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Alle Regeln wurden außer Kraft gesetzt. Finley Quaye machte sich auf zu einer musikalischen Kreuzfahrt. Er überschreitet Grenzen, bevor sie überhaupt aufgestellt wurden, definiert sich neu und tritt somit gegen das an, was wir bis jetzt wissen und verstehen. Er verbindet das Digitale mit der Vergangenheit und präsentiert es uns, um den neuen Sound von heute zu erschaffen.
Mit dem Album "Vanguard" - "Es beschreibt meine Position, meine Lyrics und meine Musik zu dieser Zeit und in diesem Land" - ist Finley Quaye zu den Wurzeln zurückgegekehrt und erkundet nun die Zukunft durch die Art, wie er sein Album geschrieben und aufgenommen und seine Instrumente ausgewählt hat. Angefangen mit der Gitarre hält er es eher einfach, wählt nur andeutungsvolle Akkorde und lässt die Worte durch seine Seele bestimmen. Auf diesem Weg hat Finley "Vanguard" kreiert, 12 wachsame und nachdenkliche Tracks von reichhaltigem Inhalt, Tiefe, purer Qualität und Originalität.
Das Album entspringt einer Saat von Ideen, die über die letzten 18 Monate hin geerntet wurden. Es wurde in rund 4 Monaten in Studios hauptsächlich im Norden Londons aufgenommen. "The Emperor" ist möglicherweise einer der schönsten und epischsten Titel auf dem Album. Ein pulsierender Soundtrack, der mit exquisiten Strings - gespielt von Mr. Quaye höchst persönlich - poetische, herzzerreißende Lyrics verkündet, "die um den Bau und Fall des Turms von Babylon handeln". Der treibende upbeat Track "When I Burn Off Into The Distance" ist wie "eine Postkarte an Freunde und Familie während ich weg war" und gibt ein Gefühl preis, das direkt vom Herzen kommt, untermalt von einem reichhaltigen Geflecht aus filigranen Sounds.
Der brilliante und besinnliche Song "British Air Rage", handelt davon "sich nicht unnötigen Vorschriften, Arbeitssuchenden und Freiheitsrednern mit ansteigendem Status zu fügen - indem er auf musikalischem Wege beweist, dass es viel angenehmere und schönere Möglichkeiten gibt", "zwinkert und nickt er verschiedenen Leuten zu, die wissen, dass sie gemeint sind". Die Rede ist von Kapitalismus und miesen Methoden. Tiefer noch als dieser Gedanke erschafft die Psaltry (ein biblisches Instrument), die auf diesem Track verwendet wurde, "eine Spannung wie in einem Flugzeug".
"Chad Valley" ist eine pulsierende Mischung von Sounds und pochenden Beats, vermutlich der zeitnaheste (modernsten?) Track auf der LP, ein eigensinniger Titel. Der Inhalt lehnt an Finleys Jugend an, speziell an den Vater eines Freundes, der alle möglichen Formen der elektronischen Musik "Chad Valley"-Musik nannte. "Calendar" "versucht auszudrücken, wie ich etwas ganz ohne jegliche Materialien kreiere. Musik, Worte, Nummern, Bilder in Kreation", während "Feeling Blue" ein wunderschöner, sehnsüchtiger Song ist, in den sich jeder hineinversetzen kann. "Es dreht sich darum, dass es einem schlecht geht und man trotzdem sagt: Alles ist okay!'".
Wenn es um Live-Auftritte geht, ist Finley Quaye ganz in seinem Element: "Live zu spielen ist einer der fundamentalen Gründe, weswegen ich in dieses Geschäft eingestiegen bin." Finley wird noch diesen Herbst wieder mit seiner Band auf der Bühne stehen, denn "um so mehr man auf Tour gehen kann, um so besser". Nebenbei, so zeigen es auch alle Aspekte dieses spirituellen Mannes, ist Finley jemand, der den Geist der Familie immer bewahrt und vorantreibt. Als erwachsener Künstler, hat Finley in der Zeit, in der er unterwegs war, viele Erfahrungen sammeln können. Musikalisch zeigt "Vanguard" neue Tiefen - bereits jetzt im Aufbruch zu seiner nächsten künstlerischen Reise, führt Quaye sein Werk weit in die Zukunft.
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Trotz unterschiedlicher stilistischer Anleihen fehlt ein wenig die Spannung. Es fehlen Reizpunkte. Die CD plätschert ein wenig vor sich hin. Finlays Stimme ist ausdrucksstark, passt ganz hervorragend zu entspannt hörbarer Hintergrundmusik, aber dennoch fehlen die Innovationen, für die er einst gerühmt wurde. Es wäre schön, wenn die wunderbare Stimme von Beth Orton, die "dice" so grandios aufwertet, häufiger auf dem Album hörbar wäre. Es wäre ebenfalls schön, wenn häufiger mit dem sicheren, bewähretn gebrochen worden wäre, und mehr Spannung erzeugt werden würde.
Leider passierte es nicht. Somit bleibt "Much more than much love" nicht viel mehr als routinierter, zeitloser Pop für Erwachsene, dem leider ein wenig Substanz fehlt, um wirklich zeitlos noch in einigen Jahrzehnten gehört zu werden. Schade. Aber es lohnt sich dennoch mal reinzuhören. Allen voran natürlich in "dice", sofern ein Leser das Lied noch nicht kennt. Für mich ein musikalischer Höhepunkt der letzten Jahre. Vielleicht schraubte dieser Titel meine Erwartungen auch schlichtweg zu hoch.
6/10 Punkte ist mir die CD jedenfalls wert. Das entspricht dann soliden, aber nicht überragenden 3 Sternen.
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