -- Raoul Mörchen im Bayerischen Rundfunk/Musik aktuell "Der prachtvolle Band ist sogar solchen Musikliebhabern zu empfehlen, die einen Violin- nicht vom Bassschlüssel unterscheiden können, ist doch jedes Blatt jeweils von einem Experten ausführlich kommentiert. Da lernt man Franz Lehár als Opernkomponisten kennen, Hindemith als pedantischen Genauigkeitsfanatiker und sieht, dass es bei dem Zwölftoner Matthias Hauer auch ganz ohne Noten geht. Bei Alban Bergs Handschrift aus der lyrischen Suite für Streichquartett fällt einem ein Satz aus Büchners 'Woyzeck' ein: 'Wer das lesen könnt'!'" -- Jörg W. Gronius im NDR/Radio 3 "Die im Buch abgebildeten Handschriften von Heinrich Schütz (1640, zuvor gibt es keine gesicherte autografe Notation eines Musikstückes) bis Wolfgang Rihm haben nicht nur einem elitären Zirkel etwas zu 'sagen'; auch der - v...