Im Originaltitel heißt das Buch "The Seduction of Mrs. Caine" - also die "Verführung" der Hauptfigur Polly Caine, und dieser Titel trifft es eher als das deutsche "Muschelherz", auf das man als Übersetzer auch erstmal kommen muss...
Das Buch ist stellenweise ganz witzig; einige Kommentare der Protagonisten sind amüsant-ironisch und wortspielerisch zu lesen. Aber insgesamt sind die Charaktere sehr platt gezeichnet. Man darf das Buch nicht ernsthaft zu lesen versuchen; die Lebensgeschichten irischer Frauen, die sich emanzipieren wollen, schrammen anscheinend oft haarscharf an der Grenze zum Wahnsinn entlang (siehe auch die tolpatschigen und scheinbar ach so witzigen Erzählungen einer Marian Keyes oder die grausig-romantischen Storys einer Maeve Binchy), und man kann sich im abgeklärten und säkularisierten Deutschland schlecht vorstellen, dass die katholische Kirche bzw. der Staatsapparat im Irland des 21. Jahrhundert derart massiv die Ehe (oder eben: Nicht-Ehe) eines Paares dominieren, wie das im Buch beschrieben wird. Und man kann sich hierzulande auch schwer vorstellen, dass es im Irland der Neuzeit tatsächlich sowohl von diesem Paar selber als auch von der Umgebung als "Makel" empfunden wird, nicht "klassisch-irisch" verheiratet zu sein. Das irische Eherecht mutet den deutschen Leser doch reichlich seltsam an, aber nur vor diesem Hintergrund kann man das Buch überhaupt annähernd ernstnehmen.
Die Hauptfigur Polly ist unglaublich naiv gezeichnet - dabei ist sie nicht mal besonders freundlich! Die Sprache des Buches ist flüssig und gut zu lesen - leichte Lektüre, allerdings rein sprachlich nicht gänzlich ohne Anspruch.
Kurz gesagt: Ein Buch, das einen bzgl. der Ehemodalitäten in Irland staunen und schaudern lässt, und das ansonsten ganz gemütlich an einem Nachmittag runterzulesen ist. Das Buch ist: Nett! Und man hat es schnell wieder vergessen!