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9
4,1 von 5 Sternen
Munzinger Pascha: Roman
Format: Kindle EditionÄndern
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am 18. März 2005
Die Geschichte von Werner Munzinger, einem gutbürgerlichen Ministersohn im 19. Jahrhundert, den die Langweile und Dekadenz in den heutigen Sudan treibt, verwoben mit der Geschichte von Max Mohn, einem ziellosen Journalisten in der Schweizer Kleinstadt Olten. In seinem Debutroman beweist Capus bereits mit großer Raffinesse sein Talent dafür Reales mit Fiktionalem zu verweben.
Detailverliebt wird die Geschichte von Werner Munzinger erzählt, der, von einer französischen Handelsfirma eingestellt, deren Geschäfte am Horn von Afrika optimieren soll. Im Zuge dieses Berufs verliebt er sich in eine Eingeborene und steigt stetig immer mehr zum Vertrauensmann für Europäer und Afrikaner auf, bis er vom ägyptischen König zum Pascha über die Provinz Abessinien ernannt wird.
Ganz anders hingegen Max Mohn, der in einer zerrütteten Ehe lebt, mit seinem Job unzufrieden ist und dessen Höhepunkte im Leben die nächtlichen Besuche in der Stammkneipe und die dort ewiggleichen Gespräche sind. Auch er ist verliebt, allerdings in die geheimnisvolle Polja, von der man nichts Genaues weiß und die mit dem Motorrad die friedlichen Bürger des Ortes aus dem Schlaf weckt. Dann aber entdeckt Mohn die Geschichte von Munzinger, entschließt sich kurzerhand nach Kairo zu fliegen und entdeckt dort die Korrespondenz von Munzinger und dem Kaiser Ismael. Diese Briefe werden zu einem tragenden Bestandteil der gesamten Geschichte, Munzingers Leben wird von dritter Hand weitererzählt, der Erzähler fügt zu diesem Mosaik fehlende Stellen hilfreich hinzu, bis am Ende sowohl für Munzinger Pascha, als auch für Max Mohn alles einen anderen Weg einschlägt, in den weder sie, noch der Erzähler einzugreifen vermag.
Der Roman ist durchsetzt mit real anmutenden Passagen, die wirklichkeitsgetreu erzählt werden und ebensolchen, die zwar vorgeben real zu sein, aber klingen, als wären sie aus einer Legendensammlung entnommen. Munzinger, und ihn hat es tatsächlich gegeben, wird mit fortlaufender Handlung immer abenteuerlicher, immer unwirklicher, mutiert zu einem Kinohelden, während der fiktionale Mohn in seiner Welt gefangen ist, von der man Traum und Wirklichkeit nur schwer unterscheiden kann.
Am Ende zieht Alex Capus sein Resümee, schildert die Schwierigkeiten der Recherche, die Zwiespältigkeit der Angaben, die mühsame Arbeit alle Mosaiksteine zusammenzufügen und gesteht, dass manche dann auch unter den Tisch gefallen sind. Diese Ehrlichkeit zur Unvollständigkeit gibt dem Buch einen besonderen Glanz, den es aber auch so schon gehabt hätte.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Nach der begeisterten Lektüre von Capus' Eine Frage der Zeit", sollte mir Munzinger Pascha", das 1997 erschienene Debut des Schweizers, ein ähnliches Lesevergnügen bescheren. Dieser Wunsch wurde allerdings nur zum Teil erfüllt.

In zwei Erzählsträngen verwebt der Autor die abenteuerliche Lebensgeschichte von Werner Munzinger mit der des Oltener Lokalreporters Max Mohn.

Werner Munzinger, Sohn des schweizerischen Finanzministers, zieht es 1852 nach dem erfolgreichem Studium der Naturwissenschaften, Geschichte und Orientalistik aus dem heimatlichen Olten an das Horn von Afrika, in die Gegend des Sudan, Eritreas und Äthiopiens. Neben wissenschaftlichen Expeditionen, betätigt sich Munzinger dort als Leiter einer Handelsexpedition und Konsul. 1865 nimmt er dann als Berater der britischen Militärexpedition gegen den äthiopischen Kaiser Theodor II. teil. 1871 ernennt ihn dann Ismail Pascha., der Khedive von Ägypten, zum Gouverneur von Massawa und schließlich 1872 zum Pascha und Generalgouverneur des östlichen Sudan. Als solcher fällt Munzinger dann 1875 in einer Schlacht mit Truppen des Sultan von Awsa.

