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5.0 von 5 Sternen
So kennt selbst mancher Mumin-Kenner die Mumins noch nicht, 9. Dezember 2008
In ihrer finnischen Heimat sind die Mumins Stars. Die Hauptstadt Helsinki wartet mit einem eigenen Shop auf, der ganz den Trollen aus den Geschichten der Erzählerin Tove Jansson (1914 2001) gewidmet ist; in der Nähe von Turku lädt der Freizeitpark "Muumimaailma" ("Muminwelt") Fans zum Besuch ein. Man könnte wohl sagen: Die Mumins sind für Finnland das, was Asterix und seine tapferen gallischen Dörfler für Frankreich sind.
Im Laufe langer Jahre haben Janssons Figuren auf ganz verschiedene Art und Weise Gestalt angenommen. Nachdem Janssons 1948 veröffentlichte erste Mumin-Geschichte bei Publikum und Kritik gut ankam, ging die vielseitig begabte Künstlerin dazu über, die Geschichten aus ihrer Feder auch selbst zu illustrieren.
1954 wandte sich die britische Associated Press mit der Bitte an Jansson, die Abenteuer der Mumins in Form eines Comic Strips umzusetzen. Diese Bildergeschichten, die sich vornehmlich an ein erwachsenes Publikum richteten, wurden von über 120 Zeitungen in 40 Ländern veröffentlicht, und "Die Mumins" avancierten zur bis dato erfolgreichsten finnischen Comic-Serie.
Bis zur Ankündigung des Verlags "Reprodukt", die Comics zum ersten Mal in ihrer Gesamtheit auf Deutsch zu veröffentlichen, war mir persönlich nicht bewusst, dass Tove Jansson ihre sympathischen Wesen auch auf einen Ausflug in die Welt des Comic-Strips mitgenommen hat (bislang waren mir "Die Mumins" vor allem als die Helden einer Ende der 70er Jahre produzierten gleichnamigen Puppentrick-Serie im Gedächtnis geblieben). Umso interessanter war für mich die umfangreiche Leseprobe, die sich auf den Online-Seiten des Verlags Reprodukt findet, und die mir einen etwas anderen Mumin gezeigt hat als den, den ich bereits kannte.
Rein äußerlich ist Mumin der, der er für mich immer war: ein knuffiges, weißes, einem Nilpferd nicht unähnliches Kerlchen, dessen Proportionen Beschützerinstinkte ansprechen. Anders gesagt: Mumin passt ganz wunderbar ins Kindchenschema wie übrigens auch Mumins Eltern und Mumins Freundin, das Snorkfräulein. Auf den zweiten Blick werden dann aber doch Unterschiede in der Konzeption des Figurenpersonals deutlich. Während die Mumins, die ich aus Kindertagen kannte, sehr kindliche Charaktere sind, hat Jansson ihren Comic-Figuren Eigenschaften zugeordnet, die einen guten Blick für menschliche Schwächen verraten. So wird etwa das Snorkfräulein plötzlich zu einer Figur, in der Jansson sich mit dem Motiv der Vanitas auseinandersetzt: Das Snorkfräulein verliebt sich zwar schnell in Mumin, mindestens genauso schnell aber verliert es sein Herz während eines Aufenthalts an der Riviera an einen Schönling aus der besseren Gesellschaft. Das Snorkfräulein vereint in sich zwei Eigenschaften, deren Mischung schon für Peanuts-Erfinder Charles Schulz das Rezept war, dem seine Figur Snoopy ihre anhaltende Beliebtheit verdankt: Wenn sich Arroganz mit Unschuld paart, ist das im Ergebnis unwiderstehlich.
Aber auch Mumin-Papa ist durchaus nicht ohne: Offensichtlich findet der Kerl nichts Verwerfliches daran, sich mit seiner besseren Hälfte mir nichts, dir nichts in einen Kurzurlaub abzusetzen, von dem der Sohnemann vorher nicht einmal ins Benehmen gesetzt wird. Mumin-Mama scheint die Sache zwar unbehaglich zu sein, lässt sich vom Gatten aber mit der Binse trösten, ein bisschen Selbständigkeit werde dem Nachwuchs gut tun.
