Nun wissen wir ja alle, dass R'n B seit einigen Jahren nicht mehr R'n B ist, sondern sich mittlerweile zum Bubblegum-Pop der 2000er gemausert hat. Keine gute Entwicklung, aber so ist das halt, Musikgenres verändern sich, mal steht das eine, mal das andere oben an der Spitze ... Aktuell allerdings kann man an sogenannter Black Music nichts Schwarzes mehr finden, außer eben in Hinsicht auf die Optik der "Künstler".
Jetzt gibt es ein paar wenige Jungs und Mädels, die noch aus der Mitte der 90er stammen und quasi die goldene Ära des modernen R'n B mitgezeichnet haben: Brandy, Monica udn wie sie alle heißen. Unter anderem auch die drei Damen von Destiny's Child.
Ist Beyoncé mittlerweile vollkommen größenwahnsinnig geworden und nur noch auf einen Oscar aus, statt mit ihrer Stimme und ihrem Soul zu punkten, dachte man zumindest immer, man könne sich wenigstens auf Kelly Rowland verlassen; die hat nämlich eine genauso einzigartige, tolle Stimme, genauso einen starken persönlichen Bezug zu echter Soulmusik und ist längst nicht so extrem Charts-abhängig wie ihre Kollegin.
Aber nein, auch Kelly geht bei Soloalbum Nummer Zwei auf Nummer sicher und bedient konsequent die Masse - udn "die Masse" ist nicht das einstige Publikum, das schon Destiny's Child mochte oder zu einer Zeit R'n B gehört hat, als der große Rest auf Britney-Pop oder Backstreet Boys stand - die Masse scheint jetzt aus Teenagern definiert zu sein, Kinder, die Musik nur mögen, wenn sie schnell verdaulich, einfach gestrickt und möglichst ohne Aussage daherkommt; Tracks also, die sich so wunderbar einfach auf dem mp3-Player an der Bushaltestelle hören lassen.
Das ist Musik, die nicht berührt, es tut mir leid. Clubben ist ja schön und gut, aber auch das kann man tatsächlich mit spannenden Beats und individuellen Soundstrecken - man mag es kaum glauben, ist aber so. Haben uns in der Vergangenheit dann doch ein paar Künstler gezeigt, und ja, auch kommerzielle Künstler.
Ich bin sehr, sehr (!) enttäuscht von Kelly. Wer wissen will, was Miss Rowland eigentlich drauf hat, udn was sie, ihre Stimme und ihren Bezug zur Musik ausmacht, der kaufe sich lieber "Simply deep", ihr Solodebür von 2003. Das kann man zwar weniger in einer Kinderdisco hören, da es eher von Ruhe und Nachdenklichkeit durchzogen ist, dafür stimmen da aber die Arrangements.
Diese Scheibe ist leider lediglich Einheitsbrei - udn noch nicht einmal guter. Wäre Kellys Stimme nicht, würden einen die Tracks wirklich vollkommen kalt lassen. Tun sie zum Großteil aber ohnehin. Emfehlen kann ich höchstens "Work". "The show", "Love" und "Better without you" sind ebenfalls gute Songs, vor allem letzterer zeigt, was Kelly Rowland dann doch kann - aber alles in allem ist das hier ein fast schon peinlich auf Chart- und Klingeltonerfolge ausgerichtetes, gänzlich uninspiriertes Dance-Album und einer Kelly Rowland schlicht und ergreifend einfach nicht würdig.
Aber so ist nunmal das Geschäft ...