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In diesem wichtigen Buch sind Harnoncourts Aufsaetze und Reden zur Auffuehrungspraxis gesammelt. Als guter Redner hat Harnoncourt die Texte lebendig, ansprechend und packend gehalten - Lesevergnuegen ist garantiert.
Durch ausfuehrliches Quellenstudium und reiche Musizierpraxis untermauert er seine Thesen zum Musikbetrieb. Leider gibt es brauchbare Aufnahmen erst ab dem 20. Jahrhundert - wir werden also nie wirklich wissen, wie sich die Musik von Bach, Mozart, Beethoven etc. zu ihrer Zeit angehoert hat. Neben dem eigentlichen Klangkoerper geht es um Fragen zur Interpretation (zu denen die Schulwerke von C. Ph. E. Bach, Leopold Mozart und J. Quantz herangezogen werden koennen). Darueberhinaus ist auch noch die Aufstellung der Interpreten im Raum (Trennung von Tutti und Solisten, deutsche Orchesteraufstellung mit 1. Geigen links und zweiten Geigen rechts) fuer die Realisierung bestimmter Effekte wichtig. Auch der Raum und seine Akkustik selbst gehoeren letztlich zum "Instrument Orchester".
Harnoncourt raeumt beherzt manches Klischee aus und scheut auch nicht vor heissen Eisen zurueck ("alte Instrumente", temperierte Stimmung, "historische Auffuehrungspraxis, Texttreue, ...).
Da eine Komposition an sich ja nicht durch die vergaengliche Auffuehrung beschaedigt werden kann, ist wohl eine inspirierte "falsche" Interpretation immer einer blutlosen "richtigen" vorzuziehen. So haben z. B. Bachs unvergaengliche Meisterwerke die Zeiten ueberdauert, obwohl (oder gerade weil?) sie zu staubtrockenenen Etueden missbraucht, zum virtuosen Zugabestueckchen degradiert oder "verjazzt" wurden. In jeder dieser Formen (Verformungen?) koennen sie aber ueberzeugen. Richtig geschadet hat ihnen nur die voellige Missachtung vor der Wiederentdeckung durch Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Ein Buch, von Herzen kommend und zu Herzen gehend, das immer noch mehr neugierig macht auf das herrliche Thema Musik und auch dazu anregt, die eigene Meinung wieder mal auf den Pruefstand zu stellen.
Wenn mehr Menschen die Botschaft dieses Buches verinnerlichen würden, dann würde Musik, die ja immer ein Spiegel der Zeit ist in der wir leben, wieder die katharsische Funktion im Leben der Menschen übernehmen können, die ihr inne wohnt.
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