Machen wir uns nichts vor: Die Mumins, die uns Jansson in ihren Comics vorstellt, sind eine ziemlich hedonistische Gesellschaft. Das macht sie nicht weniger liebenswert, aber es macht sie zu Figuren, in denen sich auch Erwachsene schmunzelnd wiedererkennen können: Wer wollte es Mumin-Papa wohl verübeln, dass er sich im Rimini-Urlaub als Adeliger "de Mumin" ausgibt ? Ein bisschen von Mumin-Papa, der sich gern als Abenteuerer und Draufgänger sieht, steckt sicher ins uns allen; und die Bemühungen von Mumins bestem Freund Schnüferl um schnellen materiellen Reichtum wird jeder verstehen können, der je einen Lottoschein ausgefüllt hat.
Die teils herrlich lakonischen und überaus kundig aus dem englischen Original ins Deutsche übertragenen Texte ergänzen Janssons Zeichnungen kongenial. "Ohne Rum läuft nix", erwidern etwa die Piraten, die vom Snorkfräulein und der koketten Mümmla zu Hausarbeit verdonnert werden; und einem älteren Herr fällt zu einem Elixier, das ihm die Jugend zurückbringen soll, nur Folgendes ein: "Was? Das ganze Theater mit den Weibern noch mal?"
Wie gesagt: "Die Mumins", die uns die Comic-Variante vorstellt, wenden sich offenkundig an ein vergleichsweise erfahrenes Theaterpublikum. Das erfährt im ersten Band der auf 5 Bände angelegten Komplettausgabe aus dem Berliner Verlag Reprodukt, wie sich Mumin und das Snorkfräulein kennen- und liebenlernen, auch die von sich überaus eingenommene und etwas mannstoll wirkende Mümmla hat ihren ersten Auftritt. Ferner geben sich seltsame Wesen die Ehre, die Kenner der Mumin-Materie als Hattifnatten ein Begriff sind, und ganz zum Schluss macht die Mumin-Sippe noch Bekanntschaft mit ihren Ur-Ahnen, die überraschenderweise sehr quicklebendig sind.
Der Spassprediger meint:
Rund ein halbes Jahrhundert, nachdem die Mumin-Comics zum ersten Mal als Fortsetzungsgeschichte in einer englischen Zeitung erschienen, macht der Verlag Reprodukt Janssons wunderbar versponnene Bildergeschichten nun erstmals auch einem deutschen Publikum in ihrer Komplettheit zugänglich. Dankenswerterweise macht auch die Ausstattung dem erfreulichen Anlass alle Ehre: Gemessen an manch anderer Neuveröffentlichung von Comic-Klassikern schneidet Band 1 der gesammelten Mumin-Comics überdurchschnittlich gut ab. Weder an der Papierqualität noch am Rest der Ausstattung habe ich etwas zu beanstanden. Mit seinem in Halbleinen gebundenen Rücken hat mich der Band auf Anhieb unwillkürlich an die derzeit bei Ehapa in limitierter Auflage erscheinenden Bände der Carl Barks Collection erinnert die mit einem Ausgabepreis von knapp 50 Euro pro Band allerdings gut doppelt so teuer sind wie Band 1 der gesammelten Mumin-Comics: den Preis von 24 Euro für Band 1 der schönen Edition empfinde ich angesichts der Qualität des Gebotenen als wirklich äußerst reell.
Fazit: Wer "Die Mumins" kennt und liebt, kommt um Band 1 der schönen Werkausgabe mit Mumin-Comics aus dem Verlag Reprodukt nicht herum. Freunde poetischer Comic-Kunst wie "Calvin & Hobbes" und "Die Peanuts" sowie Geschichten von Janosch sollten aber ebenfalls einen Blick riskieren, denn Tove Janssons Mumin-Comics sind wirklich eine echte Entdeckung.
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Zauberhafte Mumins, 22. Dezember 2009
Schon meine Kinder waren ganz wild auf die Mumin-Geschichten, besonders auf "Eine drollige Gesellschaft", von Tove Jansson. Jetzt sind es die Enkel. Mein alternativ denkender schwedischer Freund schickte mir schon in den siebziger Jahren "Mumin" zur Freude meiner Kinder als Comic-Strips - obwohl er Comics verabscheute. So habe ich übersetzend vorlesend in die Welt von Mumin, Hemul, dem Snorkfräulein, Schnupferich eingeführt und eine Liebe geweckt, die bis heute anhält. Dass jetzt "Die gesammelten Comic-Strips von Tove Jansson" auf Deutsch vorliegen, erzielt zudem einen tiefen pädagogischen Zweck: Die großen Mumin-Geschichten selbst zu lesen, überfordert einen 8-jährigen noch. Aber die kurzen Streifen wecken die Begierde nach immer mehr. Und dann sind bestimmt auch die größeren Geschichten an der Reihe. Und sicherlich das Lesen überhaupt.
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