Ebenso wie das Schwanitz'sche Bestseller-Buch, das im Bibelformat Halbwissen vermittelte, ist auch die CD-Edition von "Bildung" durch ihre oberflächliche Kanonisierung einer Kunstform von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dass auf 10 CDs keineswegs "alles, was man hören muss" kompiliert werden kann, ist dabei nur eine beiläufige Feststellung, jedoch werden hier Werke unkomplett dargestellt, die potenziellen Neuhörer werden dazu gebracht, sich einzelne Sätze anzuhören und sich zu sagen: "Ach, so klingt also Schubert. Ach, so klingt die(!) Musik des 20. Jahrhunderts" und vermutlich werden die wenigsten ob der dogmatischen Aufmachung nachher den Eindruck haben, noch nicht einmal an der Oberfläche der musikalischen Vielfalt, die sich durch die Jahrhunderte (und insbesondere im 20.) entwickelt hat, gekratzt zu haben.
Trauriges Fazit: Ein Spielzeug für diejenigen, die einen Menschen danach beurteilen, ob er "Wilhelm Meister" oder die "Buddenbrooks" im Bücherregal stehen hat. Mit Bildung im ursprünglichen Sinne des Wortes hat das nicht viel zu tun.