Tom Waits ist eine lebende Legende. Und auch lebende Legenden erlauben sich ab und zu mal einen Fehltritt. Das dürfen sie auch, keine Frage. "Mule Variations" ist aber absolut keiner.
Denn war auch MV nicht das Meisterwerk, dass man damals von ihm erwartet hatte, so ist es doch ein aussergewöhnlich gutes Album, auf dem er einmal mehr seine Vielseitigkeit unter Beweis stellt. Das beste, dass er in den 90gern veröffentlicht hat, ist allerdings das düstere "Bone Machine". In diesem Jahrzehnt hatte er sich sowieso sehr zurückgehalten, was die Zahl der Veröffentlichungen angeht.
Es fehlt nicht an Highlights, wie man beim ersten Durchlauf denken könnte (obwohl das angesichts von Krachern Marke: "Big in Japan" oder "Come on up to the House" fast gar nicht möglich ist) . Nach und nach entfalten auch die unscheinbareren Songs ihre Wirkung. So zb. "The House where nobody lives", das sich sogar zu einem ziemlich merkwürdigen Ohrwurm entwickeln kann. Die Überraschung und möglicherweise sogar der beste Song ist "What's he buiding?". Ein gesprochener Monolog, aber von unglaublicher Wirkungskraft und mit einem Klangteppich aus höchst seltsamen Geräuschen unterlegt. Man muss es wohl hören, um es zu verstehen. "Eyeball Kid" ist wiederum einer der merkwürdigsten und schrägsten Songs überhaupt. Darauf verstand sich der Meister ja schon immer besonders gut.
Wenn das Album eine Schwäche hat, dann dass es vielleicht ein Quentchen zu lang geraten ist. Jedenfalls ist MV auch für Einsteiger in die kuriose Welt des T.Waits zu empfehlen, da es einen Überblick darüber vermitteln kann, wo er stilistisch einzuordnen ist.
Nämlich nirgendwo.