Das ist der beste Film mit Charles Bronson, den ich kenne. Und ich kenne ihn relativ gut - bis dato habe ich ihn viermal gesehen. Ein fünftes Mal folgt bestimmt.
Ich bin kein großer Freund von Actionfilmen. Handelsübliche hard boiled Krimis, Science Fiction oder Horrorstreifen - eimerweise Kunstblut, blöde Sprüche und jämmerliche Schauspieler - sind für mich Zeitverschwendung. Meine Vorlieben liegen bei Klassikern des Film Noirs, bei Autorenfilmern wie Woody Allen oder John Cassavetes, Franzosen à la Truffaut und Lelouch, beim Animé aus Japan z.B. von Studio Ghibli, usw.
Aber "Murphys Gesetz" von 1986 ist ein erstklassiger Thriller und jenseits seines Unterhaltungswerts an einem verregneten Nachmittag grundsätzlich ein sehenswerter Film. Warum ich das denke?
1. J. Lee Thompson: Viele kennen den Regisseur nur aus seiner Spätphase, als er in Kollaboration mit Charles Bronson die B-Vehikel für den in die Jahre gekommenen Actionstar abdrehte. Aber Thompson, Engländer, begann seine Karriere, in den Fünfzigern und stieg in die Liga der Hollywoodregisseure auf. "Tiger Bay" (UK 1959) und "Cape Fear" (= "Ein Köder für die Bestie") (USA 1962) sind Meilensteine der Filmgeschichte. Nicht zuletzt Thompson veredelt den B-Standard von "Murphys Gesetz" mit exzellentem Schnitt, tollen Locations, sehr guten Nebendarstellern, etc. Hier stimmt einfach alles!
2. Jack Murphy: Der Protagonist des Films (Charles Bronson) ist ein Cop in L.A. und ein Loser wie aus einem Film Noir. Seine Frau hat ihn verlassen, seine Kollegen verachten und piesacken ihn, sein Chef zeigt ihm die gelbe Karte, denn er ist alkoholabhängig und in der Eröffnungsszene des Films fährt eine junge Autodiebin (Kathleen Wilhoite) seinen Wagen zu Schrott. Willkommen im richtigen Leben! Noch bevor Joan Freeman (Carrie Snodgress) auftaucht, um Murphys Leben vollends aus den Fugen zu hebeln, ist er schon weit unten. Jack Murphy ist kein vielschichtiger aber ein gebrochener Charakter, den Bronson als Darsteller (mit seinem begrenzten Repertoire) souverän in Szene setzt.
3. Kathleen Wilhoite: Ein amerikanischer Rezensent merkte an, sie sei "the movie in Murphys Law" und da ist was dran. Mit viel Verve bringt Wilhoite als Arabella McGee in der Beziehung zu Murphy/Bronson eine Chemie zum Tragen, die von bissigem Humor und sexueller Spannung gezeichnet ist. Es gibt grandiose Szenen zwischen den beiden, die zum Lachen reizen und teils eine aufgefächerte Klaviatur der Emotionen anschlagen. All das gelingt der damals 22jährigen - Charles Bronson war 65! -scheinbar ohne Mühe. Es macht den Film leichter und verleiht der Tour de Force des ungleichen Duos zudem Überzeugungskraft. Wer sich nicht an der extrem derben Sprache und am teils absurden Geschehen stört, findet eine Matrix für jenes biestige Vergnügen, das dem Cineasten das höchste ist. Ich für meinen Teil habe "Murphys Gesetz" deshalb besonders genossen.
4. Schauspieler: Lawrence Tierney, legendäre Figur aus den Film Noirs "Dillinger" (USA 1945) und "Born To Kill" (USA 1947), hat einen Cameo-Auftritt. Carrie Snodgress (als Joan Freeman) hebt mit ihrem exquisiten Schauspiel den Film auf eine andere Ebene - sie ist vielseitig und beängstigend überzeugend in ihrer Rolle... Richard Romanus ist als Mafia-Boss Frank Vincenzo perfekt gewählt; Bill Henderson setzt als Murphys einziger Freund aus "alten Tagen" seinen Auftritt gelungen in Szene. Die Riege dieser Darsteller ist im Kontext lückenlos stimmig.
Ich genoss den Film zweimal auf Deutsch, zweimal auf Englisch. Wer die deutsche Synchro wählt, ist mit den Tiraden von Schimpfwörtern aus dem Mund Arabellas immer noch gut bedient. Die Übersetzer gaben sich redlich Mühe... Ich sah ansonsten mit Charles Bronson "Kalter Hauch" (1972), "Nevada-Pass" (1974), "Telephone" (1977) und "Caboblanco" (1980). Keinen von denen muss man gesehen haben, "Murphys Gesetz" dagegen schon. "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968) lasse ich außen vor - der spielt in einer anderen Liga.
Die MGM-DVD von "Murphys Gesetz" - alt oder neu! - ist mit 96 Minuten Spielzeit tatsächlich ungekürzt, bietet reichlich Sprachen und Untertitel, dazu ein sauber restauriertes Bild im Originalformat Widescreen 16:9. Extras gibt's keine, aber man vermisst sie bei diesem Film eh nicht.
Lange Rede, kurzer Sinn: ein gutes Produkt, ein toller Film. Ich freue mich schon jetzt aufs Wiedersehen.