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Jedes Tönchen zählt: Musk für einen Sommerabend und für den Winter gleich dazu, 4. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Music for a Summer Evening/+ (Audio CD)
Crumb ist Kammermusiker. Für Orchester hat er nur wenig geschrieben, und selten hat er dabei Erstaunliches zuwege gebracht. Insofern sollte man, wenn man Crumb für sich entdecken will, entweder mit "Eleven Echoes of Autumn", dem SQ "Black Angels" oder eben "Makrokosmos" beginnen. "Makrokosmos I und II" sind für elektronisch verstärktes Klavier verfasst und sicherlich ein Meilenstein für die Pianoliteratur seit den 70er Jahren. Mir persönlich gefällt "Makrokosmos III" am besten. In der "Music for a summer evening" entsteht ein Dialog zwischen den mannigfaltigen Klavierklängen (teilweise präpariert) und der Percussion, ohne jemals übermäßig laut oder kakophon zu werden. Es ist größtenteils zurück genommene, entspannte, in sich ruhende Musik, die Witz hat, überraschen kann. Hier wird nicht auf Pauken gedonnert und Rasseln geschüttelt, es sind eher subtilere Klangeffekte, auf die Crumb aus ist. Zum Ende hin will er wohl in Richtung Rennaissance, um schließlich quasi-japanisch abzuschließen. Solche Stilüberschläge haben Crumb schon so manche Kritik eingebracht, aber wer so etwas Originelles und Stimmiges wie "Makrokosmos III" zu Papier bringen kann, den ficht so etwas nicht an. Ebenfalls ansprechend, wenn auch nicht auf dem gleichen hohen Qualitätslevel, ist "A Little Suite for Christmas", das von Crumb-Zweiflern gerne als "Messiaen für Arme" bzw. "für Gestresste" bezeichnet wird. Ja, es gibt gewisse Parallelen zu mehreren Betrachtungen über das Jesukind, und natürlich ist der massive Klavierzyklus des Franzosen nicht die Messlatte, da würde Crumb im vorhinein leer ausgehen. Trotzdem handelt es sich um ein reines, schönes Werk mit einem denkwürdigen Motiv, gehalten in einer Tonsprache, die praktisch jeder verstehen kann. Auffallend ist auch hier ein Hang zur vielleicht etwas zu plakativen Fernöstlichkeit, aber ich kann mir weitaus vordergründigeres vorstellen. Die "Five Pieces", eines der ersten Werke Crumbs, sind etwas zu unverbindlich, beliebig, kaum erwähnenswert.
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Spirituelle Musik, 2. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Music for a Summer Evening/+ (Audio CD)
Wer für zeitgenössische Musik ein offenes Ohr hat, ungefähr eine Ahnung hat, was ihn bei Crumb erwartet, aber diese CD nicht kennt, der sollte sie unbedingt erwerben.
Music for a summer evening ist ein einzigartiges Werk: 2 Pianisten und 2 Percussionisten erzeugen ein Farbspektrum, das schier unendlich scheint. Die kompositorische Dichte ist bestechend, die formale Entwicklung in jeder Hinsicht überzeugend, die Spiritualität dieser Musik, die sich bei Konzerten natürlich besonders gut vermittelt, ist selbst auf dieser CD jederzeit erfahrbar. Außerdem ist die CD ganz vorzüglich eingespielt und aufgenommen. Es war für mich der Beginn meiner Auseinandersetzung mit Crumbs Musik und immer wieder komme ich auf dieses Werk zurück.
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