Alex Capus versteht es, das abenteuerliche Leben Munzingers, in einer von Europäern zu dieser Zeit kaum bereisten Gegend, anschaulich und spannend zu schildern. Wohingegen der zweite Erzählstrang, um den mit seinem Leben unzufriedenen Journalisten Max Mohn, der an einer Schreibblockade leidet und zufällig auf den Namen des prominenten Olteners Werner Munzinger stößt, erstaunlich oberflächlich bleibt. Mohn gibt sich einem Impuls hin und reist für einige Tage nach Kairo, um Recherchen über den ehemaligen osmanischen Statthalter einzuholen. Während Munzinger allerdings völlig aus seinem bisherigen Leben ausbricht und letztlich auch sein Ende in der afrikanischen Fremde findet, zieht es den Lokalreporter, anscheinend aufgrund der Bekanntschaft mit einer nur sehr Frau schnell wieder in die heimische Schweiz.

So eindrucksvoll und detailreich das Leben Munzingers illustriert wird, so wenig liebevoll und obsolet ist der zweite Erzählstrang. Weniger ist halt nicht immer Mehr. Insgesamt kann der zu kleine Rahmen aber nicht das Gesamtbild verderben. Ein lesenswerter Roman.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 12. Mai 2004
Alex Capus' erster Roman aus dem Jahr 1997 basiert auf zwei Erzählsträngen: In der Rahmengeschichte geht es um den Journalisten Max Mohn, der mit seinem Leben unzufrieden ist. Seine Beziehung zu Frauen ist problematisch und die Arbeit ödet ihn an. Als er auf die historische Figur von Werner Munzinger stösst, macht er einen Kurztrip nach Kairo, eine Flucht vor seiner Solothurner Gegenwart. Max Mohn tauchte übrigens schon in der Kurzgeschichtensammlung "Eigermönchundjungfrau" auf und ist wieder die Hauptfigur im Folgeroman "Mein Studium ferner Welten".
Hauptsächlich geht es um Werner Munzinger, der um 1850/1860 als Abenteurer nach Nordostafrika gegangen ist, um Händler und schliesslich ein lokaler Fürst (Pascha) zu werden. Er flüchtete vor seiner bürgerlichen Familie. Sein Vater war einer der ersten sieben Bundesräte und sein Bruder war Rechtsprofessor und Schöpfer des Obligationenrechts. Auf der Suche nach einem besseren Leben findet er wenigstens die Liebe.
Alex Capus hat einen angenehm flüssigen und leicht lesbaren Schreibstil. Mit den Quellen geht er sehr frei um. Die Zitate sind meist literarische Bearbeitungen von realen Dokumenten oder sind sogar frei gefunden. Es handelt sich somit nicht um einen historisch exakten Roman, sondern Muninger als Person steht im Zentrum. Meines Erachtens ist die doppelte Geschichte von Mohn und Munziger eher problematisch und der Schwachpunkt des Buches. Ein Buch nur über Munziger allein wäre besser gewesen. Jedenfalls ist es das Verdienst von Alex Capus, eine vergessene historische Figur entdeckt und wieder ins Bewusstsein der heutigen Leser gebracht zu haben.
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am 17. November 2008
In seinem Debut von 1997 verwebt Alex Capus eine in der heutigen Schweiz angelegte Rahmenhandlung mit der auf historischen Quellen beruhenden Lebensgeschichte des Afrikareisenden Werner Munzinger Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Hauptperson, der circa 30-jährige Journalist Max Mohn, ist unzufrieden mit den Scherben seiner alten Beziehung und dem Job - anstatt über einen alt gewordenen Provinzkünstler zu schreiben flüchtet er nach der Entdeckung eines Artikels über Munzinger im Lexikon auf einen Kurztrip nach Ägypten und verliebt sich nebenbei noch in eine Rockerbraut.

