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Der zweite Teil von Mulatten in gelben Sesseln enthält dann aktuelle Kolumnen, die bereits im Magazin FOCUS erschienen sind. Darin spricht Schmidt viele große Worte gelassen aus und erweist sich als schlagfertiger Analytiker von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Seine Beiträge handeln vom goldenen Silbermarkt, von Harald & Maut oder Condoleezza Rice und rauchenden Colts. Obwohl brillant wie witzig verfasst, stehen diese lesenswerten Glossen im Schatten von Teil eins.
Einmal mehr beweist Harald Schmidt, dass er nicht nur vor der Kamera Hochkarätiges leistet. Auch als Schriftsteller weiß der gelernte Schauspieler zu überzeugen -- leidenschaftlich, pointenreich, hintergründig. Und während wir sehnsüchtig darauf warten, dass uns der Late-Night-Comandante aus dem Schwabenland spätabends den Marsch bläst, finden wir Trost und Erbauung in seinen kuriosen Tagebüchern und furiosen Glossen. --Herwig Slezak
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Die Schriftsprache stellt andere Ansprüche, und hier bleibt Schmidt weit, weit hinter anderen Satirikern und Glossisten des täglichen (politischen, medialen) Daseins zurück. Aus seinen Focus-Kolumnen (die hier ohne Hinweis auf Erscheinungsdatum und in nicht immer plausibler Gruppierung kommentarlos wiedergekäut werden) glimmt einem ab und an eine gelungene Formulierung freundlich entgegen, der erkenntnisfunkelnde Witz jedoch eines Max Goldt etwa stellt sich nicht ein, da Schmidt keinerlei Haltung einnimmt - schmerz- und einsichtslos lächelt und langweilt man sich durch die Lektüre.
In den sogenannten "Tagebüchern", die das Buch eröffnen, erprobt Schmidt den höheren Nonsens. Im Helge-Schneider-Tonfall kalauert er sich durch Geschichte und Hochkultur, wirbelt Beckett und Polanski durcheinander, bringt eine (nicht kenntlich gemachte) Parodie auf den Roman "Saturday" von Ian McEwan und vermengt absichtsvoll Bildungsbürgergut zu einer unsinnigen Melange. Leider ist Schmidt dabei mitnichten originell, alles bleibt sprachliche Attitüde, und irgendwie erinnert das Ganze unangenehm an Abiturientenzeitzung und Pennälerscherz. Danach liest man die Focus-Kolumnen fast schon wieder gerne!
Fazit: 1/4 Toll! 3/4 Nett.
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