Monsieur Poirot befindet sich auf der Rückreise von Bagdad nach London, will in Istanbul in den Orient-Express einsteigen und erlebt die erste Überraschung dieser Reise: Der Kurswagen ist komplett ausgebucht, und das zu dieser Jahreszeit! Da auch der Direktor der Wagon-lit zufällig anwesend ist, findet sich aber doch noch ein Bett.
Der erste Tag verstreicht ereignislos, Poirot hat Zeit genug, seine Mitreisenden zu beobachten: Einen ungarischen Diplomaten mit seiner schönen Gattin, eine nervtötende Amerikanerin, eine leicht beschränkte schwedische Missionarin, die extravagante Gräfin Dragomiroff und ihre grundsolide deutsche Zofe, einen temperamentvollen italienischen Autohändler, einen leicht ordinären amerikanischen Handelsreisenden und den undurchsichtigen Mr Ratchett mit Sekretär und Kammerdiener. Die junge energische Lehrerin Miss Debbenham und den bis ins Mark britischen Oberst Arbuthnot hat er schon auf der Fahrt von Bagdad nach Istanbul kennengelernt.
Doch am zweiten Tag ändert sich die Lage: Der Zug ist im Schnee steckengeblieben und: Mr Ratchett wird erstochen aufgefunden. Zwölf Messerstiche, einige kraftvoll, andere kaum Kratzer, der oder die Täter waren zugleich Links- und Rechtshänder, und bemerkenswert viele widersprüchliche Spuren liegen in Ratchetts Abteil herum. Poirot erinnert sich, dass er in der Nacht mehrmals durch alle möglichen Geräusche gestört wurde, und an eine unbekannte Dame im Kimono, die er aber nur von hinten gesehen hat.
Zunächst einmal findet Poirot das einzige Indiz in Ratchetts Abteil, das dort bestimmt nicht zur Irreführung zurückgelassen wurde. Bald weiß er, dass der Ermordete wenige Jahre zuvor ein kleines Mädchen entführt und ermordet hat, und dass im Zusammenhang mit diesem Verbrechen eine ganze Familie zugrunde ging.
Der Zug ist eingeschneit, im Schnee vor dem Fenster sind keine Spuren zu erkennen. Der Täter muss sich also noch in diesem Schlafwagen-Waggon befinden. Aber wer ist der Täter? Alle Reisenden haben für die Tatzeit ein Alibi, aber alle machen sich auch verdächtig. Nach und nach findet Poirot heraus, dass nicht nur der erstochene Ratchett nicht der war, für den er sich ausgab; jeder seiner Mitreisenden hat eine Vergangenheit...
Ein vertrackter Fall, wie geschaffen für Poirots kleine graue Zellen, die ihm auch diesmal wieder streng logisch all die Fäden entwirren und ihn alle Finten durchschauen lassen.
"Murder on the Orient Express" ist nicht umsonst einer der berühmtesten Krimis von Agatha Christie, die diesmal ihre Leser auf besonders auserlesenen Holzwegen tappen lässt -- bis Poirot mit der überraschend einfachen Lösung des Falles aufwartet.
Sollte man noch erwähnen, dass Agatha Christie auf die Idee zu diesem Roman kam, als sie selber bzw. "ihr" Orientexpress 1928 in Nordgriechenland im Schnee feststeckte, und dass sich unter den Fahrgästen u.a. ein ungarischer Minister mit seiner Frau, ein leitender Angestellter der Waggon-lit und eine russische Großfürstin im Exil befanden? Eine hübsche Anekdote ist's jedenfalls.