Auf solch einen Helden haben wir alle gewartet: Victor – nomen est omen – eine Mischung aus Rambo, Rammler und Rimbaud, nahkampferprobter Ex-Söldner, allzeit bereiter Frauentröster und Feingeist, der uns mit seinem Montblancfüller pseudophilosophisch die Welt erklärt und ebendiesen auch zielgenau in der Halsschlagader eines feindlichen Bodyguards versenkt. Nebenbei outet er sich als Liebhaber seiner Mutter (muss in der Mitte des Romans erschüttert erfahren, dass er mit ihr eine totgeborene Tochter hat) und Mörder seines Vaters (muss im letzten Viertel des Romans zerknirscht erkennen, dass dieser ihn beim Verkehr mit seiner Mutter heimlich gefilmt hat) , wird egal ob in Ghana oder Deutschland bei jeder Malariaattacke von appetitlichen Damen aufgepäppelt und an seiner besten Stelle fit massiert. Die einzige Barbie, die ihn auf seiner virilen 575seitigen Tour de Force hat abblitzen lassen, weil lesbisch, bittet ihn am Ende dann doch noch um eine Samenspende. Mannhaft schlägt er das Angebot jedoch aus, da er mittlerweile eine Ghanaerin, Tochter des Mörders seiner Mutter, geschwängert hat, damit seine Gene doch noch der Nachwelt erhalten bleiben. Verwirrend und unglaubwürdig? Oder ist der Handlungsstrang doch etwas zu verkürzt dargestellt? Richtig, ich vergaβ: Angetrieben wird unser omnipotenter Afrikana Jones von der Suche nach einem angeblich verschollenen Stummfilm F.W. Murnaus. Selbstverständlich wird er in kürzester Zeit fündig, übersteht dabei etliche seitenfüllende Abenteuer und rechnet im unausweichlichen Showdown sowohl mit dem Mörder seiner geliebten Mutter als auch mit deren Auftraggeber ab. Neben viel homoerotischem Geschwurbel bringt Blettenberg mit schlafwandlerischer Leichtigkeit noch die Geschichte des Stummfilms und der Aviatik unter, flechtet die Biographien von Murnau und Hannah Reitsch und Jerry Rawling ein, lässt auch die Geschichtsschreibung Ghanas nicht aus, streift die deutsche Kolonialgeschichte, schlägt den Bogen zu und die Verbindung zwischen Logen, Satanismus, Hexenkult und Voodoo und erklärt uns auch noch beiläufig die interkulturellen Unterschiede zwischen Afrika und Europa. Und fast hätte ich es vergessen: jede Menge vage Globalisierungs-, Gesellschafts-, Zivilisations- und Religionskritik schwingt auch noch mit. Und tolle Sätze, die sich einem einbrennen, wie „Glaube, was du willst, aber mach keine Religion daraus!“. In diesem Sinne möchte man dem Autoren zurufen: „Erlebe, was du willst, aber mach keinen Roman daraus!“ Wer diese 576 Seiten hinter sich gebracht hat, wird sich nach einem metapherfreien, nüchternen Sachbuch sehnen.