Ich besitze zwei Aufnahmen der Musikalischen Exequien, diese hier und eine unter Gardiner und habe das Werk auch selbst schon mehrere Male im Chor bzw. als 2. Basssolist gesungen. Da ich ein großer Anhänger von Schützscher Musik, aber auch vom Solisten Peter Kooy bin, musste die Herreweghe-Version einfach noch ins Haus.
Leider machte sich bald Enttäuschung breit. Die Tempi sind einfach nicht schwungvoll genug, alles ist in einem sehr unflexiblen ermüdenden Tempo gehalten. Denn es handelt sich hier nicht primär um Trauermusik; sie muss und sollte vielmehr als aufbauender Trost verstanden werden, denn "der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rühret sie an!" Also darf auf jeden Fall auch Bewegung in der Musik vorhanden sein. Hier: fast null! Nichts schwingt, alles ist flach.
Die Solisten sind eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Fast zumindest. Es gibt nämlich meiner Ansicht nach ein großes klangtechnisches Problem. Schütz hat für die Solopartien neben 2 Sopranen, 2 Tenören und 2 Bässen auch eine Altsolostimme vorgesehen, z.B. bei "Gehe hin in eine Kammer...". Der Klavierauszug gibt da ganz klare Anweisungen. Leider hat Herreweghe sich dazu entschlossen, diese Partie mit einem Tenor zu besetzen, der nicht als Altus fungiert, sondern diesen Part sehr grausam mit seiner Bruststimme wiedergibt. Von "klangschön" und "weich" kann da keine Rede sein. Wer jetzt denkt, naja, Schützsche Musik ist im Alt halt sehr tief, da kommen die Damen nicht mehr so gut hin irrt. Auf im Prinzip allen anderen Einspielungen und Konzerten, die ich gehört habe, wurde diese Partie bei einer weichen Altstimme belassen. Warum also nicht hier? Diese Entscheidung Herreweghes ruiniert meiner Meinung nach vieles, da sich dieser Sänger auch nicht in den Klang mit den anderen Sängern einfügt. Es klingt einfach fürchterlich. Zudem ist z.B. in der Motette "Selig sind die Toten" ganz klar ein Übersteuern während der Aufnahme zu hören. Das muss doch nun wirklich nicht sein, dann muss man auch mal sowas wie eine Qualitätskontrolle vornehmen und nicht gleich alles vorschnell auf den Markt werfen, so nach dem Motto: Wenn Herreweghe draufsteht, werden's die Leute schon kaufen. Wer wirklich eine gute, frische Aufnahme der Musikalischen Exequien haben möchte, sollte zu der von Gardiner greifen (leider nicht so einfach zu bekommen) oder der unter Howard Arman. Da hat man einfach seinen musikalischen Frieden. Amen!