Stereoplay
Den Begriff "Weltmusik" wagt man kaum mehr über die Tastatur zu jagen. Zu sehr erinnert er an musikalischen Souvenirhandel, an ethnische Trödelladenfunde, die man sich ans unkomplizierte Vier-Viertel-Revers heftete. Ethnostars und -songs sind in und out wie Szenekneipen: heute türkisch, morgen israelisch und übermorgen serbokroatisch. Mit Don Cherrys neuer CD "Multikulti" gibt es jedoch ein wirksames Mittel gegen den Weltmusik-Kneipenmief. Als Startempfehlung sei der Titel "Melodica" genannt, in dem Don(ald) Eugene Cherry solistisch einen Bogen von Chicago nach Trossingen spannt, indem er eine helle Ballade auf einem Schwarzwälder Kinderkeyboard bläst: Alpenblick und Gletscherbonbon. Überhaupt ist "Don" Cherry - auf geradezu mystische Weise offenbar nicht alternd - ein Kind geblieben, das auf seiner "Pocket Trumpet" bläst und wach, klug und staunend die musikalische Welt von Norwegen bis Südafrika bereist. Mittelpunkt des Trips ist das über 12minütige Big-Band-Opus "Until The Rain Comes" im afrikanischen Streetmusic-Sound. Umrankt wird das Percussion-Happening durch Stücke in den verschiedensten Besetzungen, darunter auch der Reggae "Birdboy" mit Drumcomputer, Synthesizer und Dons sandig nuschelnder oder emphatischer Trompete. Begleitet wird der multikulturelle Parsifal auch von Kollegen aus früheren Tagen wie Carlos Ward, Nana Vasconcelos, Karl Berger, Ed Blackwell.
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