Im Lauf der Geschichte werden diese aktuellen Ereignisse immer wieder mit Berichten aus dem Leben Munzingers verknüpft - zunächst aus neutraler Erzählperspektive, dann in Briefform, nachdem Max in Ägypten zufällig(!) alte Briefwechsel in die Hände fallen, die er später - schwuppdiwupp - entsorgt.
Während die Geschichten um Munzinger und seine Familie sowie seine Entdeckungen und die Ereignisse in Afrika spannend und farbenfroh zu lesen sind, fällt aus meiner Sicht die Rahmenhandlung deutlich ab: Sie wirkt hölzern, wenn nicht gar leidenschaftslos und bringt keinerlei zusätzliches Lesevergnügen. Es wird auch weder auf Max noch auf eine der anderen Personen näher eingegangen - sie bleiben Schablonen, die Capus nach Bedarf einsetzt.
Spontanes Verreisen, spontane Suche - das erinnert zwangsläufig an ,Nachtzug nach Lissabon' oder ,Schatten des Windes'. Die Lebendigkeit dieser Parallelgeschichten erreicht Capus leider nicht. Dennoch zeichnet er ein farbiges, originelles und insgesamt sehr unterhaltsames Bild des kolonialen Afrika.
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am 3. Juli 2014
In seinem Roman "Munzinger Pascha" hat Alex Capus zum ersten Mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er ein wunderbarer Geschichtenerzähler ist. Man ist an die Geschichte über Stanley und Livingstone erinnert, an Richard Francis Burton, der von Ilja Trojanow so wunderbar portraitiert wurde, an Jean-Jacques Rousseau und seine Philosophie.

Aber vor allem freut man sich als Leser über eine Abenteuergeschichte, die Entdeckung einer fremden Welt, die Leichtigkeit des Schreibens, die Mischung von Fakten und Fiktion, den leicht ironischen Stil, mit dem Capus die Geschichte des mäßig erfolgreichen Oltener Journalisten Max Mohn und seine Spurensuche nach dem Afrikaforscher Werner Munzinger. Aus Begeisterung wird Desillusionierung und Melancholie.

Mir hat Munzinger Pascha sehr gut gefallen. Es war mein zweiter Capus nach "Fast ein bisschen Frühling".
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am 21. November 2013
Die besten Szenen sind die des Erzählers in Olten.
Aber die Geschichte ist spannend und einzigartig erzählt und recherchiert. .... Das heisst...ich hoffe sie ist recherchiert. Existierte Munziger Pasha wirklich. Ein Blick in Google genügt, JA! Alles wahr!
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am 1. Juli 2015
war ich nach dem großartigen " Eine Frage der Zeit" von Capus - mein Einstieg
in sein Werk . " Munzinger " und " Fälscher" haben für mich nicht gehalten ,
was ich nach dem ersten Buch erwartet habe . daher eben *** .
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Februar 2011
Ich kann den Roman nur weiterempfehlen, er hat alles, was man beim Lesen gerne hat: schöne Schauplätze, interessante Hauptfiguren, einen spannenden Plot, eine hervorragende sprachliche Gestaltung!
Ein Buch, das man getrost verschenken kann!
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Februar 2004
Vielleicht ist dieses Buch sprachlich noch nicht so ausgereift wie spätere Capus-Bücher. Aber der Autor versteht es hervorragend, zwei Erzählungen ineinander zu verweben und in Beziehung zueinander zu setzen:
Munzinger aus dem schweizerischen Olten zog es im 19. Jahrhundert in den Orient, wo er Erfolge genießt, die in seiner Heimat unerreichbar wären. Mohn, der zweite Oltener hat kein rechtes Glück, nicht in der Heimat, nicht bei Frauen, nicht im Beruf und wohl nicht, wenn er versucht, nach Ägypten zu entfliehen ...
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