Musicology ist ein typisches Prince-Album, weil es in keine Schublade passt. Der Meister bedient sich wie immer nach Belieben bei sämtlichen Musikstilen. Es ist auch deshalb typisch, weil der Sound unverwechselbar nur von dem Mann aus Minnesota stammen kann, es jedoch gleichzeitig unendlich viel neues, unbekanntes birgt: Da wären z.B. die nie zuvor gehörten Funkgitarren-Licks auf dem Hardfunk-Track „Illusion, Coma, Pimp & Circumstance", wo man als langjähriger Fan und Klampfer doch dachte man kennt schon alles. Ein wahres Feuerwerk an Innovation, versteckt in einem spärlich instrumentierten Song, handwerklich wie immer perfekt. Solche und ähnliche Feinheiten fällt es auf diesem Album besonders leicht auszumachen, weil es, anders als seine Vorgänger, sparsamer arrangiert ist. Das macht auch den besonderen Reiz der Scheibe aus. Sie mag Menschen , die Musik nur als ganzes zu hören vermögen nur als groovig-schöne R&B/Funk-CD erscheinen. Wer jedoch die einzelnen Instrumente und ihr ausgeklügeltes Zusammenspiel heraushört, erkennt den Geniestreich.
Das Prince auf vielen Songs alle Instrumente spielt und alle Stimmen singt, ist für ihn nicht ungewöhnlich, erwähne ich jedoch um zu unterstreichen, dass v.a. gesanglich hier wirklich meisterliches vollbracht wurde - absolut großartig!
Seine Mitstreiter auf den anderen Tracks sind Candy Dulfer, Maceo Parker, Greg Boyer, Kip Blackshire, Rhonda Smith, John Blackwell, Renato Neto und Sheila E..
Es ist natürlich nicht alles toll an dieser Platte, z.B. „Life 'O' The Party" und „If Eye Was The Man In Ur Life" finde ich nur mittelmäßig, jedoch was bei Prince nur Mittelmaß ist, wäre bei anderen schon das oberste Ende der Fahnenstange.
Meine Lieblingssongs sind "I., C., P. & C." weil es roh und kompromisslos ist (s.o.), „Cinnamon Girl" weil ich die Melodie und die Leadgitarre mag und weil der Text einfach den Punkt trifft, „Dear Mr. Man" funkt, groovet und haut den Bonzen überall auf der Welt auf die blutigen Finger und „Reflection" weil es etwa so ist, wie man dieses Album zusammenfassend beschreiben könnte: Prince drückt durcheinander all das darin aus, was ihn gerade beschäftigt, einfach so - gerade heraus, ohne Kompromisse. KAUFEN!