Cohens historische Reportage ist von der typisch amerikanischen Faszination für das großstädtische Gangstertum des frühen 20. Jahrhunderts geprägt. Statt aber, wie üblich, auf die italienische Mafia abzuzielen, beschäftigt er sich, einer persönlichen Beziehung folgend, mit deren jüdischen Verbündeten. Dies Buch bietet also nicht nur ein interessantes Panorama der amerikanischen Kultur, sondern auch die Vorgeschichte zum Aufstieg der jüdischen Community nach dem Zweiten Weltkrieg, wie der Autor selbst deutlich macht. Dabei wird aber der Schwerpunkt nicht auf deren wohl bedeutendste Figur, Meyer Lansky (einer der wenigen bedeutenden jüdischen Kriminellen, denen ein langes Leben beschieden war), gelegt, sondern auf die Brooklyner Killertruppe, die dutzende Auftragsmorde erledigte und auf Louis Lepke, dem einzigen zum Tode verurteilten Gangsterboss in der Geschichte der USA.
Der Autor spart nicht mit der Darstellung von Gewalt, übertreibt es aber auch nicht. Eine Geschichte hätte sich durchaus in Pulp Fiction wiederfinden können (die Bonny Situation), findet aber ein absolut grausig-brutales Ende. Cohens Assoziationen sind meistens hervorragend und verblüffend, die Darstellung der möglichen Überlegungen der Gangster sind nachvollziehbar und wirken nicht gekünstelt.
Cohen betont, er würde das Leben diese Männer nicht verherrlichen wollen. Wahr ist das schon, aber mit seiner halben Bewunderung hält er sich ehrlicherweise auch nicht zurück. Der Grund hierfür findet sich in der Gleichzeitigkeit der historischen Ereignisse. Denn während sich in Europa friedfertige und gelehrsame Juden dem Vernichtungsfeldzug der Nazis nicht widersetzten, machten in Amerika die jüdischen Kriminellen die Gegend unsicher und lebten ihre rigide, wenngleich kaum zukunftsfähige Moral. Leider verfällt Cohen darauf, in fast jedem Kapitel auf diesen Vergleich zurück zu kommen, sodass man diese Melodie am Ende schon nicht mehr hören kann.
Kurz: Es ist ein streckenweise sehr gut geschriebenes Buch, mit ein paar Schwächen. Wer mehr über die Geschichte Nordamerikas erfahren will, ist hier wirklich gut bedient!