Das Taverner Consort präsentiert hier Werke, die lange Zeit nur einem erlauchten vatikanischen Kreis zugänglich waren. Höhepunkt ist ohne Zweifel das berühmte "Miserere" von Gregorio Allegri, dessen Noten jahrhundertelang in der Vatikanischen Bibliothek unter Verschluss gehalten wurden, und das Mozart angeblich nach einem Besuch aus dem Kopf notierte.
Wer es in der bekannten Fassung im Ohr hat, wird allerdings zunächst verstört sein: Wo bleibt das gefürchtete hohe C, auf das sich die Soprane immer wieder hochschrauben müssen (was nur den wenigsten mit der notwendigen Leichtigkeit gelingt)? Leider liegt dieser Ausgabe nicht der originale Booklet-Text bei, der damals verriet, dass es sich bei dieser Passage aktuellen Forschungen zufolge um einen editorischen Fehler handelt (!), und weiter, dass sich Parrott für eine Rekonstruktion der Fassungen verschiedener Zeiten entschieden hat. Mit diesem Wissen lauscht man fasziniert, wie der Reichtum der Verzierungen mit jeder Strophe zunimmt. Auch so bleibt die atemberaubende Wirkung dieses Stückes nicht aus. Wer dennoch die konventionelle Fassung bevorzugt, sollte zu den Tallis Scholars greifen, die im Vergleich mit dem Taverner Consort eine noch höhere Homogenität, dafür eine geringere Durchsichtigkeit des Satzes erzielen.
Mit derselben Sorgfalt, Stilsicherheit, aber auch Emphase widmet sich Parrotts Ensemble den anderen Werken wie dem Stabat Mater von Palestrina. Mit Christobal de Morales ist zudem ein Komponist vertreten, der trotz überschwenglicher Pracht leider immer noch im Schatten der großen Renaissance-Meister steht.