Aus der Amazon.de-Redaktion
Music for Men, das neue Album von Gossip ist einfach zum Küssen. Sängerin Beth Ditto ist erfrischend originell und ein wahrer Rohdiamant, was auch das Stakkato-Rhythmus-Intro „Dimestore Diamond“ auf den Punkt bringt. Das Big Girl powert sich durch 12 Songs, allesamt vom Erfolgsproduzenten Rick Rubin mit Understatement so umgesetzt, dass Roh- und Feinschliff sich die Balance halten. Dittos Texte sind realistisch und komisch zugleich, fernab der Glamourwelt singt sie, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Aus dem kommt ein lautes Organ, Klartext auch im Gesang, bei dem sie sich weder um Stilarten noch um Styling bemüht, sondern nur authentisch loskreischt, röhrt und brüllt und mit frechen Schlenkern auch den Pop nicht links liegen läßt. Jeder Song ist eine eigene Geschichte, ein eigenes musikalisches Patchwork und trotz vieler Referenzen immer der unmissverständliche, selbstbewusste Hinweis „Ich bin das Sprachrohr meiner Generation“, siehe das minimalistische „8th Wonder“ oder das ekstatische „Pop Goes The World“.
Die temperamentvolle Single „Heavy Cross“ mit experimentierfreudiger, ungestümer Popmelodie klingt mit dem Pfeifen so, als würde man als Kind im Wald die Angst verjagen. Soul und R‘n‘B, New Wave und Punk und dazwischen eine Elektro-Ballade wie „Love Long Distance“ oder den Genre-Mix beim Gender-Titelsong „Music for Men“ - die Band verbreitet mit Leidenschaft und einer Prise Selbstironie durchwegs gute Laune. Gossip ist Musik für die Krise - der Tanz auf dem Finanz-Vulkan. Gossip = Klatsch. Und Klatsch gibts hier nur musikalisch vom Besten - laut, lustig, unbefangen, ungebremst bis unverfroren. Gleich nochmal hören, am besten den Ohrwurm „Four Letter Word.“ - Ingeborg Schober
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Der Erfolg ist programmiert. Seit Jahren kann kein Club auf die Gossip-Hymne "Standing in the Way of Control" verzichten, und so ziemlich jeder Indiefan wartet sehnsüchtig aufs neue Album des Queerpoptrios aus Portland. Als neue Muse von Karl Lagerfeld und Nacktmodel in Trendmagazinen hat die übergewichtige Frontfrau Beth Ditto zuletzt sogar die Leser der Klatschpresse angefixt. Da ist es umso entschuldbarer, dass Gossip jetzt an den Vorgänger anschließen und sich die Innovationen auf dem von Rick Rubin produzierten Album eher im Detail abspielen: Bei "Dimestore Diamond" überrascht Ditto mit bluesigem Gesang, und "Pop goes the World" schmuggelt einen Sambabeat ein. Wenn jetzt auch auf dem Laufsteg, im Radio und in den Charts zu hören ist, dass herkömmliche Schönheitsideale ausgehebelt gehören, feministische Positionen weder veraltet noch überflüssig sind und gleichgeschlechtliche Liebe gefeiert gehört, macht Gossips bewährter Mix aus Disco und Punk umso mehr Spaß. Die Single "Heavy Cross" wird "Standing in the Way of Control" in den Clubs ablösen, doch die Hitdichte auf "Music for Men" ist so hoch, dass dies auch fast jedem anderen Song gelungen wäre. Ein besserer Soundtrack zum Schwitzen ist diesen Sommer nicht zu haben. (cs)
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GOSSIP MUSIC FOR MEN