Drei Jahre dauerte es, bis man nach den Krachern "The Infamous" und "Hell On Earth" wieder etwas von Mobb Deep zu hören bekam. "Murda Muzik" heißt ihre Platte von 1999, bei der sich natürlich viele die Frage stellen, ob das Stück mit den fast schon unübertreffbaren Vorgängern mithalten kann. Wie gewohnt produzierte Havoc fast die komplette Scheibe, aber auch The Alchemist und Down South Producer T-Mix, den man eher von neueren Cash Money Alben kennt, durften mal ran. Lyrisch geht es wie so oft um die schlechte Welt, die Wege Cash zu machen und das weibliche Geschlecht, also keine großen Entwicklung, aber wer will das auch schon?
Mit "The Streets Raised Me" beginnt "Murda Muzik" etwas zurückhaltend, melancholisch und sehr gefühlvoll, was dunklen Beats und einer schlichten Klaviermelodie zu verdanken ist. Neben den Jungs vom Mobb ist auch Langzeitfeature Big Noyd mit dabei, genau wie Sängerin Chinky, die noch etwas R'n'B mit einfließen lässt. Dem folgt mit "What's Ya Poison" zusammen mit Cormega einer der besten Tracks der Platte. Erneut bekommt man eine drückende Bassline gepaart mit Piano geboten, diesmal klingt es jedoch stark und leicht aggressiv, dazu passend die etwas bissigeren Rhymes von Havoc und Prodigy. "Spread Love" klingt alles andere als lieblich, sondern donnert düster auf einen zu, kann auch eine gewisse Dramatik nicht verbergen. Zum ersten Mal rappen Mobb Deep hier alleine, was doch etwas besser kommt als mit Gästen.
Eine etwas ruhigere Phase schließt mit "Let A Ho Be A Ho" und "I'm Going Out" (feat. Lil' Cease) daran an, wobei besonders das zweite mit seinen düsteren Klängen und seiner Dynamik punkten kann. Das mit Orgel gestaltete "Allustrious" bringt aufgrund dieses Instruments eine bedrückende Friedhofsstimmung mit, die Raps kommen dazu wie am Fließband, besonders die Ausrufe "We allustrious, ashes to ashes and dust to dust" und "We infamous, ashes to ashes and death through us" verstärken das Feeling ungemein. Der geniale Style der beiden Vorgänger wird mit der Bombe "Adrenaline" wieder etwas aufgerollt. Schlichte, jedoch düstere Beats und unheimliche Hintergrundklänge - einfach, aber sehr wirksam. P's Stimme ist hier wieder wie dafür gemacht, doch auch sein Partner Havoc fügt sich wie immer gut ein.
"Where Ya From" bringt etwas Südstaaten-Blues mit ein, ist daher auch etwas entspannter, sehr melodisch und hat guten Groove, ohne dabei Fehl am Platz auf einem Mobb Deep-Album zu wirken. Auch die MCs lassen es hier etwas entspannter angehen, Highlight dürfte der grandiose Auftritt von 8Ball sein. Allein schon der Name "Quiet Storm" klingt großartig, das Lied noch besser. Der Mix aus Piano und wummerndem Bass wirkt hier sehr unheimlich und geheimnisvoll, einfach ein Song der einen in seinen Bann zieht, auch wenn er etwas unbehaglich ist. Am Ende von "Murda Muzik" gibt es auch noch einen Remix dazu, der sich bis auf den Auftritt von Lil' Kim nicht großartig vom Original unterscheidet. Etwas traurig und wieder sehr ruhig ist "Where Ya Heart At" gehalten, bei dem im Hintergrund noch etwas gefidelt wird, was etwas Mafia-Style mit einbringt, die Akustikgitarre im Vordergrund sorgt für etwas Emotion.
"Can't Fuck Wit" ist etwas moderner und elektrischer, pumpt energiegeladen und featured nebenbei noch Wu-Tang MC Raekwon. Was meiner Meinung nach "Murda Muzik" von den vorherigen Alben sehr unterscheidet ist, dass einfach das gewisse Etwas fehlt, das einen packt und in Erfurcht vor dem düsteren Gesamtbild versetzt. Hier ist die Qualität zwar auch durchgehend hoch, aber Songs wie "Thug Muzik", "Murda Muzik" oder "U.S.A. (Aiight Then)" bleiben einfach nicht im Kopf hängen oder gehen einem wirklich nahe, auch wenn sie zweifelsohne gut sind. Etwas besser gelang das bei "The Realest", dessen Produktion zwar auch nicht so berauschend ist, dafür schafft es Altmeister Kool G Rap einen mit seinen Rhymes in seinen Bann zu ziehen. Die erfolgreichste der vier Singles findet man mit "It's Mine" ganz am Ende. Es ist untypisch für Mobb Deep. Sehr melodisch, noch dazu im freshes 80er Jahre Flair, das etwas an "Scarface" erinnert. Etwas überraschend ist wohl der Auftritt von Nas, der im Rhythmus von "The Boy Is Mine" den Hook performt, klingt aber gut, genau wie die Raps der drei.
Im Gegensatz zu "The Infamous" und "Hell On Earth" packt mich "Murda Muzik" nicht immer, allerdings muss man auch zugestehen, dass es äußerst schwierig ist diesen Erfolg zu wiederholen, ohne sich dabei selbst zu kopieren. Mobb Deep bieten hier zwar nichts völlig Neues, eine Entwicklung ist dennoch zu spüren. Fans der Jungs aus Queens werden die Platte garantiert schon haben, diejenigen die es noch werden wollen können aber auch beherzt zugreifen.