Sechs Jahre nach der ersten Folge von „Music for a darkened theatre“ mit musikalischen Highlights von Starkomponist Danny Elfman („Batman“, „Mars Attacks“) war es einfach unumgänglich eine Fortsetzung folgen zu lassen, denn die Musik des einstigen „Oingo Boingo“-Frontmannes hatte sich gewandelt.
Während seine frühen Soundtracks durch verspielt düstere Arrangements glänzten, arbeitete Elfman zu späteren Zeiten ebenso an melodramatischen und bombastischen Partituren. Seine Kompositionen zu Edward mit den Scherenhänden, welche die CD eröffnen, sind von so einer düster-poetischen Breite, dass sie den Film selbst an Qualität bei weitem übertreffen – schon das ein Wunder, da der Film von Elfman’s langjährigem Freund Tim Burton ein großartiges Meisterwerk ist! Kaum ein Thema ist so mitreißend wie das „Grand Finale“ und daher ist auch nicht verwunderlich, dass dieser Score zu Elfman’s und vieler anderer Leuts persönlichem Favorit zählt.
Ruhiger geht es da ebenso mit „Dolores Claiborne“ weiter. Der Regisseur forderte zu seinem ungewöhnlichen Film einen ebenso ungewöhnlichen Score – und Elfman hat ihn nicht enttäuscht. Hier merkt man typische Elemente seiner Musik, eine Intensität wie sie nur Elfman zu Gehör bringt. Übrigens – die rund 12-minütige Suite entspricht in etwa auch der CD-Version!
Anschließend merkt man wieder die Spiellust Elfman’s aufkommen. Das Schizophrenie-Drama mit Nicole Kidman untermalt er so fantasievoll wie eh und je. Sein Mix aus schrillen E-Gitarren und weichen Orchesterklängen bei den „Main Titles“ ist schon surreal genug, doch die lustige Chorpassage, wie das traurige Thema mit Solostimme und singender Säge runden die ganze Sache ab.
Als Einzel-CD nicht mehr ohne weiteres erhältlich folgt anschließend „Black Beauty“, ein Score wie ein schwarzer Hengst: wild, ein bisschen verrückt und romantisch. Noch Fragen?
Um diese CD gelungen abzuschließen setzt Elfman noch eins obendrauf: man merkt wieviel Spaß es ihm gemacht haben muss, wieder in die bizarre Welt von Batman einzutauchen. „Batman Returns“ mixt alles das zusammen, was ein Fan von dem Duo Elfman/Burton erwarten darf. Fast ganze 16 Minuten orgelt’s, singen Chöre wehleidig ihre Melodien und unschuldige Glockenspiele spielen, dass die Gänsehaut gefriert.
Nach dieser reifen Leistung der ersten CD, vor der viele Komponisten blass werden müssten, geht es leider auf der zweiten Seite etwas ungesitteter zu, also nicht unbedingt etwas für Freunde der sanften Musik.
Schon zu Beginn setzt es ordentlich was auf die Ohren: „Mission: Impossible“ heißt es da, und wie! Die modernen Drums eines Danny Elfmans, wie er sie neuerdings in Planet der Affen eindrucksvoll zeigte, klingen schon hier an. Leider ist der Anfangstitel „Trouble“ für diese CD unverständlicherweise etwas gestutzt worden. So besteht dieses Stück aus Teilen des „Main Title“ und des so benannten Themas „Trouble“ gegen Ende des Filmes. Gegen diese Kombination wäre ja nichts einzuwenden gewesen, jedoch das Ausklammern des Mission:Impossible – Themas von Lalo Schifrin ist leider etwas betrüblich. Das Stück „Betrayel“ entschädigt allerdings dann für vieles, doch wer sein Augenmerk auf diesen Filmscore gelegt hat, sollte sich doch wirklich das Originalalbum kaufen.
Die „Sommersby“-Suite ist wunderschön, eben –wie Elfman selber schon sagt- genau das, was er mag „ruhig und düster ... und zuguterletzt - Spaß!“
Wie schon vorher erwähnt, nix für zarte Seelen: „Dead presidents“ – die Vertonung des Skandalfilms geriet ebenso hart und erschreckend, wild durcheinander so scheint’s wird getrommelt, gezirpt und gesungen. Nur leise, groovig coole Fill-Ins kühlen das feurige Durcheinander etwas ab. Wer’s mag, wird’s lieben!
Leider wieder etwas enttäuschend ist die Zusammenstellung der Stücke zu „Nightmare before Christmas“. Keine einziger Song aus dem Film wurde auf diese CD gepackt. Zwar sind auch die Instrumentals genial, aber man erwartet doch irgendwie die Stimme des Pumpkin-King Jack Skellington oder des bösen Oogie-Boogie! Aber da ist ja noch ein kleines Geheimnis ...
„Freeway“ ist nun wirklich Geschmackssache: Der improvisierte Score zu einem so kranken Film ist so umwerfend durchgeknallt, dass man mit jeglicher Logik außen vor bleiben sollte. Wer hier die Nase rümpft, hat vielleicht sogar Recht ... aber sicherlich keinen Sinn für Humor.
„Shrunken heads“- eine Arbeit für seine Bruder, das kann ja schon nix werden! Nich’ so die Krönung, aber dennoch ganz nett anzuhören.
Wer bisher den Charme der ersten CD jedoch noch vermisst hat, kommt nun wieder voll auf seine Kosten. In seinen TV-Odds and ends ist er wieder voll in seinem Element und verspielt wie eh und je. Jedes Stück für sich hat seinen eigenen Charme und ist ein mehrmaliges Hören ohne Frage wert. Besonders schön ist ein Wiedertreffen auf einen alten Bekannten – Pee Wee! (Pee Wee war Elfman’s erste Filmmusik-Erfahrung . Auch Akte-X-Star Mark Snow komponierte Spaßiges für diese Kultserie.)
Und nun das Geheimnis, ein Juwel aus Elfman’s Schatzkiste: „This is Halloween“ Original Demo Tape everything performed by Danny Elfman! Wie er schon selbst sagt: „Silly? Yes.“
Alles in allem kann man sagen, dass es eine der besten CD’s ist, die es überhaupt auf der ganzen Welt gibt. Ok, natürlich bin ich als hartgesottener Fan etwas parteiisch, aber wer kann sich dem Bann einer solch faszinierenden Musik schon wirklich widersetzen? Selbst die Toten stehen für ein solches Knochenkonzert aus ihrer Gruft auf und klappern fröhlich mit (eine kleine Anspielung auf Dead Man’s Party!)
Abgesehen von der Musik sei auch übrigens auf das schöne Artwork hingewiesen; die kleinen Zitate Elfman’s zu seinen Scores sind äußerst interessant.
Da kann man doch nur sagen: Mach’s noch einmal, Danny!