Ein Film über die Magie der Musik! Tolles Thema, ich war schon begeistert als ich von dem Film hörte. Der Trailer verspricht dazu noch viel Humor und Tempo. Dann war Filmstart und nirgendwo in meiner Nähe lief dieser Film. Nun aber doch endlich, Arthouse, Original mit Untertiteln, Trailer für den Bob Marley Film und los ging's - wieder einer dieser Filme, bei denen ich das Kino für mich allein hatte. Sehr, sehr schade, denn der Film ist wirklich gelungen!
Gabriel (Lou Taylor Pucci) verliess mit 15 seine Eltern, wollte Musiker werden, statt aufs College zu gehen. Jahre vergingen. Es ist 1986 und Gabriels Eltern, Helen (Cara Seymour) und Henry (J. K. Simmons), 65 erfahren, dass ihr Sohn, inzwischen 35 Jahre alt, im Krankenhaus liegt. Ein Hirntumor hat sein Langzeitgedächtnis offenbar ausgelöscht. Die Musiktherapeutin Dianne (Julia Ormond) versucht mit Hilfe von Instrumenten und Schallplatten Zugang zu ihrem Patienten zu finden. Genau das Gleiche erhofft sich auch sein Vater, der seinen Job als Ingenieur verloren hat und nun nicht nur Zeit für seinen Sohn hat, sondern auch viel mehr Verständnis für ihn als vor Watergate und Vietnam.
Der Film beruht auf einer wahren Geschichte, so steht es im Vorspann. Vor allem ist es ein Film über die Kraft von geliebter Musik (die Marseillaise etwa bedeutet für Gabriel nur etwas, wenn im Anschluss "All you need is love" von den Beatles folgt, eine besonders gelungene Szene im Film). 1950-1970 ist die Zeit, um die es im Wesentlichen in diesem Film geht. Und zwei Songs aus dieser Zeit fassen den Film auch sehr gut zusammen: "Music is love" (David Crosby)
Music Is Love (LP Version) und "Teach your children" (CSN&Y)
Teach Your Children . Buffalo Springfield, Bob Dylan, The Beatles, The Rolling Stones und vor allem Grateful Dead sind die Interpreten, die in The music never stopped eine besondere Bedeutung haben. Aber war die gute alte Zeit nicht vielversprechender, als Bing Crosby die Familienidylle untermalt hat und dem Jungen noch alle Wege offenstanden? Das fragt sich Henry und er macht diese seltsamen Bands für das Unglück seines Sohnes verantwortlich. Allmählich lernen sich Vater und Sohn besser kennen und die Zuschauer erfahren mehr über die Bedeutung des Songs "Truckin"
Truckin'.
Alte Musik, mit denen Orte und Momente des eigenen Lebens verknüpft sind, neue Musik als Jungbrunnen, ein Rückblick auf die Veränderungen der Welt (vor allem der USA) von den 50ern bis in die 80er - das sind die wesentlichen Themen des Films. Eine der lustigsten Szenen, deshalb wohl auch im Trailer vorhanden, ist der etwas wage Wunsch von Henry im Plattenladen: "irgendwas das nach 1958 erschienen und laut ist". Geht's etwas präziser fragt der Verkäufer. Am Ende seiner Reise durch die Welt der Rockmusik weiss es Henry dann besser.
Wer J. K. Simmons als lustigen Nebendarsteller in "Up in the air" und in den Spider-Man Filmen mochte erlebt diesen charismatischen Schauspieler in diesem Film in einer unvergesslichen Hauptrolle.
Anders, ungleich lustiger und eher mit dem Schwerpunkt erwachsen werden ist dieser schöne Film, ebenfalls aus 2012: Young Adult.
Young AdultAm Ende zählt nicht die große Politik, es ist egal ob Ronald McDonald der Name des Präsidenten des Jahres 1986 ist oder ob der nicht doch etwas anders war. Auch ein Nixon ist nicht mehr wichtig und es bleibt doch mehr hängen als Werbesprüche für Cola. Die Familie ist wichtig, sie bleibt, ebenso wie die Musik. Ein sehr berührender, nicht unbedingt durchgängig lustiger, aber sehr einfühlsamer Film!
4,5 Sterne
Laufzeit: ca. 105 Minuten, Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Bild: 16:9 anamorph - 2.35:1, Regie: Jim Kohlberg, Extras: Deleted Scenes, Interviews, Audiokommentar mit Regisseur Jim Kohlberg, USA 2012